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Razzia bei OneCoin

Gegen die Kryptowährung OneCoin, in die tausende Südtiroler investiert haben, greifen die Ermittler immer härter durch: Jetzt gab es eine zweitägige Razzia am Hauptsitz in Bulgarien. Wie sich OneCoin verteidigt – und ein baldiges Ende nicht ausschließt.

von Heinrich Schwarz

Von der Staatsanwaltschaft Bielefeld kommt die offizielle Bestätigung: „Die bulgarischen Behörden haben in der dritten Woche 2018 aufgrund eines Rechtshilfe-Ersuchens der Staatsanwaltschaft Bielefeld strafprozessuale Maßnahmen, insbesondere Durchsuchungen, gegenüber OneCoin durchgeführt“, erklärt Oberstaatsanwalt Gerald Rübsam auf Anfrage der TAGESZEITUNG.

Konkret gab es am 17. und 18. Januar 2017 in Anwesenheit der EU-Polizeibehörde Europol und der deutschen Ermittlungsbehörden eine Razzia in der OneCoin-Zentrale in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Damit hat sich die Schlinge um die Kryptowährung OneCoin und das fragwürdige Vertriebssystem, mit dem einige wenige Personen viele Millionen von Euro verdient haben, weiter zugezogen.

Die TAGESZEITUNG hatte in den letzten Jahren mehrfach über OneCoin berichtet. Hintergrund waren die zahlreichen Treffen und Veranstaltungen, die in Südtirol stattfanden. Tausende Südtiroler haben sich auf das Abenteuer OneCoin eingelassen und viel Geld in die virtuelle Währung hineingesteckt. Allerdings können sie mit dieser Währung wenig bis gar nichts anfangen.

Was ist OneCoin?

OneCoin wird als Kryptowährung beworben. Wer einsteigen will, kann im Internet sogenannte Ausbildungspakete kaufen, die zwischen 110 und 27.500 Euro kosten. Diese Pakete enthalten „Token“, die dann in OneCoins umgewandelt werden können. Diese wiederum können auf einer Online-Plattform gehortet oder gehandelt werden.

Ausschlaggebend für den großen Zuspruch war die in Aussicht gestellte Wertsteigerung. Wer den Bitcoin-Zug verpasst habe, könne mit OneCoin das große Geschäft machen und von der Finanzrevolution von Anfang an mitprofitieren, hieß es auf den Werbeveranstaltungen.

Allerdings können die OneCoins praktisch nicht ausgegeben werden. Es gibt nur eine relativ fragwürdige interne Handelsplattform. OneCoin unterscheidet sich von Kryptowährungen wie Bitcoin: Während Bitcoin dezentral verwaltet wird und demnach transparent ist, wird OneCoin zentral und damit undurchsichtig verwaltet.

Sofort Geld verdienen kann man bei OneCoin, wenn man andere Personen dazu bringt, Ausbildungspakete zu kaufen. Die Provision beträgt zehn Prozent des Wertes. Man kann aber sogar auf vier Ebenen mitverdienen. Werbe ich also einen Freund an, der danach ebenfalls eine Person anwirbt, erhalte ich auch eine Provision auf die Käufe dieser Person usw. Zehn Prozent beträgt die Provision für die ersten beiden Ebenen, 20 Prozent für die dritte und 25 Prozent für die vierte. Daneben winken noch weitere Bonuszahlungen.

Einigen Südtirolern ist es dank dieses Geschäftsmodells gelungen, ein riesiges internationales Netzwerk aufzubauen. Sie wurden zu Multimillionären und standen in den letzten Jahren in einem engen Kontakt mit der bulgarischen OneCoin-Gründerin Ruja Ignatova, die im Visier der Justiz ist. Seit Monaten ist von Ignatova praktisch nichts mehr zu hören.

Die Ermittlungen

Verbraucherschützer warnen schon seit langem vor OneCoin. Und auch die Behörden sind längst aktiv – weltweit. Unter anderem die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM, die im Sommer 2017 gegen OneCoin-Firmen eine Strafe in Höhe von insgesamt 2,6 Millionen Euro verhängte. Darunter gegen One Life Network Ltd. (mit Sitz in Belize) und One Network Services Ltd. (mit Sitz in Bulgarien). Schon ein halbes Jahr zuvor war der Stopp der Vermarktung und Verbreitung von OneCoins in Italien angeordnet worden.

