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    „Der Illusionist“

    Die Mittelmeerroute schließen? Außenminister Sebastian Kurz weckt Illusionen auch in Südtirol, kritisieren die Grünen.

    Österreichs Außenminister Sebastian Kurz, bei den künftigen NR-Wahlen aussichtsreich platzierter ÖVP-Spitzenmann, habe mit Charme, Härte und einfachen Rezepten am Donnerstag auch in Südtirol geworben: „Zwar hat er die weitere Öffnung des Brenners vorerst zugesichert und damit in Bozen und Rom gepunktet, aber weitere Maßnahmen nicht ausgeschlossen“, so die Analyse der Grünen im Südtiroler Landtag.

    Dann habe Kurz neben dem flüchtigen Lob für die Autonomie und Entwicklung Südtirols auch sein Generalrezept zum Umgang mit Flüchtlingen werbewirksam wiederholt:

    „Retten – versorgen – retournieren“, dabei insgesamt die Mittelmeerroute schließen – laute die Therapie für die Elendsflüchtlinge des afrikanischen Kontinents.

    Die Südtiroler Grünen schreiben dazu:

    „So gut dieses Rezept in Österreich und in Südtirol ankommt, so gleicht es doch dem Versuch, ein Spaghetti-Sieb als Wasserbehälter zu nutzen.

    Denn anders als bei der Westbalkanroute gibt es im Norden Afrikas keine handlungsfähigen Staaten, sondern zerfallene Stammesgebiete wie in Libyen ohne staatliche Autorität, dafür aber mit einer Küste von knapp 1800 km Länge, von wo aus Schlepper problemlos ihr übles Geschäft betreiben. Die Regierungen in Ägypten und Algerien dagegen werden sich hüten, Aufnahmelager einzurichten, da sie diese als soziale und politische Zeitbomben betrachten.

    Sebastian Kurz mit Arno Kompatscher

    Nicht die Hoffnung auf Wohlstand und ein ,Ticket nach Mitteleuropa‘ (S. Kurz), sondern Verzweiflung, Verfolgung, Armut und Kriege in rund 12 afrikanischen Staaten treiben Millionen Migranten durch die Sahara in die Hölle von Libyen, wo sie in Lagern eingepfercht auf eine Chance hoffen.

    Die Überbevölkerung des afrikanischen Kontinents und die Wucht der Migrationsbewegung lassen sich nicht einfach stoppen, sondern nur mit einem abgestimmten Paket von Maßnahmen eindämmen, auf die wir Grüne mit humanitären Organisationen gebetsmühlenartig verweisen:

    1. International: Fluchtursachen bekämpfen und Flüchtlingshilfe erhöhen, damit Flüchtende in der Nähe ihrer vertrauten Sprach- und Kulturräume bleiben können. Entwicklungszusammenarbeit gezielt und projektorientiert ausbauen, Handelsbarrieren abbauen und Absatzmärkte stärken.

    2. Europäisch: Ein faires Verteilsystem für Asylsuchende in der EU endlich umsetzen; Menschen auf der Flucht in gut ausgebauten Erstaufnahmezentren in EU-Grenzländern aufnehmen, betreuen und dann direkt auf EU-Staaten verteilen. Keine Zentren in Nordafrika, da niemand eine humanitäre Führung garantieren kann.

    3. National: Menschen auf der Flucht sind in menschenwürdigen, überschaubaren Unterkünften unterzubringen, wie dies auch in Südtirols kleineren Gemeinden vor Ort bereits erfolgreich praktiziert wird. Spracherwerb, Aus- und Weiterbildung, Berufseinstieg ist nach Kräften zu unterstützen.

    Bis ein ,Marshallplan für Afrika‘ (LH Kompatscher) greift, wird noch viel Zeit vergehen, da es aktuell weder einen Staatsmann vom Format G. C. Marshalls gibt, noch Afrika mit dem Westeuropa der Nachkriegszeit vergleichbar ist. Bis dahin lassen sich Migrations- und Flucht-Bewegungen eindämmen und humanitär gestalten, die Schließung des Mittelmeers aber bleibt eine kurzlebige Illusion.“

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (7)

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    • andreas

      Es soll/muss eine klare Aussage von Europa kommen, dass nur derjenige Asyl bekommt, welcher ein Recht darauf hat, also so gut wie keiner aus Afrika.

