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„Offene Geringschätzung“

Dietmar Zwerger

Als sinnbefreites Sammelsurium ohne Bezug zur Realität wertet die BürgerUnion die von der Landesregierung angekündigte Zusammenlegung der Landesämter für Handwerk und Industrie.

„Außer dass sowohl das Handwerk als auch die Industrie dem produzierenden Gewerbe zugerechnet werden können und beide ihre Produktionsstätten in Gewerbegebieten hätten, was fürs Handwerk jedoch nur zum Teil zutrifft, hat das Handwerk mit der Industrie rein gar nichts gemeinsam. Das scheint jedoch nicht bis zu unserem Wirtschaftslandesrat Arno Kompatscher durchgedrungen zu sein, der durch diese Pläne eine offene Geringschätzung für das Südtiroler Handwerkes an den Tag legt,“ schreibt der Wirtschaftssprecher der BürgerUnion, der Handwerker Dietmar Zwerger in einer Aussendung.

Man kann laut BürgerUnion nach weiteren Gemeinsamkeiten zwischen Handwerk und Industrie suchen wie nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen, man werde jedoch nicht fündig werden.

„Handwerk und Industrie sind grundverschiedene Wirtschaftszweige mit grundverschiedenen Eigenschaften und Bedürfnissen. So schaffen die ca. 13.500 Handwerksbetriebe an die 44.000 Arbeitsplätze, während die Industrie mit ihren 500 Betrieben 33.000 Beschäftigten Arbeit bietet. Den durchschnittlich 3,2 Beschäftigten pro Handwerksbetrieb stehen demnach 66 Arbeitnehmer je Industriebetrieb gegenüber. Daraus ergibt sich auch eine unterschiedliche Wertschöpfung, die im Handwerk bei 48.000,00€ pro Angestellten liegt, in der Industrie hingegen bei 68.000,00€ pro Beschäftigten. Hier von gleichen Interessen und Bedürfnissen zu sprechen, bedarf schon sehr viel Fantasie,“ so Zwerger.

Auch auf die „eklatanten Unterschiede“ im Export macht die BürgerUnion aufmerksam.

„Während Südtirols Industrie 89% ihres Umsatzes im Ausland generiert, exportieren gerade mal 2,5% der Südtiroler Handwerksbetriebe regelmäßig. Wie sollen nun Handwerk und Industrie gemeinsam verwaltet werden, gemeinsame Forderungen voranbringen und dieselbe Interessensvertretung bekommen? Hier geht etwas definitiv in die falsche Richtung,“ schreibt Zwerger weiter.

Da es bei Fusionen so gut wie immer einen Gewinner und einen Verlierer gibt, besteht laut BürgerUnion kein Zweifel daran, für wen diese Fusion schlecht ausgehen wird.

„Millionenschwere Global Player mit jeweils über 60 Angestellten auf der einen Seite, Kleinbetriebe auf der anderen. Hier Wirtschaftsbosse, dort Familien- und Ein-Mann-Betriebe. Wer wird wohl den Kürzeren ziehen? Es ist Zeit, dass das Südtiroler Handwerk aufsteht und seine Krallen zeigt. Präsident Lanz hat dies bereits getan, nun müssen jedoch weitere Schritte folgen. Man kann nun nicht an die Tagesordnung übergehen. In meinen Augen hat Kompatscher den Anspruch, Landesrat und Ansprechpartner fürs Handwerk zu sein, vollends verspeilt,“ schließt Zwerger die Aussendung der BürgerUnion.

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