Die AGCM ist zum Schluss gekommen, dass es sich bei OneCoin um ein gesetzlich verbotenes Pyramidensystem handle. Die Behörde schrieb im Sommer: „Die Kryptowährung OneCoin, die nicht auf ihre Existenz und ihren Bestand überprüft werden konnte, war Deckmantel für ein System, dessen ausschließliches Ziel (und Stütze) die Aufnahme neuer Konsumenten war.“

In Deutschland deckte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) letztes Frühjahr unerlaubte Finanztransfergeschäfte auf. So seien die Gelder der OneCoin-Anleger auf wechselnde Konten bei verschiedenen Kreditinstituten überwiesen und anschließend an Dritte – insbesondere auch außerhalb Deutschlands – weitergeleitet worden. Die Rede ist von 360 Millionen Euro von Dezember 2015 bis Dezember 2016. Nur 29 Millionen Euro lagen noch auf den gefundenen Konten.

Auf strafrechtlicher Ebene ist die Staatsanwaltschaft Bielefeld für die Ermittlungen zuständig. Insbesondere stehen Betrug und Geldwäsche im Raum.

Die Razzia

Am 17. und 18. Jänner schlugen die Behörden zu. Auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft Bielefeld wurde in der OneCoin-Zentrale und in Partnerunternehmen in Bulgarien eine Razzia durchgeführt. Laut der bulgarischen Staatsanwaltschaft handelte es sich um eine internationale Operation.

Es sei eine Reihe von Beweismitteln beschlagnahmt worden, darunter auch die Server. Daneben seien 50 Zeugen befragt worden. Festnahmen habe es bisher keine gegeben.

Mit dem beschlagnahmten Material erhoffen sich die Ermittler, Einblicke in das internationale Netzwerk, die Vermittlerstrukturen, die Zahlungsbewegungen und die Geldverstecke zu erhalten, um dann weitere Maßnahmen gegen OneCoin und die Führungsriege in die Wege zu leiten.

Die „Opfer“

Inzwischen gibt es eine Stellungnahme von OneCoin bzw. dem Netzwerk OneLife. Liest man sich den Text durch, muss einem OneCoin schon richtig leid tun. Die Verantwortlichen präsentieren sich als Opfer des Ganzen.

Hier einige Auszüge:

„Das Unternehmen OneCoin möchte offiziell erklären, dass die jüngsten Medienmeldungen über eine exponierte kriminelle Gruppe, die mit der Kryptowährung OneCoin Geldwäscherei betreibe, unwahr sind und die Öffentlichkeit irreführen. Wir glauben, dass die Vorwürfe das Ergebnis einer gut organisierten, zielgerichteten Kampagne sind – mit dem Ziel, unseren Ruf zu schädigen und unser Geschäft zu zerstören.“

Man sei niemals an kriminellen oder illegalen Aktivitäten beteiligt gewesen, sondern habe immer offen die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Behörden und Medien erklärt, um Missverständnisse zu klären. OneCoin werde jedoch nicht objektiv dargestellt.

„Um alle Zweifel über den Vorwurf der fehlenden Transparenz auszuräumen“, so heißt es in der Stellungnahme, „möchten wir darauf hinweisen, dass es sich bei OneCoin um eine zentralisierte Kryptowährung handelt, die eine höhere Liquidität und weniger Volatilität mit einer langfristigen Vision und Strategie für eine stabile Entwicklung bietet – im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen, die Spekulationen von Händlern ermöglichen.“

Mit OneCoins sei es im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen nicht möglich, illegale Aktivitäten durchzuführen. Ein besonderes Verfahren, das jeden Benutzer und jedes Unternehmen identifiziere, garantiere dies.

Und dann erklärt OneCoin, dass das Unternehmen bald am Ende sein könnte: „Wegen der laufenden Ermittlungen erleiden das Unternehmen und seine Partner unermessliche finanzielle Verluste. Aus den Büros unserer Partner wurde unter anderem technische Ausstattung beschlagnahmt, die für das Tagesgeschäft erforderlich ist. Das wird nicht nur zu einem finanziellen Schaden führen, sondern könnte sehr gut auch zum Konkurs führen.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (4)

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  • bernd

    Fällt Euch echt nichts besseres ein ? Das Unternehmen hat sich nie etwas zu Schulden kommen lassen. Wenn Ihr Italiener nicht den Unterschied zwischen einem legalen Geschäftsmodell und einem Pyramiden-System kennt, dann seid Ihr selber schuld!! Eure Berichterstattung ist nicht unabhängig – wem gehört Ihr eigentlich einer Italienischen Bank?? Habt Ihr schön Traffic auf Eurer Website seitdem Ihr Über OneCoin berichtet ? Ihr seid nicht viel besser als andere Webseiten mit Fakeberichten ohne Fakten.

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