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Fehlende Hausärzte

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Die Situation spitzt sich immer weiter zu: Aktuell fehlen in Südtirol 85 Hausärzte – und die Pensionierungswelle ist erst gestartet.

von Heinrich Schwarz

Derzeit sind in Südtirol 264 Hausärzte tätig, die mit dem Sanitätsbetrieb konventioniert sind. Vor einem halben Jahr waren es noch 277. Es wird also immer schwieriger, die Grundversorgung der Bevölkerung vor Ort zu gewährleisten. Bisher konnten drohende Engpässe immer bewältigt werden. Doch die derzeitige Pensionierungswelle bei den Hausärzten wird es nicht einfacher machen.

Der Südtiroler Sanitätsbetrieb hat nun die Liste jener Gebiete, in denen Ärzte für die Grundversorgung fehlen, aktualisiert. Demnach fehlen derzeit landesweit insgesamt 85 Hausärzte. Allein im Gesundheitssprengel Bozen sind es 21 (siehe Grafik mit allen betroffenen Gebieten).

Die Berechnung der nicht besetzten Arztstellen erfolgt auf Grundlage der „optimalen Patientenanzahl“ für einen Hausarzt. Diese Optimalzahl liegt aufgrund neuer rechtlicher Bestimmungen seit wenigen Jahren bei 1.300. Als Höchstgrenze sind nun 1.575 Patienten vorgesehen. Zuvor waren auch mehr als 2.000 kein Problem, sodass jene Ärzte, die in Pension gehen, entsprechend viele Patienten hinterlassen.

Und der Sanitätsbetrieb weiß: Die Pensionierungswelle ist erst gestartet.

Das Gesetz sieht vor, dass die Ärzte ab 65 Jahren in Rente gehen können. Spätestens mit 70 müssen sie ihren Kittel definitiv an den Nagel hängen. Im Vorjahr erreichten acht Hausärzte das Alter von 70 Jahren, wobei auch einige jüngere Ärzte in Pension gingen. Heuer fallen fünf Ärzte definitiv weg, weil sie 70 werden, im nächsten Jahr nochmal fünf und 2020 sogar 13.

Demgegenüber schlossen im Vorjahr 19 Ärzte die dreijährige Sonderausbildung in Allgemeinmedizin ab. Heuer folgen 16 Jungärzte, nächstes Jahr neun und übernächstes Jahr 14.

Das heißt: Vorausgesetzt, alle Absolventen eröffnen in Südtirol eine Praxis und sind bereit, eine hohe Anzahl an Patienten aufzunehmen – Letzteres ist unwahrscheinlich –, und vorausgesetzt, die ältere Ärzte-Generation bleibt bis 70 aktiv – was bisher meistens nicht der Fall war –, könnte das Land die Kurve ohne größere Engpässe kratzen.

Eine Studie der Universität Trient hatte ergeben, dass Südtirol aktuell einen Ausbildungsbedarf von 20 Ärzten pro Jahr hat. Davon ist man deutlich entfernt.

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