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    „Von der SVP lernen“

    Alessandro Huber, der neue Landessekretär des PD, will die Partei straffer organisieren und Alleingänge von Mandataren einbremsen. Sein unterlegener Herausforderer Uwe Staffler ist hingegen auf dem Rückzug.

    Von Thomas Vikoler

    Das ist bitter. Uwe Staffler hat sich in den vergangenen Jahren stark um den Aufbau des PD-Bezirks Salten-Schlern bemüht – auch um verstärkt deutschsprachige Wähler anzusprechen. Für ihn selbst hat sich das bei den landesweiten Parteiwahlen allerdings nicht ausgezahlt. Im Bezirk Salten-Schlern bekam er nicht eine einzige Stimme – 54 hingegen gingen an die Listen, die seinen Konkurrenten Alessandro Huber unterstützten. Bezirks-Sekretär Alessio Evangelista hatte sich am letzten Tag auf die spätere Gewinnerseite geschlagen.

    Das zeigt: Der Partito Democratico ist weiterhin eine Partei, in der persönliche Einflussnahme eine starke Rolle spielt. So gelang es Carlo Costa, dem mächtigsten (und nun noch mächtigeren) Mann im Südtiroler PD, im Wahlsitz Brixen 397 Stimmen zu organisieren. Die Listen, die Uwe Staffler als Landessekretär unterstützten, kamen dort gerade auf 17 Stimmen.

    Und so fiel der Erfolg für Huber und die ihn unterstützenden Renzi- und Orlando-Listen mehr als deutlich aus: 72,2 Prozent gegen 27,6 Prozent für Staffler und seine Unterstützer, zu denen Landtagspräsident Roberto Bizzo und die PD-Abgeordnete Luisa Gnecchi zählten. In der neuen Landesversammlung hat Huber mindestens 25 oder Delegierte, die Minderheit neun oder zehn.

    Eindeutige Verhältnisse, welche in etwa die Gewichtung unter der bisherigen Landessekretärin Liliana Di Fede widerspiegeln. Doch bekanntermaßen lassen sich PD-Mandatare kaum von der Partei Vorschriften machen, jeder bestellt sein eigenes Feld.

    Genau das will Alessandro Huber, 31, der neue Parteichef ändern. Wie er bereits vor der Wahl sagte – eine Herkules-Aufgabe: „So etwas wie den Alleingang von Roberto Bizzo in der Toponomastik-Frage darf es nicht mehr geben. Die Partei muss ihre Mandatare im Griff haben und nicht umgekehrt“, lautet das kämpferische Motto des neuen Parteichefs.

    Er will den notorisch zerstrittenen PD also straffer organisieren, den Primat der Partei herstellen, wie man unter der kommunistischen Vorgänger-Partei PCI zu sagen pflegte. Als Vorbild dafür nennt Huber ausgerechnet den konservativen Koalitionspartner SVP. „Wir können, was die parteiinterne Meinungsbildung betrifft, von der Volkspartei lernen“, betont der Wahlsieger vom Sonntag. Wenn etwas vom Landessekretariat oder der Landesversammlung beschlossen wurde, dann sei das Parteilinie und gelte folglich für alle. „Es kann nicht sein, dass man sich auf etwas festlegt, und dann kommen komische Sachen heraus wie bei der Toponomastik“, betont Huber. Ein weiterer Wink an Bizzo, der am Sonntag, keineswegs unerwartet, eine Niederlage einstecken musste. Was seine Kandidaturaussichten für die Landtagswahl in einem Jahr nicht entscheidend schmälert. Allerdings ist er nun gegenüber seinem Widersacher, Landesrat Christian Tommasini, im Nachteil.

    Der neue Landessekretär kündigt jedenfalls an, sich ganz auf die Parteiarbeit konzentrieren zu wollen, also keine Ambitionen auf einen Landtagskandidatur zu haben. Er spricht von „guter Organisation der Partei“, wozu auch gehöre, die prekären Finanzen zu sanieren. Ob er den historischen Parteisitz am Dominikanerplatz halten kann, weiß er derzeit nicht. Auf jedem Fall werde seine Partei auf „low cost“ setzen müssen und folglich sparen, wo es nur geht. Potentielle Wähler sollen zunehmend über soziale Medien angesprochen werden, eine bekanntermaßen kostengünstige Kontaktpflege.

    Etwas Sorgen macht Huber die gegenüber 2014 geringe Beteiligung an den Parteiwahlen vom Sonntag. 2.600 gegenüber 3.800. Auf nationaler Ebene steht der PD derzeit nicht hoch im Kurs, was auch Herausforderer Uwe Staffler für Südtirol bestätigt: „Etliche Leute haben mir gesagt, dass sie sich im Moment nicht mit dem PD identifizieren können“.

    Gegenüber 2014, als sich vor den Wahlsitzen lange Schlangen bildeten, gab es bei dieser Abstimmung allerdings eine zusätzliche Hürde: Die Mitstimmenden mussten sich vorab per E-Mail registrieren. Beim letzten Mal genügte ein Personalausweis, was zahlreiche Nicht-Parteimitglieder zu den Wahlurnen bewegte.

    Uwe Staffler, der angekündigte Verlierer der Wahl vom Sonntag, findet, dass die Partei bei Alessandro Huber „nicht in schlechten Händen“ sei. „Für ihn ist es eine Reifeprüfung, bei der ich ihn unterstützen werde. Denn dem PD vorzustehen, ist eine brutale Arbeit“, weiß Staffler.

    Ob er selbst der Landesversammlung angehören wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Um einen der 35 Plätze dort zu besetzen, müsste er einen seiner männlichen Delegierten verdrängen. Was er wohl nicht tun wird.

    Staffler musste am Sonntag einsehen, dass der Partito Democratico eine beinahe exklusiv italienische Partei ist. Auch wenn sie nun in Südtirol einen jungen Landessekretär hat, der einen deutschen Nachnamen hat und gut Deutsch spricht.

    Aber vielleicht ist bereits das ein Fortschritt einer Partei, deren römische Zentrale lieber mit der SVP Pakte schließt, als mit den eigenen Leuten. Parteichef Renzi kommt heute übrigens mit seinem Wahlzug nach Südtirol.

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