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    „Ich gehe nicht gern“

    Weil ein Bürgermeister nicht gleichzeitig Schuldirektor sein kann, muss in der Gemeinde St. Martin in Thurn neu gewählt werden. Heinz Videsott hält diese Unvereinbarkeit für falsch.

    von Silke Hinterwaldner

    Heinz Videsott ist eigentlich zu jung, um zu gehen. Er hat den Job als Bürgermeister von St. Martin in Thurn auch zu gern gemacht, um jetzt mitten in der Amtsperiode zu gehen. Und er findet es eigentlich auch gar nicht richtig, dass er praktisch gezwungen wird zu gehen.

    Sein Problem: Er hat seinen Traumjob gefunden. Heinz Videsott ist nicht nur Bürgermeister von St. Martin in Thurn, sondern auch Lehrer.

    Bereits 2010 hat er an einem Wettbewerb zur Besetzung von Direktorenstellen teilgenommen. Dabei ist er auf Platz drei gereiht worden. Nachdem er die Stelle als Direktor im Schulsprengel Abtei zugeteilt bekommen hatte, ließ er sich für das politische Mandat als Bürgermeister freistellen.

    Das geht.

    Aber jetzt hat er die Chance bekommen, in seinem eigenen Schulsprengel in St. Vigil in Enneberg Direktor zu werden. Das hat er sich immer gewünscht. Diese Chance möchte er sich nicht entgehen lassen.

    Die Regeln schreiben vor, dass ein Schuldirektor nicht zeitgleich Bürgermeister in einer Südtiroler Gemeinde sein darf. Diese Unvereinbarkeit gibt es in anderen Regionen Italiens und auch im Ausland nicht. Es ist auch nicht ganz nachzuvollziehen, warum man ein solches Gesetz geschrieben hat. Weil ein Bürgermeister und Schuldirektor in einer Person zu mächtig sein könnte?

    „Vielmehr“, sagt Videsott selbst, „gehe ich davon aus, dass man als Schuldirektor nicht die Zeit hat, auch noch nebenbei Bürgermeister zu sein. So der Gedanke hinter diesem Gesetz. Aber gleichzeitig denke ich, dass jeder selbst darüber entscheiden sollte, ob er das schaffen kann.“

    Schließlich gibt es auch Unternehmer, leitende Angestellte und andere vielbeschäftigte Leute, die den Job als Bürgermeister einer kleineren Gemeinde mit ihrem eigentlichen Beruf verbinden können.

    „Und“, fährt Heinz Videsott fort, „hinzu kommt, dass in einer Gemeinde alle fünf Jahre gewählt sind. Da können die Bürger selbst entscheiden, ob sie mit der Arbeit des Bürgermeisters zufrieden waren oder nicht.“ Um der rechtlichen Lage genau auf den Grund zu gehen, hat Videsott in den vergangenen Monaten mehrere Gutachten angefordert, die zum Teil zu unterschiedlichen Schlüssen kamen. Aber bis zuletzt war klar, dass die Ämter unvereinbar sind.

    Heinz Videsott ist seit 2010 Bürgermeister in St. Martin in Thurn, vorher war er bereits Mitglied des Gemeinderates. Fünf Jahre nach seinem Amtsantritt wurde er wiedergewählt, als einziger Kandidat für das Amt bekam er noch einmal über 700 Stimmen. Sein Platz an der Spitze der Gemeindeverwaltung schien unumstritten.

    „Ich habe diese Arbeit immer gern gemacht“, sagt er, „wir haben stets gut gearbeitet und uns auch gut verstanden. Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen.“ In der Tat hat es in St. Martin in Thurn kaum Polemiken gegeben, seit Videsott im Amt ist.

    Und trotzdem verlässt er jetzt das Rathaus.

    Videsott wird Ende des Monats seinen Rücktritt hinterlegen, im September tritt er seinen Job als Schuldirektor an. Im Rathaus wird dann sein Stellvertreter Giorgio Costabiei ad interim seine Arbeit übernehmen, für höchstens sechs Monate. Dann – also entweder noch im Herbst oder spätestens im März kommenden Jahres – muss in St. Martin in Thurn neu gewählt werden.

    Den Namen Heinz Videsott wird man dann nicht auf den Listen für den Gemeinderat finden. „Ich werde mich jetzt voll auf meine Arbeit als Schuldirektor konzentrieren“, sagt der Noch-Bürgermeister, „das ist schließlich eine Aufgabe, die sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.“

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (4)

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    • criticus

      „Das ist schließlich eine Aufgabe, die sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.“
      Eben darum Her Videsott sollte man sich nur auf eine Arbeit konzentrieren. Ausnahme im heiligen Land Tirol ist und bleibt Herr Bergmeister, der hat mehrere wichtige Ämter (unter anderem Sparkasse, Brennerbasistunnel, Uni BZ usw) über. Und da soll mir mal jemand sagen, dass nur Frauen 10 Sachen zugleich machen können.

    • unglaublich

      Nein, der Herr Bergmeister ist doch nicht die alleinige Ausnahme. Alle bestens bezahlten VOLKSvertreter (Landes- und Parlamentsabgeordnete) sind so gut, dass sie nebenei allerlei anderen bezahlten Tätigkeiten nachgehen dürfen.

    • martasophia

      Es gibt eine Historie weshalb man Ämterhäufung untersagt hat. Es macht schon Sinn, dass man sich entscheiden muss, dass hat auch nicht nur damit zu tun, ob man es zeitlich schafft.

    • martasophia

      Außerdem wusste das Herr Videsott von Anfang an, was auf ihn zukommt!!! Selbst gemacht das Problem Herr Bürgermeister!

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