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    Gegen Gewalt an Frauen

    Bei der ersten Euregio-Tagung zum Thema Gewalt gegen Frauen tauschten sich Fachleute über die Situation in den einzelnen Ländern aus.

    Weltweit wird eine von drei Frauen im Laufe ihres Lebens Opfer von psychischer oder physischer Gewalt, Statistiken zeigen, dass 12 bis 15 Prozent der Frauen in Europa jeden Tag häusliche Gewalt erleben. Bei der ersten Euregio-Tagung zum Thema „Gemeinsam: gegen Gewalt an Frauen“ am Mittwoch in Bozen diskutierten Fachleute aus allen drei Ländern der Euregio mögliche Ansätze zum Schutz der Frauen.

    „In Südtirol haben im Jahr 2016 562 Frauen an eine Beratungsstelle gewandt“, berichtete Petra Frei, Direktorin des Landesamtes für Kinder- und Jugendschutz und soziale Inklusion, über die Lage in Südtirol. Insgesamt 97 Frauen und 93 Kinder wurden in einen stationären Dienst aufgenommen.

    Finanziert wird der Frauenhausdienst – er umfasst vier Beratungsstellen, 25 Plätze in Frauenhäusern und 13 Plätze in geschützten Wohnungen – derzeit mit 1,85 Millionen Euro aus dem Landessozialfonds. Ihre Mitarbeiterin Alessia Brunetti stellte die Projekte vor, die Südtirol im Rahmen des Themas „Gewalt gegen Frauen“ gestartet hat, darunter ein Broschüre zu Interventionsmaßnahmen, die in Zusammenarbeit mit den Ordnungskräften erstellt wurde, eine Infocard mit den Adressen der Frauenhäuser und eine Sensibilisierungskampagne zum Thema „miterlebte Gewalt“, die gemeinsam mit den Schulämtern durchgeführt wurde.

    „Was die betroffenen Frauen betrifft, sind die Zahlen im Trentino denen in Südtirol sehr ähnlich“, sagte Laura Castegnaro vom Amt für Innovation der Abteilung Soziales des Trentino. Das wesenltiche sei eine gute Netzwerkarbeit, betonte Castegnaro und bezog sich wie alle anderen auf das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Konvention von Istanbul), die am 1. August 2014 in Kraft trat. Gemeinsam mit Loredana Lazzeri stellte sie das Netzwerk vor, das Frauen im Trentino vor Gewalt schützt. Lazzeri berichtete auch von der Initiative „cambia-menti“, die die Täter – meist sind es Männer – erreichen soll.

    „Gewalt betrifft mehr Männer als Frauen, sowohl als Opfer als auch als Täter“, sagte Elisabeth Stögerer-Schwarz, die den Fachbereich Frauen und Gleichstellung des Landes Tirol leitet. „Geht es allerdings um sexuelle Gewalt, sind neun von zehn Opfern Frauen“, fuhr sie fort 2015 wurden in Tirol 1051 Personen – davon 905 Frauen und 146 Männer – in Gewaltschutzzentren beraten. Stögerer-Schwarz nahm Bezug auf das österreichische Gewaltschutzgesetz und den Schutz der sexuellen Integrität und Selbstbestimmung und machte etwa darauf aufmerksam, dass sich Frauen in Österreich an die Gleichbehandlungsanwaltschaft wenden können, wenn sie sexuell belästigt werden.

    Eine Besonderheit dieser Bestimmung: Nicht nur der Täter selbst kann zur Rechenschaft gezogen werden, sondern auch der Arbeitgeber. Astrid Mallaun, Leiterin des Fachbereichs Projekte und Förderungen in der Abteilung Soziales in der Tiroler Landesregierung gab einen Überblick über die Einrichtungen in Nord- und Osttirol: Insgesamt gibt es im Bundesland Tirol 69 Plätze im betreuten Wohnen oder in Übergangswohnungen, 56 Plätze stehen in Frauenhäusern zur Verfügung, 32 davon für Kinder.

    In Anschluss an die Impulsreferate diskutierten die fast ausschließlich weiblichen Teilnehmerinnen in Kleingruppen, dem sogenannten World Café, über Initiativen, die sich in den einzelnen Ländern bewährt haben. Es ging um die Arbeitseingliederung von Frauen, die Gewaltopfer waren, genauso wie um die Betreuung von Kindern, die Gewalt miterlebt haben, und um die Netzwerksarbeit der Dienstleistungen für Frauen. Diskutiert wurde auch über Täterarbeit und die Arbeit mit Migrantinnen im Frauenhaus.

     

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