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Ausweg für den Schläger

Davide Brancaglion (Foto: Il Giorno dell’Alto Adige)

Der frühere Bozner Casapound-Stadtviertelrat Davide Brancaglion will dem Jugendlichen, den er – vermeintlich wegen des Abspielens der Partisanen-Hymne „Bella ciao“ – verprügelt hatte, Schmerzensgeld zahlen.

Von Thomas Vikoler

Die Gewaltattacke am 12. Jänner 2016 in der Bozner Cesare-Battististraße bestreitet der Angeklagte offenbar nicht (mehr). Und wie es derzeit aussieht, will er auch die strafrechtliche und zivilrechtliche Verantwortung dafür übernehmen.

Die Tatumstände zu der Körperverletzung, welche die Staatsanwaltschaft dem früheren Casapound-Stadtviertelrat in Bozen/Don Bosco, Davide Brancaglion, 28, vorwirft, sind aber weiter nebulös. Anfänglich hatte es geheißen, Brancaglion habe einen 17-Jährigen einen Faustschlag aufs Auge verpasst (Heilungsdauer über 20 Tage), weil dieser auf seinem Handy die Partisanen-Hymne „Bella ciao“ abgespielt haben soll.

Eine Version, die inzwischen sogar Maria Carmela Carriere, Rechtsbeistand des inzwischen volljährigen Nebenklägers, zurückweist.

In der Anklageschrift ist von einem politischen Motiv für die mutmaßliche Körperverletzung keine Rede. Bei dem Opfer der Attacke handelt es sich um den Sohn einer leitenden Staatsbeamtin in Bozen.

Wie auch immer: In der Strafverhandlung zum Zwischenfall am Bozner Landesgericht signalisierten Brancaglions Verteidiger Federico Fava und Miki Eritale die Bereitschaft ihres Mandanten, den Fall möglichst bald abzuschließen.

Brancaglion, inzwischen als Stadtviertelrat von Casapound zurückgetreten (er wurde im Juni 2016 auch beschuldigt, den Rifondazione-Aktivisten Davide Gallo zusammen mit Mitstreiter Mirko Gasperi krankenhausreif geschlagen zu haben), will entweder ein verkürztes Verfahren beantragen, oder – was wahrscheinlicher ist – Probezeit mit Sozialdienst beantragen.

Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass er dem mutmaßlichen Opfer Schmerzensgeld zahlt. Juristisch ausgedrückt, ein „schadenersetzende Haltung“ einnimmt.

„Es gibt diesbezüglich Gespräche mit den Anwälten des Angeklagten“, bestätigte Zivilpartei-Anwältin Maria Carmela Carriere nach der gestrigen Verhandlung am Landesgericht. Über die Höhe des Schmerzensgeldes sei bisher nicht im Detail gesprochen worden.

Sollte der zuständige Richter die Probezeit genehmigen und den Schadenersatz für angemessen halten, könnte Brancaglion durch die Ableistung von Sozialdienst erwirken, dass die ihm vorgeworfene Straftat (schwere Körperverletzung) erlischt.

Auf der nächsten Verhandlung am 20. März soll bekanntgegeben werden, ob sich Verteidigung und Nebenkläger über den Schadenersatz geeinigt haben.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (5)

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  • goggile

    wieso muss ein einheimischer Schmerzensgeld zahlen und die aufgezwungenen wensi randalieren und noch viel bedrohlichere Sachen machen wie mit glasserschben keinerlei Schmerzensgeld und auch nicht in haft muessen? wann wird diese diskriminierende Haltung gegenueber der eigenen Bevölkerung geändert?
    grundsätzlich sollte man alle gleich bestrafen. gewalt darf aber NIE ungestraft bleiben.

    • yannis

      >>>wann wird diese diskriminierende Haltung gegenueber der eigenen Bevölkerung geändert?<<<
      erst wenn man es rafft dass der übertriebene Naturschutz gewissen Bevölkerungsgruppen gegenüber fehl am Platze ist.

  • franz

    Vorausgeschickt, ich bin kein Freund von Chaspount.
    Dies festgestellt, Deine Frage “wann wird diese diskriminierende Haltung gegenueber der eigenen Bevölkerung geändert? “ […]
    Ist durchaus berechtigt. Vielleicht kann diese diskriminierende Haltung gegenüber der eigenen Bevölkerung mit eine “NEUEN Regierung “ ohne PD &SVP geändert werden.
    Grund dieser Diskriminierung sind Gesetze wie das “Svuota carceri “ & DL Depenalizzazione und das Depenalisierung Dekret zum Stalking ( art 612 bis c. p ) Depenalizzazione der Regierung Renzi unterstützt von SVP. Für die SVP sind diese Gesetze ja wichtug. wie die Abgeordnete Renate Gebhard SVP“ anlässlich zur Justiz Reform meint Uns als SVP war aber auch wichtig, und daher haben wir für die Reform gestimmt“[..]
    Siehe Artikel in der Tageszeitung
    http://www.tageszeitung.it/2017/06/16/eine-abschreckung/#comment-348228
    Mit diesen Gesetzen genießen vor allem kriminelle Immigranten und Stalker beinahe völlige Straffreiheit, während italienische Staatsbürger mit den diesen Dekreten ( Gesetzen ) zivilrechtlich massakriert werden

  • checker

    Verdächtige Vorwahlenaktion. Casapound will sich wohl vor den Wahlen das Schlägerimage aufpolieren. Man wird jetzt zum Samariter. Fakt ist und darauf kann man getrost wetten: Die Rechte wird nicht nur in Italien sondern auch in Südtirol abräumen. Und Schuld daran haben, sollte es so eintreffen, die Linksparteien die sich der Problematik mit Zuwanderung usw. gar nicht bewusst sind bzw ihre eigenen Werte verraten haben.
    Übrigens: Neben den oben genannten Opfern, gab es einen Todesfall, ebenfalls durch Verprügeln, der vor ein paar Jahren von ein paar Casapound-Tätern begangen wurde. Nur konnte keiner belangt werden, da das Opfer auf dem Heimweg plötzlich verstorben ist.
    Der Rechtsruck europaweit ist besorgniserregend, und Schuld sind die etablierten Parteien die allesamt korrupt, verrottet und als Verräter zu bezeichnen sind. Die Bevölkerung hat es geduldet, da sie sich von der Mainstreampresse regelmässig für dumm verkaufen lässt und durch Nichtstun die demokratischen Prinzipien verraten hat.

  • pingoballino1955

    Der junge Mann hat wohl noch nie gelernt,die Fäuste im „Sack“ zu lassen! Wenn ich Richter wäre würde ich ihn zu 1 Jahr Haft,ohne Bewährung verdonnern ,dann könnte er dort lernen und nachdenken,dass man sich auch beherschen kann und muss! Faschistenmethoden sind nicht gefragt bei uns,das sollte er und casapound sich auch merken!

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