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Fauler Kompromiss?

Das Internationale Olympische Komitee hat Russland von den Olympischen Winterspielen in Südkorea ausgeschlossen. Heinz Gutweniger, Präsident des CONI-Landesverbandes, glaubt aber nicht, dass Russen unter neutraler Flagge teilnehmen werden. 

Tageszeitung: Herr Gutweniger, was sagen Sie zur Entscheidung des IOC, Russland als Nation bei den Olympischen Winterspielen auszuschließen? Eine gute Lösung oder ein fauler Kompromiss?

Heinz Gutweniger: Die Situation in Russland wurde über viele Monate hinweg untersucht und man konnte ganz klar nachweisen, dass tausende russische Athleten in den letzten Jahren gedopt haben oder gedopt wurden. Viele Trainer und Funktionäre waren in das Geschehen involviert und kurz vor den Großereignissen hat man immer versucht, die gedopten Athleten mit verschiedenen Medikamenten wieder „sauber“ zu machen. Jetzt ist die ganze Geschichte aufgeflogen und es ist klar, dass es sich um Staatsdoping gehandelt hat. Die Reaktion des IOC, dass bestimmte Funktionäre und Minister auch lebenslag gesperrt werden, ist sicher konsequent, aber man muss erst schauen, was diese Entscheidung wirklich bringt. Russland wird die Entscheidung ablehnen und anfechten, aber das wird ihnen nichts nützen, da die Fakten auf dem Tisch liegen.

Es wurde nur die Nation Russland aber nicht die Sportler ausgeschlossen. Diese können unter neutraler Flagge antreten. Hat man sich nicht getraut, weitreichendere Konsequenzen zu ziehen?

Sicher gibt es auch in Russland saubere Athleten und jene, die nach dem Doping „sauber“ gemacht wurden. Ich glaube aber nicht, dass die russischen Athleten an den Winterspielen unter neutraler Flagge teilnehmen – entweder weil sie dies aus eigenen Stücken ablehnen oder weil es ihnen vom Staat verboten wird.

Es wäre jetzt, wo man die Praktiken der Russen kennt, aber auch schwierig zu unterscheiden, wer wirklich sauber ist und wer sauber gemacht wurde…

Ganz genau. Das ist bei anderen Athleten aber genauso ein Problem, nur, dass man in den letzten Jahren bei tausenden Russen Dopingsubstanzen festgestellt hat.

Ist es überhaupt noch möglich, saubere Spiele auszutragen oder gewinnen einfach die Schlausten?

Die Genugtuung für einen Athleten, dass er schlau genug ist, um heimlich zu dopen, ist sicher am Nullpunkt. Ich glaube schon, dass der Großteil der Athleten sauber ist.

Doping wurde von den Russen laut Ermittlungsberichten professionell durchgeführt. Ist dieser Ausschluss eine Warnung an alle Dopingsünder?

Absolut, aber ich denke nicht, dass man ein Exempel statuieren wollte. Meiner Meinung nach ist ein Hauptgrund für diese Entscheidung, dass auch die Verantwortlichen der WADA in Russland entweder mitgespielt oder sich nicht getraut haben, Vorfälle zu melden. Auch sie haben dazu beigetragen, dass diese Machenschaften vertuscht wurden.

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