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    „Das sind Beruhigungspillen“

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    Pestizide ohne Auswirkungen auf Gesundheit und Krebsrisiko? „Die Gesundheitsstudie der Landesregierung ist mehr Placebo als themengerechtes Forschungsergebnis“, sagen die Grünen.

    „Die am Dienstag mit der Präsenz der Landesräte Arnold Schuler und Martha Stocker vorgestellte Studie zur Auswirkung von Pflanzenschutzmitteln auf die menschliche Gesundheit beeindruckt mehr durch verfehlte Themenwahl und Verspätung als durch zielgerechte Seriosität.“

    So der Kommentar der Grünen Landtagsabgeordneten Hans Heiss, Brigitte Foppa und Riccardo Dello Sbarba.

    Die Studie, vor exakt vier Jahren im Juli 2013 in Auftrag gegeben, vergleicht 31 Gemeinden mit „hoher landwirtschaftlicher Nutzung“ mit 54 Gemeinden mit „niederer landwirtschaftlicher Nutzung“.

    Schon diese Unterscheidung sei problematisch genug: „Intensive landwirtschaftliche Nutzung wird nur klassischen Obstbaugemeinden zugeschrieben, während Gemeinden mit intensiver Rinderhaltung und entsprechenden Kollateraleffekten von Gülle und Nitraten wie Sterzing, Sand in Taufers, Pfitsch und andere in die niedrige Klasse eingereiht werden. Geringe Intensität? Von wegen!“, so die Grünen.

    Die grünen Abgeordneten Hans Heiss, Brigitte Foppa und Riccardo Dello Sbarba

    Sie schreiben in einer Aussendung:

    „Entsprechend grobschlächtig sind auch die Resultate: Alle Krebserkrankungen vom Gehirn bis zum Knochenmark wirft die Untersuchung in einer Rubrik Tumorerkrankungen zusammen. Dagegen weist die vorliegende Präsentation jene Krankheitsbilder nicht aus, deren Häufung auf die Wirkung von Pestiziden hindeutet: z. B. Magen, Niere, Knochenmark. Die mit dem Vorschlaghammer gebildete Kategorie Tumorerkrankungen ist viel zu grobmaschig, um die durch Pestizide verursachten speziellen Tumorarten aufzuweisen.

    Damit werden die Unterschiede zwischen den Gebieten hoffnungslos eingeebnet. Auch wegen des knapp bemessenen Untersuchungszeitraums 2003-2010 können Langzeitfolgen nicht bewertet werden, wie auch Krebsforscherin Gentilini sofort bemängelt hat.“

    Dass solcherart „Keine relevanten Unterschiede“ zwischen den Gebieten auftreten, sei leicht absehbar. „Zudem sind die Überlagerungen mit den Auswirkungen von Luftemissionen, die in Gebieten mit geringer landwirtschaftlicher Nutzung wie Brenner, Bruneck, Freienfeld, Toblach, St. Ulrich, Welsberg, Sterzing auftreten können, gleichfalls unberücksichtigt“, betonen die Grünen.

    In der vorgestellten Form sorge die Studie nur für oberflächliche Entwarnung und setze sich auch mit den zahlreich vorhandenen Forschungen über den Zusammenhang von Pestiziden und Krankheit „offenbar kaum, wenn nicht gar nicht auseinander.“

    Heiss und Co. sagen: „Sie ist mehr Beschwichtigung als wirkliche Aufklärung, die Placebowirkung wird durch den Hinweis auf die niedrigen Alzheimer-, Demenz- und Parkinsonquoten in Gebieten mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung noch weiter verstärkt. Die vorgestellten Ergebnisse sind eher Beruhigungspillen als analytisch überzeugende Resultate, für deren Bewertung wir Einblick in die gesamte Studie verlangen.“

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    Kommentare (7)

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    • yannis

      Man kann es mit den Grünen haben oder nicht, aber bei diesen Thema haben sie auf jeden Fall recht ! ausserdem, wenn sie anstatt der Links-sozialen Politik sich wieder mehr den Umweltthemen zuwenden, werden sie auch wieder bessere Wahlergebnisse erzielen.

    • drago

      Ich weiß nicht, ob die gegenwärtig im Obstanbau verwendeten Pestizide gesundheitsschädlich sind; ich weiß aber, dass eine schlecht ausgeführte und angreifbare Studie für die Pestizidbefürworter einen Bärendienst darstellt. Die Pesitizidbefürworter (was für ein scheußliches und negativ behaftetes Word!) sollten eine solche Studie selbst in den Papierkorb werfen und nicht solche hausgemachte Studien in Auftrag geben.

    • ahaa

      Zeit den Landtag zu spritzen?Das faule Kraut zieht immer Ungeziefer an!

    • petersageraeugstamalbis

      Pestizide in Kombination mit Mehrfachimpfungen sind sehr schlecht.

    • diegon.

      Jeder Mensch mit auch nur einer Prise Hausverstand, versteht auch ohne teuere Studie, dass das Spritzen von GIFT der Gesundheit nicht zuträglich sein kann.

    • realist

      Studie hin od. her,
      Auch Umweltorganisationen (Grüne usw.) legen nicht immer seriöse Studien für Ihre Argumente zu Grunde.
      Wobei es immer relativ ist, welche Studie aussagekräftig bzw. seriös genug ist, um etwas zu beweisen.
      Tatsache ist aber, dass Natur gesünder ist als Chemie.
      Tatsache ist auch, dass in Südtirol aufgrund des Klimas u. anderer Entwicklungen noch viel mehr möglich wäre (Siehe Bioproduktion u. deren Potenzial) u. somit man in diese Richtung noch viel mehr tun könnte.
      Alles was in diese Richtung geht, hat mehrfache positive Auswirkungen.
      Image-pflege :Tourismus / Konflikte zwischen Landwirtschaft u. anderen Bürgern / Naturschutz unmittelbar vor unserer Haustür., usw.
      Das größte Potential liegt aber darin, dass alles was der Mensch mit natürlichen Maßnahmen zu lösen vermag, nachhaltiger, auf längere Zeit gesehen auch leistungsfähiger u. vor allem gesünder für ihm als Anwender ist u. damit auch lernt, zufriedener sein Produkt als hochwertiges „Lebensmittel“ zu schätzen.
      Eine der Voraussetzungen, dass der Verbraucher ein Produkt schätzt u. somit auch honoriert ist, wenn das auch der Bauer tut.

      Um das überleben der Klein u. Kleinst-Betriebe zu gewährleisten, muss es gelingen ein besonderes Produkt, mit einer besonderen Wertschöpfung zu produzieren.

      Und somit nicht mit der großen Masse der konventionellen Großgrundlandwirtschaft mithalten zu müssen, was auf Dauer mit unserem großen Arbeitsaufwand scheitern muss.

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