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Der Bücher-Flop

Südtirols Buchhandlungen mussten im Weihnachtsgeschäft ein ordentliches Minus hinnehmen. Die Händler nennen mehrere Gründe.

von Heinrich Schwarz

Johann Nöckler versucht erst gar nicht, die Situation zu beschönigen: „Im Weihnachtsgeschäft haben wir einen erheblichen Rückgang bei den Buchverkäufen verzeichnet, der sicher bei mehr als zehn Prozent liegt“, so der Inhaber des Buchladens am Rienztor in Bruneck. Auch sei der Rückgang stärker gewesen als in den Vorjahren.

Auch für Reinhard Schölzhorn von der Buchhandlung Alte Mühle in Meran waren die Zeiten schon einmal besser. Er spricht von einem Abwärtstrend seit dem Jahr 2015. Seither habe man im Dezember einen Rückgang der Buchverkäufe um drei bis vier Prozent hinnehmen müssen.

„Es ist seit einigen Jahren für alle Buchläden in Südtirol schwierig. Die Rückgänge sind nicht ganz gering, aber auch nicht ganz dramatisch“, sagt Susanna Valtiner vom Buchladen Lana, die als Präsidentin der Buchhändler im Verband hds den Überblick über das ganze Land hat. „Ich selbst bin froh, wenn ich den Umsatz vom Vorjahr halten kann. Es wäre absolut utopisch, den Umsatz in diesen Zeiten steigern zu können.“

Ein Grund für die rückläufigen Verkaufszahlen – hier sind sich die Buchhändler einig – ist der Online-Handel. „Bücher sind im Weihnachtsgeschäft nach wie vor sehr beliebte Artikel und die Buchhandlungen in Südtirol sind auch so organisiert, dass sie mittlerweile Online-Shops haben. Aber es ist trotzdem immer so, dass man die Kunden erst dazu kriegen muss, bei dir einzukaufen anstatt beim bequemen großen Bruder, der nicht mehr Athesia ist, sondern Amazon und andere Großhändler“, erklärt Valtiner.

Susanna Valtiner

Es sei durchaus so, dass in den Buchläden eingekauft werde, wenn die Ortszentren attraktiv gestaltet sind. „Wenn im Ort aber nichts los ist oder das Wetter nicht passt, machen es sich die Leute bequem und kaufen online ein“, so die Berufsgruppen-Chefin, die gleichzeitig betont: „Wenn die Leute ein bisschen hinterfragen und nachhaltiger denken täten, kämen sie drauf, dass die lokalen Buchhandlungen teilweise sogar schneller als Amazon und Co. sind. Und teurer sind wir auch nicht. Unser größter Konkurrent ist die Bequemlichkeit.“

Reinhard Schölzhorn meint, dass die Internet-Konkurrenz in der Buchbranche so groß aber auch nicht sei: „Die Leute geben einfach viel mehr Geld für andere Medienformen aus und kaufen online viele andere Sachen. Man kauft ein neues Handy und dann reicht es nicht mehr für ein Buch im Geschäft vor Ort. Auch ist man früher in Buchhandlungen gekommen, um Lexika oder Bücher zu Themen wie Gesundheit, Wissen und Philosophie zu kaufen. Heute kann man sich die Informationen im Netz heraussuchen.“

Johann Nöckler hat auch den Eindruck, dass allgemein weniger gelesen wird und entsprechend weniger Bücher gekauft werden. Das Buch habe einen zunehmend schweren Stand und konkurriere mit anderen Medien wie Smartphones und TV. „Wer weiß“, sagt der Brunecker Buchhändler hoffnungsvoll, „vielleicht gibt es irgendwann wieder einen Gegentrend, wenn die Leute stuff sind, den ganzen Tag auf einen Bildschirm zu starren. Aber es kommt nun mal eine Generation nach, die mit dem Smartphone aufgewachsen ist und kaum mehr in der Lage ist, sich längere Zeit auf ein Buch zu konzentrieren.“

Das E-Book spiele indes eine geringere Rolle als vor einigen Jahren noch befürchtet. „Mehr oder weniger alle Leute, die vor vier oder fünf Jahren einen E-Book-Reader kauften, greifen wieder verstärkt auf Bücher in Papierform zurück. Dabei sind sie inzwischen zu starken Lesern geworden. Ich glaube, das ist langfristig gesehen der positive Effekt“, meint Reinhard Schölzhorn.

Ähnlich der Kommentar von Susanna Valtiner: „Der Umsatz im Buchhandel durch E-Books liegt bei fünf bis zehn Prozent – und ist damit ganz gering im Verhältnis zu dem, was vor zehn Jahren prognostiziert wurde. Wir haben im Weihnachtsgeschäft nur fünf bis sechs E-Book-Reader bestellt. Sie werden vor allem von Viellesern gekauft, die für Reise eine Alternative wollen, oder von Eltern, die meinen, dass sie ihre Kinder mit elektronischen Geräten eher zum Lesen animieren können.“

Für die Buchhändler heißt es in diesen schwierigen Zeiten also, möglichst attraktiv zu sein und die Kunden anzulocken. „Es ist schwer, gegen den Online-Handel anzukommen. Wir können guten Service bieten, indem wir alles Mögliche für unsere Kunden tun und ihnen möglichst alle Bücher besorgen, die es gibt. Wir sind nach wie vor überzeugt vom Buch und versuchen das auszustrahlen“, sagt Johann Nöckler.

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