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    Durstig am Bahnhof

    Im vergangenen Sommer wurde im Landtag ein Beschlussantrag der Grünen genehmigt, dass an allen Bahnhöfen Wasserbrunnen installiert werden. Aber nur vier Gemeinden zeigen Interesse an der Initiative. 

    von Lisi Lang

    „Nur vier Gemeinden haben das Thema aufgegriffen, viele Gemeinden haben sich überhaupt nicht zurückgemeldet“, zieht die Landtagsabgeordnete der Grünen Brigitte Foppa ein relativ tristes Resümee. Im vergangenen Sommer haben die Grünen im Landtag einen Beschlussantrag präsentiert, der wohlwollend und mehrheitlich angenommen wurde – die Umsetzung dieser Initiative verläuft aber relativ schleppend. Ziel des Beschlussantrages war es auf sämtlichen Südtiroler Bahnhöfen einen kostenlosen Zugang zu Trinkwasser zu errichten – sprich einen Brunnen oder eine andere Trinkwasserstelle.

    Ein kurzer Rückblick: „Der Landtag hat sich in der Sitzung vom 14. Jänner 2015 mit übergroßer Mehrheit für die Aufwertung des Leitungswassers in Südtirol ausgesprochen“, erinnert Foppa. Diese Aufwertung sollte auch die Bahnhöfe beinhalten. „Vor allem Pendler wüssten es sicher zu schätzen, wenn an unseren Bahnhöfen kostenloses Trinkwasser zu finden wäre“, sagt die Grüne. Am 29. Juni 2016 wurde ein entsprechender Beschlussantrag einstimmig genehmigt. Der Landtag beauftragte darin die Landesregierung in den vom Land geführten Bahnhöfen für die Zugänglichmachung von kostenfreiem Trinkwasser zu sorgen und die bahnhofsbetreibenden Gemeinden dahingehend zu sensibilisieren, dass auf allen Bahnhöfen kostenfreies Trinkwasser zugänglich ist.

    Eine Nachfrage der Grünen zum Stand der Initiative zeigt nun aber, dass das Interesse der Gemeinden an dieser Initiative mehr als bescheiden ist. „Alle betroffenen 20 Gemeinden wurden einzeln befragt, damit sie uns ihr Interesse zur Aufstellung eines Brunnens für die kostenlose Nutzung am Bahnhofsgelände mitteilen. Von den befragten Gemeinden beabsichtigen vier diese Initiative zu unterstützen: Auer, Meran (Hauptbahnhof und Untermais), Pfitsch (Bahnhof Sterzing/ Pfitsch) und Welsberg“, erklärt Mobilitätslandesrat Florian Mussner in einer Anfrage der Grünen. 14 weitere Gemeinden seien nicht an der Initiative interessiert, während zwei Gemeinden nicht geantwortet haben. „Kein Interesse an der Initiative haben die Gemeinden Brenner, Burgstall, Gargazon, Kiens, Klausen, Lajen, Leifers, Margreid, Niederdorf, Olang, Salurn, Terlan, Toblach, Vintl“, erklärt Landesrat Mussner. Nicht geantwortet haben die Gemeinden Freienfeld und Mühlbach. „Einige Gemeinen gaben als Grund an, entweder schon einen Brunnen zu haben oder dass Trinkwasser bereits über öffentliche Toiletten zugänglich ist – einige Gemeinden gaben aber auch gar keinen Grund an“, so Florian Mussner auf Nachfrage der Grünen.

    Die Grünen zeigen sich enttäuscht über die Umsetzung dieses Beschlussantrages und fordern nun die Landesregierung erneut auf, die Gemeinden zu sensibilisieren, damit die Initiative – die vom Südtiroler Landtag einstimmig gutgeheißen wurde – umgesetzt wird. „Trinkwasser ist ein Allgemeingut – die Reaktionen der Gemeinden sind nicht nachvollziehbar“, kritisiert Brigitte Foppa.

    Eine neue Anfrage soll nun klären, ob sich die Landesregierung noch immer für dieses Projekt einsetzt und welche Ziele man im Palais Widmann verfolgt.

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    Kommentare (4)

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    • andreas

      Natürlich ist die Reaktion der Gemeinden nachvollziehbar.
      Denen ist der Beschluss berechtigterweise egal.

    • b.e.o.b.a.c.h.t.e.r.

      Es wäre begrüßenswert, wenn dieser Vorschlag (der nicht deswegen schlecht ist, weil er nicht von der herrschenden Partei kommt) überall umgesetzt werden würde; warum sollen die Leute gezwungen werden, überteuerte, gesundheitsschädliche Softdrinks (2 € und mehr) von Monopolisten abzukaufen, wenn sie gesundes Wasser zum Nulltarif zum Durstlöschen trinken können. Nicht unwesentlich dabei wäre, dass tonnenweise Plastik und Dosenmüll vermieden werden könnte!

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