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    Unerreichbarer Hüttenwirt

    Der Leiter der Bergrettung im Pustertal erhebt schwere Vorwürfe gegen den Wirt der Schwarzensteinhütte: Der Hüttenwirt war für die Einsatzkräfte in einer Notsituation nicht erreichbar. Die Hintergründe. 

    von Silvia Santandrea

    Am Samstagabend ging bei der Landesnotrufzentrale ein aufsehenerregender Anruf ein: Ein verwirrter Mann kündigte an, mitten in der Nacht von der auf etwa 3.000 Metern Höhe gelegenen Schwarzensteinhütte ins Tal absteigen zu wollen. Als Rückrufe über das Mobiltelefon der Person erfolglos blieben, versuchte die Landesnotrufzentrale, genauso wie die besorgten Bergretter, den Hüttenwirt des Schutzhauses zu erreichen. Doch die Hoffnung, hilfreiche Informationen vonseiten des Wirtes zu erhalten wurde enttäuscht – bis 7.00 Uhr morgens war der Hüttenwirt für die Einsatzkräfte in der Notfallsituation nicht erreichbar.

    Aber von Anfang an. Um 23.45 Uhr wurde die Landesnotrufzentrale von einem Mann angerufen, der sagte, er wolle nun von der Schwarzensteinhütte ins Tal absteigen. Der Mann, der auf der Baustelle an der neuen Schwarzensteinhütte angestellt ist, machte einen sehr verwirrten Eindruck. Als weder der Mann auf Rückrufe reagierte, noch der Wirt der Schwarzenstein-Schutzhütte telefonisch erreichbar war (die Einsatzkräfte versuchten den Wirt eineinhalb Stunden lang telefonisch zu erreichen), wurde die Bergrettung Ahrntal alarmiert.

    „Auch die Bergrettung versuchte, nachdem das Lagebild sehr diffus war, den Wirt der Hütte zu erreichen“, erklärt Josef Auer, der Bezirksleiter der Bergrettung Pustertal. Doch die Versuche blieben erfolglos: „Der Wirt der Schutzhütte war weder am Hüttentelefon, noch am Mobiltelefon zu erreichen“, ärgert sich Auer. Inzwischen machten sich die Bergretter in zwei Trupps auf den Weg, den Mann zu suchen. Beim Aufstieg auf die Schwarzensteinhütte sind laut Auer rund 1.500 Höhenmeter zu Fuß zu bewältigen – kein leichtes Vorhaben für die Bergretter, die kaum Informationen hatten.

    Nach zwei weiteren Stunden, gegen drei Uhr nachts, machte die Bergrettung laut Josef Auer die Telefonnummer einer Mitarbeiterin der Schutzhütte ausfindig und erreichte sie. Damit seien drei Stunden kostbare Zeit verloren gegangen. „Der Hüttenwirt meldete sich nicht einmal bei der Bergrettung, als auf der Hütte bekannt war, dass es sich um einen Notfall handelte“, kritisiert der Chef der Bergrettung im Pustertal.

    Der vermisste Mann wurde um 5.30 Uhr von Bergrettern aus Vorarlberg, die auf der Hütte übernachtet hatten und über den Notfall informiert wurden, gefunden und zur Schwarzensteinhütte gebracht. Dort war inzwischen auch die Bergrettungsmannschaft angekommen und der Mann wurde versorgt.

    „Erst zu diesem Zeitpunkt, als die Bergretter schon einen dreistündigen Aufstieg und 1.500 Höhenmeter hinter sich hatten, war der Wirt zu sprechen“, zeigt sich Josef Auer verärgert. Doch er habe sich nicht geäußert, er habe zu den Bergrettern lediglich gesagt, sie sollten den verwirrten Mann ins Tal mitnehmen.

    Der Bezirksleiter der Bergrettung Pustertal ärgert sich über diesen Vorfall und unterstreicht, dass sich sowohl auf der Schwarzensteinhütte, als auch auf anderen Hütten, schon öfters solche Situationen abgespielt hätten. Schon öfters seien Bergretter in der Nacht aufgebrochen um eine vermisste Person zu suchen, und um festzustellen, dass sie sich auf einer Hütte aufhielt. „Ein fünfminütiges Telefonat würde solche Situationen vermeiden, die Bergretter bei ihrer Arbeit unterstützen und ihnen viel Aufwand ersparen“, meint Auer.

    Auch Georg Simeoni, der Präsident des Alpenverein Südtirol, sagt: „ Der Hüttenwirt hätte erklären können, was genau los ist, denn die Bergretter mussten ohne Informationen um ein Uhr morgens starten und dann so viele Höhenmeter zu Fuß zurücklegen.“ Wenn eine Hütte besetzt ist, müsse auch der Wirt telefonisch erreichbar sein, stellen beide klar.

    Josef Auer erklärt: „Eine Schutzhütte sollte Schutz bieten: Die Hüttentür darf zu Betriebszeiten nicht gesperrt sein, den Wanderern muss im Winter ein Winterraum zur Verfügung stehen und sie muss erreichbar sein. Dazu zählt auch die telefonische Erreichbarkeit.“ Das Mobilfunknetz auf der Schutzhütte im Ahrntal funktioniere einwandfrei und könne deshalb nicht das Problem gewesen sein. „Der Status einer Schutzhütte ist dadurch gegeben, dass die Leute jederzeit Auskunft und Unterkunft bekommen. Das steht zwar nirgends geschrieben, ist aber ein ungeschriebenes Gesetz“, sagt Georg Simeoni.

    Josef Auer ergänzt: „Trägt eine Hütte die Bezeichnung ‚Schutzhütte‘, dann wird sie mit öffentlichen Geldern gefördert und es muss gewährleistet sein, dass die Bergrettung vonseiten des Wirtes zumindest minimale Hilfe erhält.“ Auch die Mitarbeiter hätten die Verantwortung zu tragen, sich in einem Notfall kooperativ zu verhalten.

    „Würde sich ein solcher Vorfall, wie er von den Bergrettern geschildert wurde, auf einer Hütte des Alpenvereins ereignen, dann wäre der Hüttenwirt zum letzten Mal Hüttenwirt gewesen, denn solche Situationen dürfen auf einer Schutzhütte nicht passieren“, so der Präsident des AVS Georg Simeoni.

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    Kommentare (3)

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    • einereiner

      Muss die Bergrettung jedesmal ausrücken, nur weil einer anruft und sagt, er geht jetzt von der Hütte runter?

    • klausi

      bin a do Meinung dass in do heitign zeit,
      min.do hüttnwirt olm tel.erreichbor san muss.
      und i wor a amol obm,und ban ocha gien gegn
      mittouge isch die hitte zuigsperrt giwessn.
      se mogs ibohaub net gebm.
      und warumkrieg sojemand die hitte wido vo
      die nechstn 5 johr?
      wennas guit mochat okay,obo des hot man schun öfta
      keascht.

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