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„Es ist 5 nach 12“

Die beiden oberen Seitengletscher (im Bild von rechts) waren vor wenigen Jahren noch in Verbindung mit dem Hintereisferner (Foto: Universität Innsbruck)

Das weitere Abschmelzen der Gletscher kann nicht mehr verhindert werden – selbst wenn alle Emissionen jetzt gestoppt würden.

Forscher der Universitäten Bremen und Innsbruck zeigen in einer aktuellen Studie, dass das weitere Abschmelzen der Gletscher im laufenden Jahrhundert nicht mehr verhindert werden kann – selbst wenn alle Emissionen jetzt gestoppt würden.

Aufgrund der langsamen Reaktion der Gletscher auf Klimaänderungen hat unser Verhalten heute über das 21. Jahrhundert hinaus allerdings massive Auswirkungen: Fünfhundert Meter Autofahrt mit einem Mittelklasse-Fahrzeug kosten langfristig ein Kilo Gletschereis.

Die Studie wurde im Fachmagazin Nature Climate Change veröffentlicht.

Im „Paris Agreement“ haben sich 195 Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen auf die Begrenzung des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2 Grad Celsius, wenn möglich auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau geeinigt.

Die Risiken des Klimawandels sollen dadurch deutlich reduziert werden.

Was bedeutet dieses Vorhaben – sofern erfolgreich – für die Entwicklung der Gletscher?

Die Klimaforscher Ben Marzeion und Nicolas Champollion vom Institut für Geographie der Universität Bremen sowie Georg Kaser und Fabien Maussion vom Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften der Universität Innsbruck sind dieser Frage nachgegangen. Die Klimaforscher haben dazu berechnet, welche Effekte die Einhaltung dieser Klimaziele auf die fortschreitende Gletscherschmelze hat. „Schmelzende Gletscher haben einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Meeresspiegels. In unseren Berechnungen haben wir alle Gletscher weltweit – ohne die Eisschilde der Antarktis und Grönlands – berücksichtigt und in verschiedenen Klimaszenarien modelliert“, erklärt Georg Kaser.
„Für die Gletscher ist es 5 nach 12.“
Für die Entwicklung der Gletscherschmelze in den nächsten 100 Jahren macht es keinen signifikanten Unterschied, ob die Durchschnittstemperatur um 2 oder nur 1,5 Grad steigt. „Das spielt eine überraschend und auch frustrierend geringe Rolle – zumindest für das laufende Jahrhundert. Etwa 36 Prozent des heute noch in Gletschern gespeicherten Eises würde langfristig auch ohne weiteren Ausstoß von Treibhausgasen schmelzen. Das heißt: Gut ein Drittel des heute noch vorhandenen Gletschereises ist auch mit den ambitioniertesten Maßnahmen bereits nicht mehr zu retten“, sagt Ben Marzeion.

Völlig anders gestaltet sich die Situation allerdings, wenn der zeitliche Horizont erweitert wird: Über das aktuelle Jahrhundert hinaus betrachtet, macht es durchaus einen Unterschied, ob nur das 2 Grad-Ziel oder das 1,5 Grad-Ziel erreicht wird.

„Gletscher reagieren langsam auf klimatische Veränderungen. Wenn wir beispielsweise den aktuellen Umfang des Gletschereis-Bestandes erhalten wollen würden, müssten wir ein Temperaturniveau aus vorindustriellen Zeiten erreichen, was natürlich nicht möglich ist. Wir haben in der Vergangenheit durch Treibhausgasemissionen bereits Entwicklungen angestoßen, die sich nicht mehr aufhalten lassen. Für die Gletscher ist es 5 nach 12. Das bedeutet aber auch, dass unser heutiges Verhalten Auswirkungen auf die langfristige Entwicklung der Gletscher hat – das sollten wir uns bewusstmachen“, ergänzt Gletscherforscher Kaser.

Um diese Auswirkungen greifbar zu machen, haben die Wissenschaftler errechnet, dass jedes Kilogramm CO2, das wir heute ausstoßen, langfristig 15 Kilogramm Gletscherschmelze verursachen wird.

„Umgerechnet auf ein 2016 in Deutschland neu zugelassenes Durchschnittsauto bedeutet das: Alle fünfhundert Meter Autofahrt geht ein Kilo Gletschereis verloren“, verdeutlicht Ben Marzeion.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (5)

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  • ahaa

    Wow,was fùhr eine Erkenntniss.Schade das es nicht kàlter wird.Die Natur ùberlebt schon,wobei ich mir beim Menschen nicht sicher bin.Wir haben es auch geschafft Flora,Fauna.Wasser,Luft,Bòden,Wetter…..zu veràndern,warum nicht das?Der Schee am Berg ist doch das Wichtigste. 😉

  • george

    Und fast alle fahren frisch fröhlich weiter und tun als ob nichts wäre und schimpfen auf die „Grünen“, vor allem die meisten Kommentarschreiber hier.

