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„Möchte Landesrat bleiben“

Arnold Schuler

Nach dem Sieg von Maria Kuenzer bei den SBB-Vorwahlen gibt sich Landwirtschafts-Landesrat Arnold Schuler kämpferisch: Er trete im Herbst an, um wieder Landesrat zu werden. Auch spricht er über Bio und Wolf.

TAGESZEITUNG Online: Herr Landesrat, haben Sie Maria Kuenzer Hochgruber bereits gratuliert?

Arnold Schuler: Ja, selbstverständlich.

Wie bewerten Sie den Ausgang der SBB-Vorwahlen?

Nachdem ich entschieden habe, bei den Vorwahlen nicht anzutreten, möchte ich den Ausgang nicht groß
kommentieren. Nur grundsätzlich: Ich habe mir die ersten Vier so erwartet, wenn auch in etwas anderer
Reihenfolge …

Sie dachten, dass Joachim Reinalter weiter vorne liegen würde?

Ja, den hätte ich weiter vorne gesehen. Und ich habe immer gesagt, dass die Maria gewinnen wird. Die Bäuerinnen sind stark aufgestellt und haben einen guten Zusammenhalt. Die Maria hat sich dieses Resultat verdient, das steht außer Diskussion. Leid tut mir, dass die Kandidaten der Bauernjugend nicht besser abgeschnitten haben. Das ist schade.

Das Ergebnis von F-Obmann Andreas Leiter Reber?

Es war spannend zu sehen, ob er es schafft. Es hat einige im Bauernbund gegeben, die es für möglich gehalten haben, dass Leiter Reber unter die ersten Vier kommt. Ich glaube, er hat ein respektables Ergebnis erzielt.

War es ein Fehler, nicht bei den Vorwahlen anzutreten?

Nein, ich habe nicht eine Minute darüber nachdenken müssen. Ich bin aus zwei Gründen nicht angetreten: Erstens spielen bei so einer Urwahl das Bezirksdenken und die einzelnen Organisationen eine große Rolle. Da gelten also andere Kriterien als bei den normalen Wahlen. Zweitens habe ich immer als Unabhängiger Politik gemacht. Und ich möchte mich auch in Zukunft nicht in Abhängigkeiten begeben. Abgesehen davon habe ich mit dem Bauernbund ein gutes Auskommen gefunden …

Aber die große Liebe ist zwischen Ihnen und dem Bauernbund nicht ausgebrochen. Warum denn?

Es muss auch keine große Liebe sein. Der Bauernbund wird Ihnen bestätigen, dass die Zusammenarbeit
inzwischen gut ist. Es stimmt, dass es anfangs ein bisschen gezwickt und gezwackt hat. Wir sind nicht in allen Dingen einer Meinung, man muss deswegen halt schauen, wie und wo man sich findet. Der Bauernbund, ist in Interessensvertreter – wenn auch der mächtigste. Er kann bei seinen Forderungen auch mal übers Ziel hinausschießen. Ich hingegen muss die Sachen politisch umsetzen und sehe die Sache gesamtheitlich – aus verschiedenen Blickwinkeln.

Sie stellen einen Teil Ihres Betriebes auf Bio um. Es gab die, die Ihre Ankündigung als Wahlkampf-Gag ausgelegt haben …

Der Richtigkeit halber: Ich werde einen Teil meines Betriebes an meinen Sohn übertragen, und der stellt auf Bio um. Wahlkampf-Gag kann es allein schon deswegen nicht sein, weil die Umstellung, erstens, von den Investitionen her einen großen Aufwand darstellt. Außerdem kann man nicht von heute auf morgen umstellen, sondern es gibt eine Übergangszeit von drei Jahren.

Sie sind jetzt Bio-Fan?

Ich habe immer schon als Überzeugung beide Seiten vertreten. In beiden Methoden sind wir führend in Europa. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich beide Anbauweisen – die integrierte Produktion und Bio – immer mehr annähern werden. Es wird interessant sein zu sehen, wie wir auf dem Hof mit den zwei Anbaumethoden zurechtkommen werden.

Sind sie davon überzeugt, dass Bio und integrierter Anbau sich annähern?

Ja. Der explizite Auftrag an die Laimburg und an die Uni Bozen lautet, alternative Methoden zur Schädlingsbekämpfung zu entwickeln. Es gibt ja heute bereits große Ähnlichkeiten bzw. Berührungspunkte. Mengenmäßig sind ca. 70 Prozent der Mittel, die im integrierten Anbau ausgebracht
werden, auch im Bio-Anbau zugelassen. Weiters gibt es gemeinsame Verwirrungsmethoden. Unterschiede gibt es beim Herbizid-Einsatz und beim Einsatz von chemisch synthetischen Pflanzenschutzmitteln. Aber auch Bio wirdsich weiterentwickeln müssen. So wird beispielsweise Kupfer auf Dauer nicht zu halten sein. Diese stete Weiterentwicklung tut beiden Seiten gut.

Glauben Sie, dass Wolf, Bär und die Pestizide zu großen Wahlkampfthemen werden?

Foto: 123RF

Sicher! Weniger vielleicht die Pestizide, aber sicher das Großraubwild. Warum glauben Sie das? Weil es sich mit Bär und Wolf leicht argumentieren lässt. Ich als Landesrat muss allerdings eine realistische Linie fahren, ich kann nicht populistisch auftreten – ist auch nicht meine Art. Ich bin der vollen Überzeugung, dass es eine Regulierung braucht. Regulierung heißt: Ich muss angesichts der explodierenden Population die Möglichkeit haben, Wölfe zu entnehmen. In Deutschland wurde die Regulierung jetzt sogar in das Koalitionsabkommen aufgenommen. Andererseits muss ich aber auch klar sagen: Einen wolffreien Alpenraumwird es nie mehr geben. Mit einer bestimmten Population müssen wir zurechtkommen lernen.

Herr Schuler, möchten Sie noch weitere fünf Jahre Landwirtschafts-Landerat bleiben?

Deshalb trete ich noch einmal an! Es ist mein Traum-Ressort. Ich habe sehr viel Freude an meiner Arbeit, auch wenn es eine schwierige Legislatur ist. Wenn ich die Chance bekomme, es noch einmal zu machen, dann gern. Aber das entscheiden zu allererst die Wähler.

Ihre große Gegnerin ist jetzt Maria Kuenzer?

Ich sehe sie als Mitbewerberin, die gestärkt aus der Bauernbund-Vorwahl herausgeht. Aber die eigentliche Entscheidung fällt bei den Wahlen. Und wir wissen alle: Über
die zukünftige Zusammensetzung der Regierung entscheiden dann auch die verschiedenen Quoten. Man muss sehen, wie die Wahlen ausgehen werden. Ich trete jedenfalls an, um das weiterzumachen, was ich vor fast fünf Jahren begonnen habe.

Interview: Artur Oberhofer

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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