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„Nicht mehr verträglich“

Hotelbau in Pflersch (Foto: Grüne Fraktion)

Der Tourismus im Sommer 2017 auf einem Allzeit-Hoch: Laut den Grünen müsste der absehbare Jahresrekord ein Anlass zum Umdenken sein.

Am Ende der Saison 2017 steht Südtirols Tourismus ein neues Rekordjahr ins Haus:

Dank des Rekordsommers mit 20,4 Mio. Nächtigungen wird für das Gesamtjahr 2017die Marke von 33 Mio. gewiss locker übertroffen. „Der Trend ist erfreulich für die Beschäftigungslage und die Tourismusbetriebe, für Handwerk, Lieferanten und Bauwirtschaft“, schreiben die Grünen in einer Aussendung. Der Rekordsommer 2017 mit einem Nächtigungs-Plus von 3,4 % nach dem Sprung im Sommer 2016 (+ 7,9%) stelle Südtirol trotz aller Genugtuung verstärkt vor klare Fragen.

„Wir sind erreichbar, leider mit den falschen Verkehrsmitteln“
Auch das Topjahr 2017 dementiert Klagen über die schlechte Erreichbarkeit Südtirols, so die Grünen. Noch nie seien trotz fehlenden Airports so viele Gäste, die genau wegen der Risiken des Luftverkehrs und internationaler Reiseziele den Landweg wählten, gekommen. „Leider zu 85% im eigenen Auto, statt zumindest teilweise im logistisch dürftigen Bahnverkehr“, so die Grünen.

Die Verkehrsflut im Tourismus sei eine bisher offene Kernfrage der Zukunft.

Die Zahl der Gäste steige, während ihre Nächtigungsdauer auf bald unter 4 Tage fällt.

Daher bedürfe es künftig nicht nur neuer Verkehrskonzepte, sondern einer echten Verkehrsrevolution. „Denn ansonsten steht zu Saisonspitzen nicht nur Lebensqualität massiv unter Druck, sondern auch Südtirols Ruf als ruhige Tourismusregion“, so die Grünen

„Mehr Qualität statt weiteren Wachstums“
Südtirol ist mit Tirol alpenweit das Land mit der höchsten Tourismusintensität. Kaum irgendwo sonst kommen so viele Gäste auf einen Einwohner wie südlich der Alpen. „Weiteres Wachstum ist nicht mehr verträglich, auch nicht bei den Bettenzahlen.“

2016/17 wurden an Neu- und Umbauten im Tourismus über 260.000 Kubikmeter verbaut, das entspricht 250 komfortablen Einfamilienhäusern oder der Bozner Altstadt. „Wenn der Boom neuer Hotelbauten so weiter läuft, sägt die Branche den eigenen Ast ab“, sowie Grünen.

Neben der Investitionswelle sind weitere Modelle gefragt
Die Seilbahnbranche wittert Morgenluft für neue Zusammenschlüsse und Skikarusselle: Sexten-Sillian, Langtaufers, Sterzing/Rosskopf sind einige der geplanten Erweiterungen.

Dagegen gelte der „Sanfte Tourismus“ als Auslaufmodell.

Die Grünen schreiben:

„Das aber ist eine Fehleinschätzung: bereits jetzt wächst die Zahl der Gäste, denen ein klimaverträglicher, Landschaft und Kulturen schonender Tourismus am Herzen liegt. Talschaften wie Villnöss leben vor, wie man einen Tourismus entwickelt und Gäste anzieht, denen Nachhaltigkeit, Gesundheit und Regionalität am Herzen liegen – trotz des kleinen China-Booms am Fuße der Geisler.“

„Das Wachstum verpflichtet den Tourismus zu neuer Verantwortung“
Tourismus in Südtirol sollte ein potenter, aber begrenzter Player bleiben. Die Frage nach einer Obergrenze und der Verträglichkeit für Menschen und Umwelt muss mit Nachdruck gestellt werden: Bei nach dem Sommerrekord absehbaren 33 Mio. Nächtigungen 2017 und wachsenden Ankünften ist die Obergrenze in Sicht.

