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Immer weniger Schnee

Eine neue Studie belegt den deutlichen Rückgang der Schneehöhen und der Dauer der Schneebedeckung. Laut Dieter Peterlin sind die Ergebnisse auf Südtirol übertragbar. Die Auswirkungen auf die Skigebiete sind groß.

von Heinrich Schwarz

Nach schwierigen Jahren verläuft der Saisonstart für Südtirols Ski-Touristiker heuer nach Wunsch. „Schon länger waren die Bedingungen nicht mehr so gut wie in diesem Jahr. Einerseits Naturschnee, andererseits kalt genug für technische Schneeproduktion“, bringt es der Landesmeteorologe Dieter Peterlin auf den Punkt.

Während die letzten Jahre eher die Ausnahme von der Regel waren, liegt die aktuelle Situation langjährig gesehen im Durchschnitt. „Die Tendenz ist aber, dass es wärmer wird. Somit wird der heurige Saisonstart in Zukunft zur Ausnahme werden“, weiß Peterlin.

Vor kurzem wurde von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und der Universität Graz die bisher umfassendste Studie zur Entwicklung der Schneelage in Österreich veröffentlicht. Laut Dieter Peterlin spiegelt diese Untersuchung auch die Verhältnisse auf unseren Bergen wider: „In Südtirol gibt es zwar keine so umfangreiche Statistik, da die Messreihen der Schneehöhen nur an wenigen Standorten länger zurückreichen, aber unsere Beobachtungen passen mit dieser ZAMG-Untersuchung gut überein.“

Und das haben die Experten herausgefunden: Seit 1950 haben die Schneehöhen und die Dauer der Schneebedeckung in den meisten Regionen abgenommen. Konkret zeigte sich an zwölf der 15 Messstandorte eine signifikante Abnahme der mittleren und maximalen Schneehöhen sowie der Schneedeckendauer. Das gilt für alle Höhenlagen und alle Regionen mit Ausnahme der Region Nordost.

Einige Beispiele: In Zürs auf 1.720 Metern sank die saisonal gemittelte Gesamtschneehöhe seit 1950 von 140 auf 80 Zentimeter, in Lienz auf 660 Metern von 20 bis 30 auf unter fünf Zentimeter. In St. Leonhard im Pitztal auf 1.335 Metern lag im Jahr 1950 noch für über 160 Tage zumindest ein Zentimeter Schnee – zuletzt waren es rund 140 und teilweise sogar weniger als 100 Tage. In Innsbruck auf 580 Metern ging die Schneedeckendauer von 80 auf 40 Tage zurück.

Der langfristig abnehmende Trend ist von starken Schwankungen und kurzen Trends überlagert. Ein gutes Beispiel sind die ungewöhnlich trockenen Winterauftakte in den letzten beiden Jahren, merkt Peterlin an.

Für die Zukunft ist laut der Studie zu erwarten, dass in einem immer wärmeren Klima die Zahl der Tage mit Schneedecke und die Schneehöhen weiter abnehmen. „Das gilt besonders für tiefe und mittlere Höhenlagen, da es hier durch die Klimaerwärmung immer öfter regnen statt schneien wird beziehungsweise gefallener Schnee schneller wieder schmelzen wird“, so heißt es. Dennoch können auf einige schneearme Winter durchaus einige sehr schneereiche folgen.

„Bei den Temperaturen“, erklärt Dieter Peterlin, „ist die Entwicklung jedenfalls recht eindeutig. In den letzten 100 Jahren ist es in Südtirol knapp zwei Grad milder geworden. Dementsprechend sind die Schneefallgrenzen gestiegen. Für Skigebiete auf rund 1.500 Metern wird es zunehmend schwieriger werden, während es in hohen Lagen nach einigen Modellen sogar mehr Schnee geben könnte. Das gilt aber als sehr unsicher.“

Im Hochgebirge werde es auf jeden Fall kalt genug für Schnee bleiben.

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