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    Die abgehörten Telefonate

     

    Medizinier Giuseppe Fischetto

    Der Fall des „Antidoping“-Arztes Giuseppe Fischetto: Immer mehr Indizien deuten auf ein Komplott im Fall Alex Schwazer hin.

    von Artur Oberhofer

    Es war Mitte Dezember 2015.

    Am Landesgericht in Bozen sagten zwei hochrangige Funktionäre des Internationalen Leichtathletikverbandes (IAAF) als Zeugen aus: Jane Boulter Davies, die damalige Verantwortliche für die Dopingkontrollen außerhalb von Wettkämpfen im IAAF und Yves Garnier, der damlas amtierende Chef der Ärztlichen Abteilung im IAAF.

    Der Angeklagte in dem Verfahren war der IAAF-Arzt Giuseppe Fischetto, den der Geher Alex Schwazer im Zuge seine Doping-Outings schwer belastet hatte.

    Doch wer erwartet hatte, dass die IAAF-Granden den in Ungnade gefallenen Arzt fallen lassen und vor Gericht belasten würden, musste sich eines Besseren belehren lassen.

    Sowohl Jane Boulter Davies als auch Yves Garnier nahmen den IAAF-Arzt Giuseppe Fischetto in Schutz, sagten zu dessen Gunsten (und somit gegen Alex Schwazer) aus.

    Ein abgehörtes Fischetto-Telefonat

    Im vergangenen Jahr, nach der erneuten Dopingsperre gegen Alex Schwazer, kam heraus: Es war Jane Boulter Davies, die Ende Dezember 2015 die Weisung erteilt hatte, Alex Schwazer einer Dopingkontrolle zu unterziehen. Es war die für Alex Schwazer fatale Kontrolle am Neujahrstag 2016, die ihm die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro kostete.

    Es entsteht also ein interessantes Personen-Puzzle:

    Die IAAF-Verantwortliche für die Dopingtests außerhalb von Wettkämpfen, Jane Boulter Davies, die Mitte Dezember 2015 in Bozen als Entlastungszeugin des umstrittenen Artzes Giuseppe Fischetto ausgesagt hat, erteilte genau in dieser Zeit die Weisung, Fischettos großen Ankläger Alex Schwazer erneut zu testen.

    Alex Schwazer

    Mehr noch: Im Juni vergangenen Jahres wurden Jan Boulter Davies und Yves Garnier von der Ehtikkommission der IAAF suspendiert – weil ihnen Bestechung (im Fall des Russen-Dopings) nachgewiesen wurde.

    Und jetzt enthüllt der Doping-Experte Hajo Seppelt im Ersten Deutschen Fernsehen: Genau jener Giuseppe Fischetto, der selbst ein Glaubwürdigkeitsproblem hat“ (so die ARD), hatte bei der Leichtathletik-WM in London, die am vergangenen Sonntag zu Ende gegangen ist, die Aufgabe, für saubere und glaubwürdige Medaillen zu sorgen.

    Dabei gibt es erdrückende Beweise dafür, dass der Arzt Giuseppe Fischetto beispielsweise Informationen über das Staatsdoping in Russland zurückgehalten hat.

    Dies geht aus abgehörten Telefongesprächen hervor (siehe dazu die Wortprotokolle auf dieser Seite).

    In einem Telefonat sagt Giuseppe Fischetto wörtlich:

    „ … io spero che non ci siano fughe di notizie perché succede un casino internazionale: sai metti che vengon fuori dei dati die russi …“

    Es ist tatsächlich verwunderlich, dass der Internationale Leichtathletikverband einem Mann wie Giuseppe Fischetto weiter vertraut.

    Giuseppe Fischetto war gegenüber der ARD für keine Stellungnahme zu erreichen.

    In den abgehörten Telefongesprächen hatte Giuseppe Fischetto nicht nur über sein Insiderwissen in Sachen Russen-Doping berichtet, sondern er hatte außerdem den Wunsch geäußert, dass der Nestbeschmutzer Alex Schwazer, dieser verdammte „Crucco“, wie Fischetto den Kalcher nannte, eliminiert werde – und mit ihm Carolina Kostner.

    Giuseppe Fischetto & Co. ist dies am Ende auch gelungen.

     

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    Kommentare (1)

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    • wollpertinger

      Dass dieser gesamte Sportbetrieb eine einzige Sauerei ist, wissen wir ja schon längst. Es interessiert daher niemanden mehr, wer in dieser Sauerei welche Rolle spielt. „Nicht einmal ignorieren“ ist die sinnvollste Methode, dann hört der Unsinn irgendwann ganz von alleine auf.

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