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„Krise ist spürbar“

Die Fußballsaison hat begonnen. Mit den Spielern starten auch die Schiedsrichter in ein neues Jahr. Mirco Iacopetti, Präsident der Schiedsrichtervereinigung – Sektion Bozen, erklärt, was sich für die Unparteiischen geändert hat.

Tageszeitung: Herr Iacopetti, die Fußballsaison hat letzte Woche begonnen – auch für die Schiedsrichter. Sind die Unparteiischen in Südtirol gut vorbereitet?

Mirco Iacopetti: In Südtirol gibt es heuer 220 Schiedsrichter: Circa 150 in Bozen und ungefähr 70 in Meran. Diese Zahl ist im Vergleich z den letzten Jahren relativ gleich geblieben, insgesamt ist die Zahl der Schiedsrichter aber rückläufig. Man muss aber auch beachten, dass beispielsweise einige Schiedsrichter, die in der vierten Oberschule sind, heuer ein Jahr im Ausland verbringen. Gut 30 Prozent der Schiedsrichter sind bei der Polizei oder im Militärdienst. Auch ein Teil dieser Schiedsrichter ist heuer nicht hier.

Wie viele Frauen gibt es, die Schiedsrichter sind?

In Bozen gibt es neun Frauen, die der Vereinigung angehören und ich glaube, dass es in Meran eine weitere gibt. Eine von ihnen ist aber beim Sportgericht tätig, die anderen sind Schiedsrichterinnen.

Auch die Kurse beginnen jetzt. Wann finden diese statt?

Am 14. September veranstalten wir einen neuen Schiedsrichterkurs. Sowohl in Bozen als auch im Eisacktal haben sich bereits jetzt 15 Personen eingeschrieben. Die Kurse werden in Bozen, Brixen, Sterzing und möglicherweise sogar in Bruneck stattfinden. Natürlich werden sie in Deutsch und in Italienisch angeboten. Unsere Schiedsrichter sind alle perfekt zweisprachig, das heißt wir haben kein Problem die Kurse in beiden Sprachen abzuhalten. Die Kurse werden aber natürlich fortgeführt. Wenn es weitere Einschreibungen geben sollte, veranstalten wir erneut einen Kurs. Normalerweise machen wir drei bis vier Kurse pro Jahr.

In ländlichen Gebieten gibt es immer weniger Schiedsrichter…

Das stimmt leider. Im Pustertal gibt es etwa nur zehn Schiedsrichter und das bei 30 Spielen pro Woche. Wir haben dort viel zu wenig Schiedsrichter. Fünf davon kommen vom Brunecker Militär. Wir haben im Pustertal viel investiert, in Werbung oder in Treffen. Das Problem ist, dass sich die Personen nicht eintragen, aber nicht nur das. Das heißt ich muss einen Bozner nach Pustertal schicken, falls einer von den Schiedsrichtern ausfällt.

Wie könnte man dieses Problem beheben?

Wir machen sehr viel Werbung, kommen in den Schulen, veranstalten Projekte in Oberschulen, schicken den Direktoren Informationen, aber mehr können wir nicht machen. Wir versuchen auch die Vereine zu animieren. In England muss jeder Verein mindestens zwei Schiedsrichter stellen. Wenn das in Südtirol mit 150 Klubs gleich wäre, hätten wir genügend Schiedsrichter und genügend Qualität. In Italien gibt es diese Pflicht allerdings nicht.

Wie viele minderjährige Schiedsrichter gibt es in Südtirol?

Ich kenne die genaue Zahl nicht, aber ich würde schätzen, dass jährlich etwa zehn minderjährige Schiedsrichter dazu kommen. Das heißt wir haben ungefähr 20 oder 25 minderjährige Schiedsrichter in Südtirol. Man muss 15 sein, damit man Schiedsrichter sein kann. Den Kurs kann man aber schon zuvor machen.

Mit jedem Jahr gibt es Regeänderungen im Fußball – auch im Amateurbereich. Welche Neuerungen gab es heuer und wie stellen sich die Schiedsrichter darauf ein?

Seit heuer gibt es einige wichtige Neuerungen. Natürlich wurden nicht alle Regeln modifiziert aber viele hat man eben doch abgeändert. Von Foulelfmeter bis zum Freistoß gibt es jedes Jahr irgendwelche Abänderungen. Das sind aber wichtige Änderungen, sonst würde sich der Sport nicht weiterentwickeln. Eine weitere Regeländerung, auf die wir uns einstellen müssen, ist der Wechsel: Oberligavereine und Mannschaften, die in Ligen darunter spielen, können jetzt bis zu fünf Mal wechseln.

Wie steht Südtirol im Vergleich mit anderen Provinzen in Italien da?

Es gibt Sektionen, die mehr Schiedsrichter haben, aber das sind beispielsweise große Studentenstädte. Viele Studenten wollen Schiedsrichter werden, um ein kleines Taschengeld zu verdienen. Zwar gibt es auch in Bozen eine Universität, aber viele Personen, die in Bozen studieren, wohnen auch in Bozen und brauchen deshalb kein Geld. Die Krise ist in Bozen spürbarer, weil es nur Schiedsrichter gibt, die das auch wirklich werden wollen. in Bozen gibt es wenige Personen, die Schiedsrichter sind, weil sie Geld dafür bekommen.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den anderen Sektionen?

Die Zusammenarbeit funktioniert optimal. Es gibt wirklich keinerlei Probleme. Sollte es Probleme geben, helfen wir uns gegenseitig. Wir haben in der Landesliga und in der Oberliga einen regen Austausch untereinander.

Interview: Markus Rufin

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (2)

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  • issy

    Wer hat heute schon noch Lust Schiedsrichter zu werden, wenn die Gewaltandrohungen dank Kulturbereicherern steigen.

    Eine gewisser Kulturkreis schafft es nachhaltig unsere Kultur (zu der auch Fussball und allgemeiner gesagt das Vereinswesen) zurückzudrängen.

    Unseren Refugees-Welcome-Fundamentalisten sollte mal klar gemacht werden welchen großen Wert unser Vereinswesen für unsere Gesellschaft bedeutet (auch in hinblick auf die Bildung von Genossenschaften) anstatt jede Kultur zu begrüßen, egal welche zersetzende Auswirkungen dies auf unsere Kultur hat.

    In sehr vielen Ländern sind die Bauern schwach und werden von Konzernen drangsaliert.
    Nur bei uns ist dies noch nicht der Fall, weil sich die Bauern genossenschaftlich organisiert haben und deshalb politisch stark sind. Dazu braucht es eine gewisse Kompromissbereitschaft, welche man unter anderem in Vereinen lernen kann.

    Wie wäre es mal unsere Kultur zu exportieren, indem man anderen Kulturen das Vereins- und Genossenschaftswesen näher bringt um den Multinationalen Konzernen zumindest ein wenig die Stirn bieten zu können?

  • sepp

    issy in einigen italienisch geführten vereinen bei uns ist die Kultur nicht besser

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