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    Nutzlose Blöcke?

    Seit gut einer Woche stehen in Bozens Altstadt Betonblöcke, mit denen die Bevölkerung vor Terror-Lkws geschützt werden sollen. Doch Tests haben ihre Ineffektivität nachgewiesen.

    von Julian Righetti

    Terroranschläge wie in Nizza, Berlin und kürzlich in Barcelona – um nur einige zu nennen – haben europaweit für Verunsicherung und Angst gesorgt. Ein Lkw, der in eine Menschenmenge rast, ist nur schwer abzuwehren und aktuell eine viel genutzte Waffe der Terroristen. Mit mobilen Betonblöcken will man solche Attacken auch in Bozen bei Großveranstaltungen verhindern bzw. verzögern.

    Der „Befehl“ dazu kam von ganz oben: Das italienische Innenministerium hatte auf Anordnung des Innenministers Marco Minniti alle Städte, in denen Großveranstaltungen stattfinden, dazu aufgefordert, solche Barrieren aufzustellen – darunter auch Bozen. Das Ganze sei lediglich eine provisorische Übergangslösung, heißt es vonseiten des Innenministeriums.

    Doch nun stellt sich die Frage, wie effektiv diese Betonblöcke sind. Alles nur Placebo-Effekt und keine echte Sicherheit?

    Letzteres belegt eine zweiteilige Testreihe der Prüfgesellschaft Dekra im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks MDR, die anlässlich der in Deutschland aufgestellten Betonsperren durchgeführt wurde. Denn in Deutschland hat man mit dieser Absperrung schon bedeutend früher als in Italien begonnen. Bereits nach dem Anschlag in Berlin wurden deutschlandweit Betonbarrikaden aufgestellt, um ein Eindringen von Lkws in dichtbesuchte Plätze zu verhindern.

    Zu den zwei Tests: Auf dem Prüfstand standen Betonblöcke mit einer Kantenlänge von 0,8 ✕ 0,8 ✕ 1,6 Metern und einem Gewicht von 2,4 Tonnen. Dabei wurden zwei Szenarien jeweils mit einem beladenen Lkw mit zehn Tonnen Gesamtgewicht nachgestellt. Das Fahrzeug fuhr hierbei immer mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde auf die Betonsperren auf.

    Beim ersten Test wurden die Blöcke in einer Linie mit einem Abstand von 1,5 Metern im rechten Winkel zur Fahrbahn aufgestellt. So konnte der Lkw frontal auf die Betonblockaden auffahren.

    Beim zweiten Test wurden die Betonsperren in einer Linie mit einem Abstand von 0,8 Metern im Winkel von 80 Grad zur Fahrbahn aufgebaut. So konnte der Lastwagen leicht seitlich auf die Hindernisse auffahren.

    Das Ergebnis: Der Lkw konnte die Betonblöcke scheinbar mühelos zur Seite schieben und teilweise sogar durchbrechen.

    Das Fazit des MDR: Die Betonsperren bieten nicht genügend Schutz vor solchen Attacken.

    Die in Deutschland verwendeten Betonblöcke entsprechen jedoch nicht den hierzulande verwendeten Blockaden. In Italien und auch in Bozen werden keine einheitlichen Betonblöcke verwendet, es kommt immer auf den Einsatzort an.

    Wie der TAGESZEITUNG bestätigt wurde, sind die Größe der Betonblöcke so ausgewählt worden, dass den Feuerwehrfahrzeugen immer die Zufahrt ermöglicht sei. Messungen haben ergeben, dass es zwei Arten von Betonbarrikaden gibt, die in der Bozner Altstadt zu finden sind.

    Eine Art weist die Maße 0,43 ✕ 1 ✕ 3 Meter auf und wiegt etwa 1,4 Tonnen. Die andere trägt die Maße 0,6 ✕ 1 ✕ 4 Meter mit einem ungefähren Gesamtgewicht von fast zwei Tonnen.

    Die Schätzungen zum Gewicht gehen dabei von einem zwei Meter langen Betonblock aus, deren Gewicht jeweils rund 900 Kilogramm beträgt und die häufig bei Baustellen zu finden sind. Die hierzulande aufgestellten Betonbarrikaden lassen sich also nicht gänzlich nach den deutschen Tests beurteilen, da es sich um andere Maße handelt.

    Nichtsdestotrotz scheinen solche Betonbarrieren kein umfassender Schutz gegen Attentate mit Lkws zu sein. Allerdings sollen sie der Bevölkerung durchaus ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, das jedoch hauptsächlich auf dem Placebo-Effekt basiert.

     

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