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    Ezra Pounds Erbe

    Ezra Pond fotografiert von Henri Cartier Bresson: „Wenn der Sinn haftet an einem Grashalm / wird ein Ameisenbein dich retten.“

     

     

     

    Die Literaturtage Lana widmen sich in ihrer 32. Ausgabe Ezra Pound, der mit seinem Werk die Literatur radikal erneuert hat, aber in seinem Engagement für Mussolini auch verblendet war. 

     

    2017 jährt sich zum 45. Mal der Todestag des Dichters Ezra Pound. Neben James Joyce, William Faulkner oder Ernest Hemingway gehört der Vordenker poetischer Avantgarden zu den wichtigsten englischsprachigen Stimmen und zu den Klassikern des 20. Jahrhunderts. Selbst profunder Kenner der Literaturen der Welt, hat er mit seinen „Cantos“ Literaturgeschichte geschrieben.

    1885 in Hailey, Idaho, geboren, war Ezra Pound mit einem großen und genauso irritierenden Geist begabt. Er wuchs in den Vereinigten Staaten von Amerika auf, zog 1909 nach Europa und war in Kontakt mit herausragenden Künstlern seiner Zeit; er studierte die alten Ägypter, ließ sich auf griechische und lateinische Texte ein und erforschte die Welt der chinesischen Schriftzeichen; er war vertraut mit den Weltreligionen und Mythologien und machte die Lektüre der Literatur des Mittelalters und der Renaissance fruchtbar für den modernen Umgang mit Sprachmaterial; er erkundete die Philosophie des Geldes und verfasste Zeilen, die in all ihrer Rätselhaftigkeit von einem einzigartigen Glanz sind.

    Was aber die politische Entwicklung Europas zwischen 1920 und 1945 betraf, war dieser hochintelligente Schriftsteller und Interpret literarischer Verhältnisse ohne vernünftige Erkenntnis und ohne Verstand. Und als er, der stets in kühnstem Maß nach Schönheit strebte, sich in heillose Irrtümer verstrickte, war er selbst ein Gebrochener.

    Die 32. Literaturtage Lana sind diesem Dichter voller Widersprüche gewidmet. Jahre seines späten Lebens verbrachte er bei seiner Tochter Mary de Rachewiltz auf der Brunnenburg bei Meran, wo er die letzten sechs Cantos schrieb. Beeindruckt von seiner Komplexität, die weder eines enigmatischen noch rabiaten Eigensinns entbehrte, setzt sich die literarische Nachwelt mit Ezra Pound bis heute auseinander und nagt an den Unvereinbarkeiten zwischen einer beispielhaften Dichtung und seiner nicht von der Hand zu weisenden politischen Verblendung. Pound hinterlässt Faszination und Ratlosigkeit.

    Mary de Rachewiltz

    Mit Marcel Beyer, der die Eröffnungsrede am 30. August hält, und Durs Grünbein aus Deutschland, mit der amerikanischen Dichterin Ellen Hinsey und dem Iren Trevor Joyce nähert sich das Festival dem poetischen Werk an und unternimmt den Versuch, die Spannung zwischen großer Dichtung und dem Weltbild oder Gedankengebäude ihres Schöpfers diskursiv zu ergründen. So sind die Literaturtage Lana Hommage und Kritik und neben dem Staunen vor einer bezwingender Dialektik literarischer Leistung ist die Auseinandersetzung mit der Frage berechtigt: Muss man sich entscheiden, über wen man nachdenkt, über den Dichter oder über den politischen Propagandisten Ezra Pound? Oder liegt es an uns, eine verbindende Lesart der Widersprüchlichkeit zu finden? Welcher ethische Imperativ darf Künstlerinnen und Künstlern abverlangt werden?

    Literaturwissenschaftler Joseph Vogl: Pounds „paradiso terrestre“ endet in unverhohlenem Antisemitismus

    Mit Joseph Vogl, dem renommierten Literaturwissenschaftler und Philosophen, greifen die Literaturtage Lana in einem nächsten Moment den Aspekt der Geldtheorie bei Pound auf. Luzide in seinen Analysen kapitalistischer Ökonomien und ihres Mythos´, blickt Joseph Vogl im Gespräch mit Elmar Locher auf das Konzept einer natürlichen Wirtschaftsordnung, das Ezra Pound in einem demokratischen Sinn und in der Idee eines möglichen „paradiso terrestre“ zu fundieren suchte. Ihren Ausdruck fand es jedoch in einer erbitterten, unverhohlen  antisemitischen Kritik am Bankwesen und Wucher.

    Massimo Bacigalupo, Amerikanist und bedeutender Vermittler englischsprachiger Literatur, wird Pounds italienische Jahre beleuchten und sie mit der Lektüre der „Cantos“ verknüpfen. Dabei geht er auf den speziellen gesellschaftlichen und politischen Hintergrund ein, den er, selbst aus dem befreundeten Familienkreis Pounds in Rapallo stammend, aus nächster Nähe kennt.

    Nicht zuletzt wird die Tochter von Ezra Pound, Mary de Rachewiltz, die persönliche Erzählung mit philologischer Betrachtung zusammenführen und Siegfried de Rachewiltz, Enkel des Dichters, einige Exponate aus der Sammlung des unermüdlichen Dichters zeigen. Einen Einblick in Pounds Archiv historischer Filmdokumente und bekannt gewordener Dichtergespräche gewährt schließlich der Abschlussabend im Schallerhof. Eine Büste von Ezra Pound, die der Künstler Stefan Fabi angefertigt hat, begleitet die Literaturtage Lana 2017 auf dem Schallerhof.

    Termin: 30. August – 2. September 2017 im Schallerhof, Raffeingasse 2, Lana. www.literaturlana.com

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