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    Lästiges Niesen

    Die Klimaerwärmung macht den Pollen-Allergikern zu schaffen: Das große Niesen belastet tausende Südtiroler und die Leidenszeit wird immer länger. Warum die Pollen auch immer aggressiver werden. 

    von Lisi Lang

    Birke, Buche, Gräser und Co. Mit der ersten Blüte fangen viele Südtiroler Nasen an zu jucken und zu triefen und so manch einem schießen die Tränen in die Augen. Schuld an diesem unschönen Schlamassel sind die Pollen. Und so mancher Allergiker kann bestätigen, dass sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten viel getan hat.

    Einerseits haben sich Medizin und Methoden weiterentwickelt, um die Allergie-Beschwerden zu lindern. Andererseits haben sich aber auch die Pollen verändert.

    Drei Aspekte haben sich in Europa in den letzten Jahren im Wesentlichen verändert – wegen der Klimaerwärmung: Die Pollen-Zeit hat sich verlängert und erstreckt sich oft über mehrere Monate, die Klimaerwärmung hat die Vegetationszonen verschoben und damit neue Pflanzen eingebürgert und zudem hat die Luftqualität massiven Einfluss auf die Aggressivität der Pollen. Alles in allem ist es für Pollen-Allergiker nicht leichter geworden.

    „Es kommt mittlerweile aufgrund der Klimaerwärmung und der milden Winter vor, dass die ersten Birken im Jänner blühen, wenn es wärmer wird. Birkenpollen-Allergiker haben daher oftmals schon im Jänner anstatt erst Ende Februar oder im März mit Beschwerden zu kämpfen“, bestätigt Klaus Eisendle, Primar der Dermatologie und Verantwortlicher für das Allergieambulatorium Bozen. Dies merke man auch bei anderen Pflanzen, die entweder früher oder länger blühen. Wer Pech hat und gegen mehrere Pflanzen und vor allem gegen Frühblüher und gegen Unkräuter allergisch ist, muss fast ganzjährig bzw. in warmen Jahren noch weit in den Spätsommer hinein mit einer triefenden Nase und juckenden Augen rechnen.

    Ein weiteres Problem, welches die Klimaerwärmung mit sich bringt, ist die Neuansiedlung von Pflanzen in unseren Breiten bzw. die Veränderung der Vegetationszonen. In Deutschland hat sich mittlerweile beispielsweise die bei Allergikern verhasste Ambrosia-Pflanze eingebürgert, welche die Allergiezeit um einiges verlängert. In Südtirol ist die Verbreitung von Oliven beispielsweise für Allergiker problematisch. „Früher hatten Allergiker, die auf Oliven reagiert haben, am Gardasee Probleme, heute ist die Olive auch bei uns in Südtirol sehr verbreitet und führt zu Allergie-Beschwerden“, erklärt Klaus Eisendle.

    Auch die Aggressivität der Pollen hat sich in den letzten Jahren in ganz Europa verändert. Diese Aggressivität der Pollen hängt in erster Linie mit der Luftqualität zusammen, erklärt der Primar: „Wenn Regionen mit Luftverschmutzung oder Feinstaub zu kämpfen haben, dann verändert sich auch das Protein, das Pollen enthalten und welches die Allergie-Symptome auslöst.“ Schlechte Luft führt bei Bäumen und Pflanzen zu Stresssituationen, dadurch geben sie mehr Protein, eine Abwehrreaktion, an die Oberfläche ab und dieses Protein wiederum führt bei einigen Menschen zu Allergien. Zudem komme es in diesen Regionen oft vor, so Eisendle, dass die Atemwege durch den Feinstaub oder die schlechte Luft eh schon belastet sind und dadurch leichter anfällig sind. „Hier in Südtirol haben wir mit diesem Problem allerdings relativ wenig zu tun, da die Luftqualität gut ist“, entwarnt Primar Eisendle.

    Dennoch: Die Zahl der Allergiker ist in den letzten Jahren in Europa angestiegen und auch in Südtirol sieht man diesen Anstieg. Dauerndes Waschen und die zu genaue Beachtung von Hygiene sind oft kontraproduktiv, zeigen Studien. „Kinder die Daumen lutschen oder Nägel kauen, bekommen weniger Allergien als andere Kinder. Auch zeigen Forschungen, dass Kinder, deren Schnuller nach jedem Kontakt mit Fremdkörpern penibel gewaschen wird, anfälliger sind als andere“, erläutert der Primar. Mindestens 15 Prozent der Südtiroler leiden an Heuschnupfen, aber die meisten, so Eisendle, hätten glücklicherweise mit leichten Beschwerden zu kämpfen, die mittels Medizin auch gut kontrolliert werden können.

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