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„Zwei Albaner unterm Haus“

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Nicht nur die Fußballschiedsrichter sind immer öfter Zielscheibe von verbalen Attacken durch Spieler und/oder Funktionäre. Auch im Eishockey werden die Sitten rauer.

von Artur Oberhofer

Eine 16-jährige Schiedsrichterin, die von einem A-Jugendspieler aus Meran tätlich angegriffen wird. Ein Schiri in der 3. Amateurliga, der nach dem Spiel Polizeischutz anfordern muss, weil ein Spieler des FC Arberia lauthals droht: „Cosa facciamo con questo arbitro di merda? Lo ammazziamo?“ Spieler in der 2. Amateurliga (aus Reischach), die sich Nägel in die Fußballschuhe schlagen, um auf dem harten Boden besser zurechtzukommen (aber Verletzungen des Gegners in Kauf nehmen).

Ein Spielerbetreuer aus Schluderns, der selbst VSS-Schiedsrichter ist, der den Schiedsrichter beleidigt („Du Fock, du, du Drecksau, du wompate“) und ihm dann in dessen Umkleidekabine eine Ohrfeige und einen Faustschlag verpasst.

Und einige jugendliche Völlaner Fans, die in einem Match der 3. Amateurliga einen dunkelhäutigen Spieler mit affenähnlichen Lauten beleidigen.

Die TAGESZEITUNG hat unter dem Motto „Tatort Fußballplatz“ in den vergangenen Monaten immer wieder über die Aggressionen auf Südtirols Fußballplätzen berichtet.

Doch nicht auf dem grünen Rasen geht es zuweilen recht wild zu,. Nicht nur Fußballschiedsrichter sind immer öfter Zielscheibe von verbalen Attacken durch Spieler und Funktionäre. Auch im Eishockey werden die Sitten offenbar rauer – wie ein konkreter Anlassfall belegt.

Es geht um einen Meraner Eishockey-Funktionär, der dem Schiedsrichter damit gedroht hat, ihm zwei Albaner heimzuschicken.

Doch der Reihe nach.

Im Italienpokal-Match zwischen den beiden Eishockey-Serie-B-Clubs HC Meran Pircher und Hockey Pergine Sapiens am 20. Jänner dieses Jahres in der Meranarena ging es heiß her. Die favorisierten Passerstädter unterlagen den Gästen aus dem Trentino am Ende mit 3 zu 6 Toren.

Für einen Meraner Funktionär und einen Spieler des HC Meran gab es ein sportgerichtliches Nachspiel.

So wurde der Stürmer des HC Meran, Kevin Gruber, vom Sportrichter für vier Spieltage gesperrt, weil er – wie es in der Urteilsbegründung heißt – „in Minute 59:30, als das Spiel unterbrochen war, wiederholt mit dem Stock auf einen gegnerischen Spieler eingeschlagen hat“. Die Mindeststrafe von drei Spieltagen wurde um einen Spieltag erhöht, weil Kevin Gruber bereits im Vorjahr einmal gesperrt worden war.

Das Vorstandsmitglied des HC Meran, Markus Erb, wurde hingegen für die Dauer eines Monats – bis 20 Februar 2018 – gesperrt. In dieser Zeit darf Erb keine Funktionärstätigkeiten ausüben.

Laut Urteil der Sportrichters (Aktenzeichen: GSP 17161) soll Markus Erb nach dem Schlusspfiff auf denSchiedsrichter, der auf dem Weg in die Umkleidekabine war, zugegangen sein und gesagt haben:

„Kompliment! Wenn du morgen zwei Albaner unter deinem Haus vorfindest, die auf dich warten, dann ist es meine Schuld!“

Der Sportrichter hat diese Aussagen als „klaren Einschüchterungsversuch“ gewertet. Erschwerend komme hinzu, dass Markus Erb diese Aussage in seiner Rolle als Funktionär getätigt habe, der in Sachen Respekt eine Vorbildfunktion innehabe.

Freigesprochen wurde hingegen der Meraner Trainer Massimo Ansoldi, der – immer laut Sportgericht – zu den Schiris gesagt haben soll:

„Parlare con voi non serve a un cazzo! Domani metteremo tutto su Facebook …“

Zwar sei die Wortwahl des Meran-Trainers kritikwürdig, aber im Grunde habe sich Massino Ansoldi nur über die Schiedsrichterleistung aufgeregt, so der Sportrichter.

 

 

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