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Geschichte der Fotografie

Unbekannte Lienzerin, circa 1930 – Foto: Maria Egger/Sammlung Stadt Lienz/TAP

Die Geschichte der Fotografie in Tirol und Südtirol stand im Mittelpunkt einer interregionalen Tagung in der Festung Franzensfeste mit über 100 Teilnehmern.

Wo sind die ersten Fotoateliers im Tiroler und Südtiroler Raum entstanden? Wer waren die Fotopioniere? Mit welchen Apparaten hat man früher fotografiert? Was wurde fotografiert und präsentiert – was nicht? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am gestrigen 20. September eine Tagung in der Festung Franzensfeste.

Anton Holzer, Herausgeber der Zeitschrift „Fotogeschichte“, bot in seinem Eröffnungsvortrag fotografische Blicke von innen und außen auf Südtirol und Tirol: „Fotografie war von Beginn an ein ‚mobiles‘ Produkt, die Fotografen reisten, und die Bilder reisten.“ Diese Entwicklung gipfle aktuell in der allgegenwärtigen Fotografie mit dem Smartphone.

Meinrad Pizzinini sprach über die Entwicklung der Fotografie in Tirol am Beispiel des Malers und Fotopioniers Georg Egger. Dieser stammte aus Lienz und war Vater des bekannten Tiroler Künstlers Albin Egger-Lienz. Gunther Waibl zeichnete die Situation der Fotografie in Südtirol in der Frühzeit nach und stellte das Atelier Mariner aus Bruneck vor. Daniela Pera präsentierte den Fotobestand der Società degli alpinisti tridentini (SAT), der 60.000 Fotografien von 1880 bis in die Gegenwart umfasst. Floriano Menapace plauderte mit Alessandro Campaner vom Südtiroler Landesarchiv über die Veränderungen seines Berufsalltags, jenes des Fotografen.

Markus Wurzer sprach über Südtiroler Amateurfotografen im Abessinienkrieg (1935–1941) und zeigte die Wechselwirkungen zwischen offiziellen Propagandabildern und privaten Knipsereien. Evelyn Reso vom Touriseum, dem Südtiroler Landesmuseum für Tourismus, entlarvte klassische Motive in Ansichtskarten. Valentina Cramerotti stellte Enrico Pedrotti (1905–1965) vor, der in Trient und Bozen wirkte und vor allem für seine Porträtfotografien bekannt ist.

Bei einer eigens zusammengestellten Fotomaterialienschau zeigten die Tiroler Landesmuseen, das Südtiroler Landesarchiv, das TAP mit der Stadtgemeinde Bruneck und das Landesamt für Film und Medien Fotomaterialien aus ihren Beständen: eine Daguerreotypie aus dem Jahr 1847, Einrichtungsgegenstände aus dem Bozner Fotoatelier Waldmüller, historische Postkarten, Fotoglasplatten und Fotokameras aus 150 Jahren Fotografiegeschichte.

Die Tagung stellte die Bandbreite der Geschichte der Fotografie in Tirol und Südtirol – und auch im Trentino – in punkto Pioniere, Entwicklung und Besonderheiten überblicksartig dar. Zudem präsentierten mehrere junge Wissenschaftler Thesen ihrer Forschung. Die Hauptergebnisse werden schriftlich und kostenlos in wenigen Monaten als PDF (Deutsch/Italienisch/Englisch) zur Verfügung stehen. Außerdem wird im Rahmen dieses gemeinsamen Interreg-Projekts des Tiroler Archivs für photographische Dokumentation und Kunst (TAP), der Stadtgemeinde Bruneck, dem Landesamt für Film und Medien und der Landesabteilung Museen ein E-Learning-Kurs zur Geschichte der Fotografie in Tirol und Südtirol gestaltet.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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