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    „Keine Böswilligkeit“

    Der Vatikan nimmt keine Rücksicht auf Menschen mit Gluten-Unverträglichkeit. Das Verbot von glutenfreien Hostien wurde bekräftigt. Was Generalvikar Eugen Runggaldier dazu sagt.

    TAGESZEITUNG Online: Herr Runggaldier, der Vatikan hat in seinem Rundschreiben festgehalten, dass für die Hostien und für den Wein nur geeignete Produkte verwendet werden dürfen. Was sind das für Produkte?

    Eugen Runggaldier: Das erste was ich dazu sagen muss ist, dass das Rundschreiben keine neue Regelungen enthält. Der Vatikan hat lediglich an die alten bestehenden Regeln erinnert. Beim Wein ist es so, dass es ein Wein aus Weintrauben sein muss, der keine Zusatzstoffe enthält. Bei einem normalen Wein werden ja Konservierungsmittel verwendet. Das ist nicht erlaubt. In Südtirol spielt auch die Regionalität eine Rolle. Der größte Anteil des Messweins für Südtirol kommt aus Südtirol. Die Kellerei Muri Gries zum Beispiel produziert Messwein. Dafür wird ein Teil des Weines ohne Konservierungsmittel produziert und als Messwein abgefüllt. Es muss garantiert werden, dass es sich um Messwein handelt. Außerdem haben seit kurzem zwei Bauern in einer Pfarrei angeboten, Messwein zu produzieren. Nach Rücksprache stellen diese nun in ihrer Pfarrei den Messwein zur Verfügung. Die Hostien hingegen müssen aus reinem Weizenmehl sein.

    Das Rundschreiben bekräftigt das Verbot von glutenfreien Hostien. Kann man aus kirchlicher Sicht keine Rücksicht auf Menschen, die an Zöliakie leiden, nehmen?

    Ich glaube, dieser Aspekt ist nicht der Schwerpunkt des Rundschreibens. Das Thema Zöliakie wird aber nicht böswillig außer Acht gelassen. Es gibt Hostien, die weniger Gluten enthalten. Vor ein paar Jahren hat es geheißen, man dürfe die glutenarmen Hostien verwenden. Dann wurde das wieder verneint. Das ist ein Bereich, der noch sehr schwammig ist. Wenn eine Person überhaupt keine Gluten verträgt, besteht die Möglichkeit der Kelchkommunion. Diese Person bekommt dann statt einer Hostie eben Wein. Aber nicht alle Menschen mit diesen Problemen müssen gänzlich auf Gluten verzichten.

    Besteht die Angst durch diese Regelung Gläubige zu verlieren?

    Nein, das glaube ich nicht. Wir haben das bei der Synode auch besprochen. Wir möchten bei diesen Angelegenheiten sehr sensibel agieren, weil es immer mehr Menschen gibt, die an eine Form von Unverträglichkeiten leiden. Wir sind bemüht, den Leuten so weit wie möglich entgegen zu kommen und in jeder Pfarrei glutenarme Hostien anzubieten. Jeder Gläubige soll die Möglichkeit haben, die Kommunion zu empfangen.

    Können sich Menschen, die eine Gluten-Unverträglichkeit haben, einfach beim Pfarrer melden?

    Ganz genau. Das hat sich in der Vergangenheit gut eingespielt. Die Leute gehen zum Pfarrer und er weiß dann, dass er glutenfreie Hostien beiseite legen muss. Oft weiß er schon, wann die betroffenen Personen zur Messe kommen, sodass er sich vorbereiten kann.

    Interview: Silvia Ramoser

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