    • yannis

      Uuuund was taten die Grünen soweit sie mit an den Regierungen saßen, gegen die Klimaveränderung ?
      Vielmehr haben die DE Grünen z.B. den Gaz- Gerd prächtige Unterstützung bei seiner Agenda 2010 geleistet, die unbestritten den Real-Kapitalismus seitdem das zuspielt was der unteren Schicht in der Bevölkerung genommen wurde.
      Dann noch das Ding mit der sog. Riester Rente, für die Banken und Versicherung ein Riesen Gewinn, für den kleinen Sparer die Geldvernichtung pur.
      Jetzt in der Neuzeit ist ihre größte Forderung an politischer Veränderung, der massenhafte Zuzug von Fremdkulturen die den Sozialstaat früher als später kollaborieren ließen.
      Dafür braucht man dieser Katrin Göring Eckart nicht lange ihr Geschwätz anzuhören, und dies zu wissen, das Umwelt-Thema, Fehlanzeige !

  • franz

    Grün-Fundamentalistisch-Realitätsfremde Intensivschwätzer ) immer wieder erklären was Sache ist.
    z..B dass Alternativ Energie wie Windkraft – Wasserkraft ein totaler Blödsinn ist.
    Wasserkraftwerke? Nein danke!
    (george ) die Umleitung in Marling ist eine Fehlleitung 🙂
    20. Mai 2015 um 14:47
    “nicht nur „Touil Abdelmaijd“ ist umgeleitet worden, die Etsch wurde das schon längst, obwohl dies eine Fehlleitung war. (……)
    http://www.tageszeitung.it/2015/05/20/der-gratis-parker/#comment-262784
    Typisch für den grünen Gutmenschen.
    http://www.tageszeitung.it/2018/03/07/ohne-uns/#comment-367076

  • franz

    Keine guten Aussichten für die Betreiber von Wasserkraftwerken.
    Nachdem jetzt auch unsere SVP-Politiker, zur Erkenntnis gekommen sind, dass die Übernahme der Enel – Kraftwerke auf Grund des Klimawandels bzw. den Trockenperioden und den Gletscherschwund sprichwörtlich ein Schlag ins Wasser war, fordert das Land bzw. Gemeinden Präsident Schatzer die Gemeinden auf Sel – Aktien im Wert von 97,4 Millionen Euro zu kaufen.
    Schatzer: “Ein Blick in die Bilanzen der Selfin der letzten Jahre genügt. Bei einem durchschnittlichen Jahresgewinn von ca. 3 Millionen Euro kann von Untätigkeit wohl keine Rede sein.” Zudem sei auch Alperia bestrebt, die Gewinne und somit die Dividenden zu erhöhen.
    Trotz einer Alperia Miese – von 4 Millionen Euro im ersten Halbjahr.2016 Das auf die Gruppe entfallende Nettoergebnis in den ersten sechs Monaten 2017 zeigte – nach Abzug einer Berichtigung hinsichtlich einiger Vermögenswerte betreffend die Elektrizitätserzeugung aus Wasserkraft – ein Ergebnis, das im Wesentlichen mit dem von 2016 übereinstimmt und sich auf knapp weniger als minus 4 Mio. beläuft
    http://www.tageszeitung.it/2017/09/27/der-alperia-verlust/
    Sollte es so weiter gehen werden die großen Speicherstauseen ( wie z. B der Zoggler Stausee in nächster Zukunft wohl nur mehr als Trinkwasser – Speicher benützt werden und damit nicht mehr zur Stromerzeugung dienen. ( So meinte einmal ein hoher ENEL Funktionär vor ca. 15 Jahren )
    ENEL hat diesen Aspekt beim Verkauf wohl berücksichtigt.
    Bereits 2016-2017 mussten auf Grund längerer-Trockenheit die Schleusen geöffnet werden
    https://www.suedtirolnews.it/politik/wegen-trockenheit-kampf-um-suedtirols-wasser
    Am 25. Jänner stand die Beteiligung an der Kapitalerhöhung . 97,4 Millionen Euro auf der Tagesordnung des Lananer Gemeinderates. Am Ende gab es 13 Stimmen dagegen, 9 dafür und 3 Enthaltungen Grundlage für die ablehnende Haltung der Mehrheit des Gemeinderates war ein Rechtsgutachten, das die Gemeinde Lana bei der Rechtsanwaltskanzlei Brugger & Partner aus Bozen in Auftrag gegeben hatte.
    https://www.salto.bz/de/article/02022018/gestoerter-stromfrieden

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