„Südtirols Zukunft liegt auch in anderen Branchen wie der Industrie, die mit geringerem Ressourcenverbrauch und qualifizierten Arbeitsplätzen hohe Wertschöpfung generieren.
Tourismus hingegen ist trotz aller Erfolge ein reifes Produkt, das durch Selbstbeschränkung nur gewinnt.
Und schließlich: Das Tourismusland Südtirol, das von den Folgen von Terror und Unsicherheit so sehr profitiert, muss sich bei der Aufnahme und Betreuung von Flüchtlingen stärker bewähren als bisher der Fall. Manche Tourismushochburgen, die sich sonst in Gastlichkeit und Nächtigungen förmlich überschlagen, beweisen in dieser Frage erschreckende Härte“, so die Grünen abschließen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (10)

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  • jennylein

    Zitat:“„Südtirols Zukunft liegt auch in anderen Branchen wie der Industrie, die mit geringerem Ressourcenverbrauch und qualifizierten Arbeitsplätzen hohe Wertschöpfung generieren.“

    Ohne Worte… Erweiterung der Industriezone BZ Süd bis nach Auer.. die Vision der Grünen.. D as „Problem“ Tourismus erledigt sich dann von alleine…

  • florianegger

    Ein weiteres Wachstum wird nur mit Mitarbeitern aus dem Ausland machbar werden, da die Leistungsobergrenze bei 520.000 Einwohnern erreicht ist.

    • kleinlaut

      …und nicht einmal mit denen, wenn sich die Aasgeier nicht endlich entschließen leistungsgerechte Löhne zu zahlen. Die qualifizierten Mitarbeiter aus dem Ausland bleiben lieber in der Schweiz oder in Österreich. Was übrig bleibt, hauptsächlich Leute vom Balkan, sind hierzulande noch zu haben. Das Niveau kennt man ja zur Genüge.

  • yannis

    ………die genau wegen der RISIKEN des Luftverkehrs und internationaler Reiseziele den Landweg wählten.

    Wer dies mit den Risiken des Luftverkehrs glaubt, glaubt auch dass Zitronenfalter Zitronen falten.
    Wie viele Tote und Verletzte gibt es per anno nur im EU Straßenverkehr ? und wie viel im selben Raum im Luftverkehr ?
    Gäbe es so viele Flugzeugabstürze dass die Anzahl der Toten und Verletzten in etwa die Größenordnung des Straßenverkehrs gleich käme, würde man den Flugverkehr unverzüglich stoppen.
    Der der mit dem Auto von DE nach Südtirol fährt hat ein X Fach höheres Risiko zu Schaden zu kommen, als wenn er ein paar mal um den Globus fliegt.
    Wahrscheinlich kommen bei der Anreise / Rückreise mittels PKW nach Südtirol mehr Menschen zu Schaden als insgesamt Touristen durch den „Luftverkehr und den internationalen Reisezielen“

    ……………Die Zahl der Gäste steige, während ihre Nächtigungsdauer auf bald unter 4 Tage fällt.

    und genau dies erfordert bzw. produziert den Massen-Straßenverkehr unserer Zeit, aber was soll der Tourist sonst machen, wenn die besonders „günstigen“ Hotelpreise Südtirols keinen einwöchigen oder gar vierzehntägigen Urlaub mehr hergeben.
    Die Hotels profitieren von den Kurzurlaubern am meisten, z.B. kann die Küche ihre Kochkunst alle 4 – 5 Tage wiederholen ohne das jemand merkt dass es eigentlich immer denselben Brei gibt.

  • andreas

    „Das aber ist eine Fehleinschätzung: bereits jetzt wächst die Zahl der Gäste, denen ein klimaverträglicher, Landschaft und Kulturen schonender Tourismus am Herzen liegt.“

    Natürlich hätte jeder Tourist gerne eine unberührte Natur und wenig Touristen, nur wäre da zu berücksichtigen, dass ein Tourist mit dieser Meinung ja auch nur ein Tourist ist.
    Er fordert also, dass andere nicht kommen dürfen, da er sich sonst nicht wohl fühlt, klasse Einstellung….
    Konsequent zu Ende gedacht, kann er ja zuhause bleiben, dann hätten die anderen schon mal einen weniger.

    Wären es dann eigentlich die Grünen, welche die Touristen selektieren?
    Würden sie Birkenstock- und Jutenklamottenträger bevorzugen?
    Ist ein Grünenwähler ein besserer Tourist oder einfach nur ein politischer Einfaltspinsel?
    Wäre es mit der zu Recht schwindenden bzw. aussterbenden Wählerschaft der Grünen überhaupt möglich auch nur ein paar Hotels in Südtirol zu füllen?

    Aber die Grünen haben gewiss eine Antwort auf diese sich aufdrängenden Fragen und wenn nicht, dann gewiss der Freidenker george 🙂

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