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Der Tod des Carabiniere

Die Schuldfrage zum Unfall, bei dem im Juli in Brixen der Carabiniere Alexander Foppa verstarb, scheint geklärt. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen ukrainischen LKW-Fahrer wegen Tötung im Straßenverkehr erhoben.

Von Thomas Vikoler

Der Motorradfahrer hatte nicht den Hauch einer Chance, dem schweren LKW auszuweichen. Er prallte mehr oder weniger frontal gegen dessen Fahrerkabine und wurde zu Boden geschleudert. Alexander Foppa, von Beruf Carabiniere, 52, verstarb an der Unfallstelle.

Der tragische Unfall ereignete sich am 28. Juli vergangenen Jahres gegen 11.00 Uhr in der Julisus-Durst-Straße in der Brixner Industriezone. Heute findet hingegen am Landesgericht die Vorverhandlung gegen einen ukrainischen LKW-Fahrernamens Valentin Dubenc statt. Die Staatsanwaltschaft hat gegen ihn Anklage wegen Tötung im Straßenverkehr („omicidio stradale“) erhoben.

Die Anklage stützt sich auf ein Gutachten des Meraner Verkehrsexperten Antonio Pietrini. kommt darin zum Schluss, dass der LKW dem herannahenden Motorrad sprichwörtlich den Weg abgeschnitten hat. Und zwar indem er, gegen alle Verkehrsregeln, zu früh in eine Nebenstraße einbog. Anstatt rund zehn Meter weiter entlang der Julius-Durst-Straße zu fahren, lenkte der Fahrer den schweren LKW direkt, einen Haltestrich überfahrend, in die Nebenstraße.

Auf der Gegenfahrbahn kam ihm Alexander Foppa auf seinem schweren Motorrad entgegen. Der LKW-Fahrer hatte ihn entweder übersehen oder den Abstand zum Motorrad unterschätzt.

Was Pietrinis Gutachten ebenfalls ergab: Der Carabiniere war – der Aufprallwucht nach zu schließen – auf seiner Maschine zwischen 65 und 70 Stundenkilometer unterwegs, also innerhalb des Tempolimits auf der Julius-Durst-Straße von 70 Stundenkilometern.

Deshalb kommt der Gutachter zum Schluss, dass der LKW-Fahrer zu hundert Prozent die Schuld an dem tödlichen Unfall trägt. Weil offensichtlich Verkehrsregeln verletzt wurden, handelt es sich für die Staatsanwaltschaft nicht um fahrlässige Tötung, sondern um Tötung im Straßenverkehr.

Heute findet am Landesgericht vor Richter Peter Michaeler die Vorverhandlung zu diesem Fall statt. Weil das Anklage-Gutachten erst ins Ukrainische übersetzt werden muss, ist keine richterliche Entscheidung zu erwarten. Die Beweislage erscheint aber eindeutig.

In das Strafverfahren hat sich bisher Foppas Bruder eingelassen, der Schmerzensgeld einfordert. Nicht eingelassen haben sich bisher die Witwe und die Kinder des damals in Sterzing stationierten Carabiniere. Schadenersatz und Schmerzensgeld kann auch über eine Zivilklage eingefordert werden.

Ebenfalls auf der Verhandlungsliste steht heute ein weiterer mutmaßlicher Fall von Tötung im Straßenverkehr. Ebenfalls im Juli vergangenen Jahres wurde in Salurn eine 70-jährige Frau von einem Fiat Panda überfahren und getötet. Weil sich der Unfall im Bereich eines Zebrastreifens ereignete, verzichtete die Staatsanwaltschaft auf den Rat eines Sachverständigen. Sie erhob gegen den Fahrer des Fiat Panda, K.P., 60, Anklage wegen Tötung im Straßenverkehr. Ein Delikt, das vor zwei Jahren vom Parlament ins Strafgesetzbuch eingefügt hat. Mit entsprechend erhöhten Strafen gegenüber dem Tatbestand der fahrlässigen Tötung.

 

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Kommentare (8)

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  • tiroler

    Was soll man sagen? Leider sind die Motorräder viel zu schnell unterwegs. Tragisch. Ob es sinn macht den lkw fahrer einzusperren weiss ich nicht, absicht war jedenfalls nicht dabei. Vorsätzliche gewalt wird nicht geahndet in italien, das ist komisch.

  • zusagen

    Für mich tragen dann aber auch die mit Schuld die 70 km/h zulassen. Auch der Motorradfahrer muss wissen welches Risiko er auf seiner Kiste eingeht. Ein Hindernis auf einer solchen Straße ist immer ein zu berechnen und jedem der einen Fehler macht kann nicht gleich Tötung vorgeworfen werfen. Strengere Gesetze und eingreifen bevor was passiert

  • goggile

    ich finde es pietätlos wenn man von einem nahestehenden menschen der verstorben ist Geld durch Schmerzensgeld fordern will. auch dies ist ein Faktor der katastrophalen gesetzeslage, die nicht menschenzusammenbringt sondern spaltet wie niemals zuvor. ich würde mich schämen!

  • nostradamus

    Ich bin selber Motorrad gefahren und kann bestätigen:
    die gefählichsten Situationen hatte ich als mir AUTOFAHRER den Weg abgeschnitten haben.

    Und das auch bei langsamen Geschwindigkeiten…

    Schönen Tag noch

    • andreas

      Als Motorradfahrer ist es aber auch ratsam davon auszugehen, dass der andere einen Fehler macht und seine Geschwindigkeit dementsprechend anzupassen.
      Ich würde mal behaupten, dass 90% der Motorradunfälle auf das Konto der Motorradfahrer gehen, auch wenn manche Motorradfahrer sich als unfehlbar ansehen.
      Ich fahre selbst Motorrad, ärgere mich aber immer über diese Hasardeure, wenn ich im Auto sitze. Fahr mal mit dem Auto im Sommer Waidbruch – St. Ulrich und gibt acht, wie dir die Motorradfahrer da entgegenkommen, alles Suizidale. 🙂
      Wenn ich dann mit dem Motorrad unterwegs bin, fahre ich aber auch nicht anders.

      .

      • goggile

        gut dass sie das öffentlich kundtun. hoffentlich wird ihnen der Führerschein entnommen. einem suizidale will ich nicht begegnen im strassenverkehr. mal schauen ob beamte endlich aktiv werden.

  • wollpertinger

    Der Sachverständige der Anklage sieht die Schuld zu 100 Prozent beim Angeklagten. Interessant wäre zu wissen, wie der Sachverständige der Verteidigung, so es einen gibt, den Fall sieht. Rechtliche Haarspaltereien ändern aber nichts an der Tatsache, dass der Unfall – wie jeder schwere Unfall – tragisch war und dass Motorradfahren – ohne auf Schuldfragen einzugehen – gefährlich ist.

  • homoerektus

    Motorradfahre ist wie eine Sucht, da bekam ich so richtig Adrenalin, irgendwann hab ich gemeint ich bin Valentino Rossi. Diese Strassenmaschinen sind wie echte Raketen. Mein Glück war ich habe Angst von mir selbst bekommen und dabei bin ich im Stande gewesen das zur Kenntnis zu nehmen. diese zweirädrige Raketen gehörten sich nicht zugelasse weil meiner Meinung mit dem Genuss kommt die Sucht. Ich war ein Motorradfahrer, heute nicht mehr und bin froh.

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