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    Wenn es blitzt und donnert …

    In Südtirol hat es in den vergangenen Wochen zahlreiche schwere Gewitter gegeben. Müssen wir uns – auch aufgrund des Klimawandels – auf immer heftigere Unwetter einstellen? Fragen an den Meteorologen Philipp Tartarotti.

    TAGESZEITUNG Online: Herr Tartarotti, dieses Jahr war bisher eines der gewitterreichsten des letzten Jahrzehnts. Geht der Trend in die Richtung, dass es zu immer mehr Gewittern kommt?

    Philipp Tartarotti (Landeswetterdienst): Nein, im Vergleich zu den letzten Jahren gab es heuer zwar außerordentlich viele Gewitter. Aber es handelt sich um ein Ausnahme-Jahr. Man kann nicht von einem Trend sprechen, denn in den letzten Jahrzehnten ist die Anzahl von Gewittern im Durchschnitt konstant geblieben.

    Wie entstehen Gewitter überhaupt?

    Gewitter werden von energiegeladener Luft verursacht. Diese Energie wird durch hohe Temperaturen gebildet. Eine andere Voraussetzung dafür ist, dass die Luft hoch liegt und labil geschichtet ist. Deshalb führen hohe Temperaturen zu starken Unwettern. Es gibt verschiedene Mechanismen, die zu einer Entstehung eines Gewitters führen können.

    Welche Mechanismen wären das?

    Man unterscheidet zwischen zwei Mechanismen, durch die Gewitter entstehen können. Einerseits gibt es klassische Wärmegewitter. Bei denen erhitzt die Sonne die tiefliegende Luft, welche dann über die Berge aufsteigt und die darüber liegenden kälteren Luftschichten erhitzt. Dies bewirkt einen Austausch von Luftschichten, durch den Gewitter entstehen können. Der zweite Mechanismus, der zu einem Gewitter führen kann, ist eine sogenannte Störung. Zu einer solchen Störung kommt es, wenn eine Kaltfront durchzieht. Auch dabei gibt es in der Höhe kältere Temperaturen als in Bodennähe. Die warmen Luftschichten steigen plötzlich auf und es kommt wiederum zum Austausch von Luftschichten. Der Unterschied ist folgender: Bei lokalen Wärmegewittern entstehen über einen längeren Zeitraum, örtliche Gewitter. Diese bewegen sich kaum. Hingegen bei einer Störung, sind die Gewitter weiter verbreitet, ziehen in der Regel aber recht schnell durch.

    Wie stehen Gewitter im Zusammenhang mit dem Klimawandel?

    Es ist schwierig darüber eine genaue Auskunft zu geben. Es gibt tatsächlich die Theorie, dass es mit der Klimaerwärmung zu mehr Gewittern kommt, weil aufgrund von höheren Temperaturen, mehr Energie in der Luft vorhanden ist. Allerdings kann diese Theorie aus unseren Daten momentan nicht bestätigen werden und ist nicht belegbar.

    Vielerorts kam es in diesem Jahr zu besonders starken Niederschlägen. Hat das besondere Gründe?

    Wenn die Luft aus Südwesten kommt, so wie es in den letzten Tagen der Fall war, bringt sie viel Feuchtigkeit mit sich. Bei den Unwettern kommt es dann zur Entladung dieser Feuchtigkeit, was sich dann in Form von Regenfällen äußert. Im heurigen Sommer ist generell sehr viel Wasserdampf in der Luft, deshalb ist die Luft schwül und es kommt zu mehr Regenfällen.

    Hängt die Lautstärke der Donnerschläge ausschließlich von der Nähe zum Einschlagort ab?

    Natürlich hängt die Lautstärke des Donners in erster Linie von der Entfernung ab. Der Schall breitet sich dann durch die Luft gedämpft mit Schallgeschwindigkeit aus. Aber es hängt auch von der Stromstärke des Blitzes ab. Denn desto höher die Stromstärke der Blitze ist, desto schneller heizt sich die Luft auf und desto stärker ist auch die Expansion der Luft. Der Donner ist dann klarerweise lauter. Ein dritter Einflussfaktor ist auch der Ort, an dem man sich befindet. In einem Talkessel etwa, kann sich der Schall nicht so gut ausbreiten und hallt von den Berghängen wider. Dieser Einflussfaktor ist insgesamt aber weniger bedeutend als anderen Einflüsse.

    Interview: Florian Niedermair

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