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Das Meraner Geheimnis

Andrea Rossi und Paul Rösch

Das neue Bewerbungsschreiben Merans als „Kulturhauptstadt Italiens 2020“ wurde nun offiziell vorgestellt. Die „Hinterwäldler“- und andere absurde Passagen kommen darin nicht mehr vor. Wer der Autor der Passagen ist, bleibt ein Geheimnis.

von Karin Gamper

Keine selbstkritische Reflexion darüber, was nationalistische Töne in einem offiziellen Dokument der Gemeinde Meran zu suchen haben, sondern das Befremden über das mediale Interesse an einem Textentwurf.

Ganz nach dem Motto: Der Überbringer der (peinlichen) Nachricht ist der Tintige …

Das war der Rahmen, in dem Bürgermeister Paul Rösch und sein Stellvertreter Andrea Rossi am Freitag nach den Polemiken der vergangenen Tage die Bewerbung Merans als Kulturhauptstadt Italiens präsentiert haben.

Meran geht nun als „Das kleine Europa Italiens“ in das Rennen um den Titel, für den die Bewerbungsfrist gestern um 12.00 Uhr abgelaufen ist. Der inkriminierte Rohentwurf wurde überarbeitet, die von der SVP als nationalistisch beanstandeten Sätze allesamt entfernt. So ist von jetzt nicht mehr von „valligiani“ die Rede; der Verweis auf die angeblich vermögendere deutschsprachige Bevölkerung fehlt ebenso wie die Bezeichnung der Einheit Tirols als „antihistorisch“.

Mit Meran gehen 45 weitere italienische Städte ins Rennen. „Unser Ziel ist es, das Ministerium für Kulturgüter und Tourismus in Rom von unserer historischen und kulturellen Besonderheit zu überzeugen“, erklärte Rossi gestern. Der Tipp, dabei provokant vorzugehen um sich von den anderen Teilnehmern abzuheben, stammt offenbar von dem Mailänder Universitätsdozenten Paolo Dalla Sega. Der Fokus wird dabei auf ein Meran mit „zwei Seelen“ gelegt: die zu gleichen Teilen vertretene deutsche und italienische Sprachgruppe, deren friedliches Zusammenleben eine Besonderheit, aber auch eine Baustelle ist.

Das nach Rom gesandte Dossier enthält die geplanten Investitionen in Höhe von 12,6 Millionen Euro. Dazu zählen u.a. ein Kinderbuch-Archiv, die neue Bibliothekszweigstelle für Sinich, die Erschließung der Barbara-Kapelle für das Palais-Mamming-Museum oder auch der neue Bikepoint am Sitz der ausrangierten Tankstelle in der Piavestraße. „Es sind allesamt Vorhaben, die die Stadt ohnehin realisieren wollte“, so Rossi. Die Bewerbung selbst hat laut Rösch 250 Euro gekostet, da alles hausintern bzw. ehrenamtlich erledigt wurde.

Bleibt die Frage, wer denn nun die verunglückte erste Version des Textes, die die TAGESZEITUNG am Donnerstag exklusiv veröffentlicht hat, verfasst hat.

Darüber wollten die Verantwortlichen keine Auskunft geben.

„Über 50 Personen beider Sprachgruppen haben mit ihren Ideen dazu beigetragen, am Dokument wurde monatelang gearbeitet“, sagte Bürgermeister Paul Rösch. Eine Art kollektives Werk also mit durchaus prominenten Mitarbeitern: Ex-Oberstaatsanwalt Cuno Tarfusser steht ebenso auf der Mitarbeiterliste wie der ehemalige Landesrat Romano Viola, Wine-Festival-Erfinder Helmut Köcher, Theatermacher Rudi Ladurner oder Kunsthaus-Chefin Herta Torggler. In Form gegossen wurde der Text von der Abteilung Kultur der Gemeinde, der Barbara Nesticò als Direktorin vorsteht.

Die Bewerbung liegt seit Freitag in Rom. Im Oktober und November wird eine Jury zehn Städte in die engere Auswahl nehmen. Die definitive Entscheidung fällt im Jänner 2018.

Die offizielle Version ist übrigens seit Freitag auch online auf der Homepage der Gemeinde einsehbar. Allerdings nur in italienischer Sprache. Eine Übersetzung ins Deutsche ist nicht vorgesehen. Paul Rösch: „Dann müssten wir auch alle Bewerbungen für sämtliche EU-Projekte übersetzen lassen“.

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