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    „Gebt nie auf“

    Theo Kelz und Susanne Wopfner

    Extremer Wille und professionellste Physiotherapie wirken Wunder – sagt das Briefbomben-Opfer Theo Kelz.

    „Gebt nie auf, denn mit einem großen Willen erreicht man schier Unmögliches.“

    Das waren die Schlussworte von Theo Kelz. Kelz und seine Physiotherapeutin Susanne Wopfner waren kürzlich in der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana in Bozen zu Gast.

    Ein Vortrag, der buchstäblich unter die Haut ging. Viel Kraft, ein unbeugsamer Wille, ein klares Ziel – das zeichnet den Mann aus, der Unmögliches möglich gemacht hat.

    Theo Kelz erhielt 2000 in Innsbruck zwei Hände eines Toten transplantiert. Vorher lebte er 6 Jahre ohne Hände. Dies machte die Reorganisation des zentralen Nervensystems notwendig. 3 Physiotherapeutinnen unter ihnen Susanne Wopfner haben in unzähligen Therapiestunden mit Kelz anhand der Neurokognitive Rehabilitation nach Prof. Perfetti dazu beigetragen, dass Kelz sein Leben wieder voll und bedingungslos genießen kann. Susanne Wopfner, die übrigens auch Dozentin an der Claudiana ist, berichtete im Detail über die vielen Übungen, die Kelz mit unvorstellbaren Willen durchführte, bis er das Ziel erreicht hat: Ein schönes Leben mit neuen Händen.

    Carla Naletto (Studiengangsleiterin Physiotherapie an der Claudiana), Eva Maria Gasser (Tutorin des Studiengangs für Physiotherapie), Theo Kelz und seine Lebensgefährtin Gertrud Eisner sowie Physiotherapeutin Susanne Wopfner

    Bei dieser Therapiemethode wird vorderrangig das zentrale Nervensystem bearbeitet. Dabei muss der Patient mit viel Konzentration diverse Aufgaben durchführen. Er muss denken, fühlen, sich bewusst werden. Auch wird viel mit Imagination als Lernmittel gearbeitet. Es ging darum, verloren gegangene Erinnerungen wieder zu aktivieren.

    Der Umgang mit fremden Händen musste völlig neu erlernt werden. 5.500 Physiotherapiestunden, also 5 bis 6 Stunden täglich, haben Kelz dazu gebracht, dass er jetzt mit seinen neuen Händen alles spürt. Sogar Extremsituationen wie eine 10.000-km-lange Motorradreise zum Nordkap hat er gemeistert. „Physioterapeuten haben eine sehr große Verantwortung gegenüber ihren Patienten. Dieses Paradebeispiel zeigt das einmal mehr.

    Die beste Operation bzw. Transplantation wäre nicht erfolgreich, wenn nicht dann eine umfassende, gute Rehabilitation erfolgt. Diese wiederum verlangt der Therapeutin sehr viel übergreifendes Denken, viel Konzentration und Aufmerksamkeit ab. Das alles wünsche ich Euch“, das waren die Worte, die Eva Maria Gasser, Tutorin und Carla Naletto, Leiterin des Studiengangs Physiotherapie an der Claudiana an die StudentInnen richteten.

    Die ungewöhnliche Biografie von Theo Kelz

    Wohl nie hätte er gedacht, dass er einmal Vorträge halten wird oder ein Buch schreibt. Theo Kelz ist eine Person, die Zeitgeschichte geschrieben hat. Er wurde Opfer eines Bombenanschlags. Dabei verlor der österreichische Polizist 1994 beide Unterarme.

    Kelz lebte dann sechs Jahr lang mit verschiedensten Prothesen, gewöhnte sich aber nie wirklich daran. Prothesen können Hände nie ersetzen. Hände können begreifen, fühlen, formen, tasten, streicheln und vieles mehr als Prothesen. Dabei hatte er viele Erlebnisse: Es galt das richtige Kräftemaß beim Händeschütteln zu finden, beim Skifahren froren die Skistöcke an die Prothesen und das Heben eines Weinglases war eine großer Herausforderung. Im März 2000 fanden sich zwei geeignete Spenderhände, welche ihm in einer OP mit 20 Ärzten unter der Leitung von Prof. Raimund Margreiter an der Universitätsklinik Innsbruck transplantiert wurden. Damit ging sein Lebenstraum in Erfüllung.

    Den harten Weg aus der Isolation, den großen Kampf um seine neuen Hände und wie er sich immer wieder vorbereitete und durchsetzte, erzählt Kelz in seinem Buch „Mein Leben mit neuen Händen“. Die Operation 1994 der bilateralen Handtransplantation war schon damals weltweit eine Sensation. Die nächste Sensation ist, dass Kelz mit seinen neuen Händen heute ein normales Leben führt. Er muss zwar Medikamente nehmen, aber er fing bald als Polizist wieder an zu arbeiten. Heute ist er in Pension und hat – als erster Mensch weltweit – mit seinen neuen Händen mit dem Motorrad allein den Globus umrundet. Auch dank professioneller, physiotherapeutischer Maßnahmen.

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