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    Peeping Tom

    Es gibt Meilensteine der Filmgeschichte, die auf die große Leinwand gehören aber traurigerweise nie im Kino zu sehen sind. „Peeping Tom“ zählt dazu.

    von Renate Mumelter

    Ich erlaube mir eine Auszeit vom aktuellen Kinobetrieb und erinnere heute an einen Klassiker, der nach 57 Jahren immer noch einen Kinoabend wert wäre, Michael Powells „Peeping Tom“  („Augen der Angst“) gehört nämlich auf die Leinwand. Zur Not tut es auch die DVD mit Megascreen. Michael Powell erzählt nämlich nicht nur eine überzeugende Geschichte, er brilliert auch mit außergewöhnlichen Farben, intereressanten Kameraeinstellungen und überlegter Ausstattung.

    Im Mittelpunkt steht das Schauen, ein erkranktes Schauen. Das hatte der Katholische Filmdienst 1960 richtig erkannt. Dass er den ganzen Film aber als „krankhaft, abwegig, peinlich“ bezeichnete, war nicht gerechtfertigt.  Regisseur Michael Powell erzählt nämlich die berührende Geschichte von Mark, der vom Vater als Versuchsobjekt zum Thema Angst benutzt worden war. Als Erwachsener  sieht sich Mark gezwungen, die Traumata aus der Vergangenheit mit tödlichem Voyeurismus zu bannen. Erst als er Liebe begegnet, scheint sich das Blatt zu wenden.

    Powell zeigt das Grausame distanziert und einfühlsam, lässt Bilder sprechen und liefert die erklärenden Aha-Effekte Schritt für Schritt. Heute ist „Peeping Tom“ sehenswerter Teil der Filmgeschichte, damals zerstörte der Film die Karrieren von Powell und von Hauptdarsteller Karl-Heinz Böhm. Seine internationale Karriere war futsch. Das Publikum wollte ihn nicht von Kaiserin Sissis Seite ziehen lassen.

    Kurios, dass ebenfalls 1960 der legendäre „Psycho“ von Alfred Hitchcock mit einer ähnlich gelagerten Geschichte auf gleich vier Oscar-Nominierungen kam. „Peeping Tom“ muss sich davor nicht verstecken.

    Peeping Tom (Augen der Angst), (GB 1960), 101 Min., Regie: Michael Powell, mit Karl Heinz Böhm und Anna Massey. Bewertung: ein Muss, zur Not auf DVD, gerne aber im Kino

    Kino im Freien: „Hans v. Hoffensthal. Ein Leben in der Sommerfrische“ Hotel Holzner Oberbozen (MI), Kaltern:  „Lion“ (FR), „Ihre beste Stunde“ (SA), „LaLaLand“ (SO),

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