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Lehre mit Matura

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Ab dem nächsten Schuljahr können Lehrlinge, die eine vierjährige Berufsbildung abgeschlossen haben, über einen zweijährigen berufsbegleitenden Lehrgang die Matura machen.

Ab kommendem Herbst haben Absolventen einer vierjährigen Berufsausbildung die Möglichkeit, sich auf die Matura vorzubereiten, ohne aus dem Berufsleben aussteigen zu müssen. Zu diesem Zweck wird ein zweijähriger berufsbegleitender Lehrgang eingerichtet, der im Rahmen eines Lehrvertrags besucht wird.

Diese besondere Form der maturaführenden Lehre wird italienweit nur in Südtirol angeboten und fußt auf einer Sonderbestimmung für Südtirol, die 2015 in die gesamtstaatliche Arbeitsmarktreform (Jobs act) eingefügt wurde. Nun starten das Land, die Berufsschule für Handwerk und Industrie, das Landesamt für Lehrlingswesen und Meisterausbildung gemeinsam mit dem Landesverband der Handwerker einen zweiten Versuch, um jungen Menschen in praktischen Berufen, die Möglichkeit zu bieten, sich auf die Matura vorzubereiten, ohne ihre Arbeit aufgeben zu müssen. Ein erster Versuch im vergangenen Jahr konnte wegen der zu geringen Zahl an Einschreibungen nicht umgesetzt werden. Bildungslandesrat Philipp Achammer spricht von einem „bildungspolitisch wichtigen Schritt, der zur Gleichwertigkeit der Ausbildungswege“ beitrage.

Die Direktorin im Amt für Lehrlingswesen und Meisterausbildung, Cäcilia Baumgartner, stellte gestern das Ausbildungskonzept vor. Zumal das Spektrum der Lehrberufe um sieben auf 19 ausgebaut worden sei, rechne man damit, dass der neue Versuch im Herbst erfolgreich sein werde. Die Möglichkeit, in insgesamt sechs Jahren Lehre die Matura zu erreichen zu können, sei Ausdruck der Gleichwertigkeit und Durchlässigkeit der Ausbildung.

Amtsdirektorin Baumgartner, LR Achammer, Direktor Prieth und LVH-Direktor Pardeller haben am Donnerstag das des Projekt „Matura über die Lehre“ vorgestellt

Voraussetzungen für die Bewerbung um Aufnahme an der vorgesehenen Aufnahmeprüfung sind demnach ein Alter von weniger als 24 Jahren, der Abschluss einer vier jährigen Fachschule beziehungsweise eine Gesellenprüfung in einem der folgenden Lehrberufe: Elektrotechniker, Kommunikationstechniker, Maschinenbaumechaniker, Maurer, Mechatroniker, Mediengestalter (Techniker sowie digital und Print), Schlosser, Schmiede, Steinbildhauer, Tischler, Werkzeugmacher und Zimmerer, Installateur von Heizung und sanitären Anlagen, Kälte- und Klimatechniker, Karosseriebauer, KFZ-Mechatroniker, Landmaschinentechniker, Maler und Lackierer sowie Bau- und Galanteriespengler. Die Aufnahmeprüfung umfasst eine schriftlichen Prüfung in Deutsch und Mathematik, ein Gespräch zur Überprüfung der Kenntnisse in Italienisch, Englisch und Betriebswirtschaft sowie einem Gespräch zur Feststellung der Motivation der Kandidaten. Bereits bestandene Aufnahmeprüfungen behalten ihre Gültigkeit.

Der Lehrgang umfasst insgesamt 1.232 Unterrichtsstunden, die auf zwei Jahre aufgeteilt sind. Der Unterricht findet in den ersten drei Semestern freitags und samstags statt, im 4. Semester zusätzlich auch donnerstags. Die Inhalte des Lehrgangs umfassen den Bereich der allgemeinbildenden Fächer, einen Projektbereich sowie fachspezifische Fächer.

Dass die berufliche Ausbildung nicht in einer Sackgasse enden dürfe, betonte auch LVH-Direktor Thomas Pardeller. Er führte die Schweiz als Beispiel an, wo 65 Prozent der Jugendlichen die duale Ausbildung wählten, 30 Prozent dann auch eine Matura ablegten. Kontinuität und die Verringerung der Sozialabgaben kämen dem Arbeitgeber zugute, der sich auf das Vorhaben einlasse. Nach bestandener Matura könne der Jugendliche mit einer Einstufung als spezialisierter Mitarbeitender rechnen.

Besonderes Interesse an dem Angebot komme aus dem KFZ-Bereich, berichtete Berufsschuldirektor Peter Prieth. „Es darf nicht heißen, Lehre oder Matura, sondern Lehre mit Matura“, forderte der Berufsschuldirektor.

Er kündigte für Mittwoch, 7. Februar 2018, eine Informationsveranstaltung an: Um 19.00 Uhr erhalten interessierte Jugendliche und Eltern an der Landesberufsschule für Handwerk und Industrie in der Romstraße 20 in Bozen Auskünfte aus erster Hand. Interessierte können sich dann bis 15. März 2018 in Berufsschule für Handwerk und Industrie in Bozen (Tel. 0471 540703, [email protected]) anmelden.

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Kommentare (5)

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  • einereiner

    Das nenne ich mal Abwertung der Matura.

  • hansi

    Bingo und wie war das nochmal …………… die normale Matura kann in vie Jahren erlangt werden??? – Wer braucht an sogen. Dokter Maurer auf der Baustelle der fit am Pc ist jedoch keinen Ngale mehr schlagen kann??? – finde Matura wird abgewertet hat mittlerweile ja eh schon fast kein Niveau mehr, bis ungefähr vor ca. 10 Jahren hatte sie noch einen Wert – ober was solls Handwerk leidet eh unter der Flut der möchtegern Akademiker- Schule oder Uni gehn is cool, wodurch ein Überschuss an Beamten sich kreiert – Wie heisst es so schön Handwerk hat Goldenen Boden und das hätte es auch heute noch, wenn man die Junghandwerker nach der Pflichtschule arbeiten lassen würde, und Jugend im fortgeschrittenen Alter Möglichkeit gewährt sich im Einklang mit Berufswelt fortzubilden – Unsere Gesellschaft verblödet zusehends, wacht doch auf

  • sepp

    wen wir einesmtages nur mehr leute mit Matura auf er Baustelle haben wer macht dann die arbeit die handlanger wens noch welche gibt du von an landesrat der auch nur Matura hat kann man nett mehr erwarten besser wer wen er als Bauarbeiter gehe

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