      Je besser Flüchtlinge betreut werden, um so mehr machen sich auf den Weg, eine Tatsache, welche man nicht bestreiten kann.

      Der Ansatz der Grünen ist deshalb kontraproduktiv.
      Schon deren Annahme, dass wir moralisch dazu verpflichtet sind, allen zu helfen, widerspricht dem gesunden Menschenverstand, da dies nicht machbar ist.

      • george

        Nur immer schimpfen und eins draufgeben, das kann er der ‚andreas‘, wen ihm jemand nicht sympathisch erscheint. Die Grünen haben eine klares Konzept zur Flüchtlingsproblematik, das auch praxisbezogen und lösungsorientiert erscheint, es passt aber einigen hier nicht, die nur !Ego! sehen. Ich würde es ihnen wünschen einmal nur ein paar Monate in diesen afrikanischen Ländern unter den schlechten Bedingungen und der Armut leben zu müssen bei ständiger Gefahr der Folterung und des Todes. Wer weiß, wie sie dann denken würden. Schuld haben vor allem die westlichen Staaten, die nach der Koloniaylisierung und Ausbeutung diese Länder sich den übrig gebliebenen Ausbeutern allein überlassen hatten und weiter sich der Ressourcen dieser Länder bedienen, ohne auch entsprechend für deren Entwicklung zu sorgen und beizusteuern.

        • einereiner

          Lieber grüner Georg,
          die Mittelmeerroute schliessen ist ganz ganz einfach: alle rausfischen und wieder nach Zentralafrika zurückbringen. Mittels Wathsapp verbreitet sich diese neue Situation blitzschnell und die Afrikaner versuchen wegen Aussichtslosigkeit die Überfahrt nicht mehr.
          Ganz ganz einfach, mann muss es nur wollen.
          Aber Grüfris wollen das ja nicht! Schuld an dem Sterben im Mittelmeer ist die Merkel, da sie die Hoffung auf schnelles Geld in Europa schürt.

        • franz

          george
          typisch Grüner ! 🙂
          ,die armen Kinder in Afrika.
          OK. die Kinder tun mir auch leid, die zurückgelassen und ihren Schicksal überlassen werden, während die kräftigen testosterongesteuerte jungen Männer im besten Alter diese Kinder und ihre Familien zurücklassen um sich auf den Weg nach Europa zu machen , im Glauben in Europa können sie mit nichts tun ein schönes Leben führen, anstatt in ihrer Heimat die Ärmel hochzukrempeln und sich nützlich zu machen und ihre Familie zu helfen. ( Vaterlandsverräter ) !
          Die Bilder von Unterkünften in 4 Sternehotels bei voller Verpflegung werden diesen Wirtschaftsflüchtlingen von den links-grünen Gutmenschen vermittelt.
          Unterkünften mit die Mafia angefangen von der Schlepper -Mafia bis über ONG Caritas Volontaris und Privat -Hotel-Wohnungsvermieter ein großes Business betreibt.
          Afrika ist ein großes Land , allein Nigeria ist 3mal so groß wie Italien und reich an Erdöl und anderen Bodenschätzen abgesehen von der Landwirtschaft.
          Elfenbeinküste ist ein wunderschönes Land mit Tourismus und ebenfalls viel Bodenschätzen. wo kein Krieg stattfindet wie auch in Nigeria. Ghana Tunesien Marokko usw.usw.

    • franz

      Bin mit den Kommentar von andreas voll einverstanden.
      Was die grünen Scheinpopulisten und Illusionisten sagen ist totaler Schwachsinn, eben typisch Grüne. !

    • ronvale

      Auch die Franzosen und die Spanier, welche ihre Haefen nicht fuer diese Masseneinwanderung oeffnen, sind also Illusionisten? Auch die Australier und die Kanadier, welche jeden ins Gefaegnis stecken der illegal einreist?

      • franz

        Die Franzosen die Spanier, die Österreicher sowie beinahe sämtliche EU Staaten vor allem die Visegrad-Staaten sind Realisten im Gegensatz zur links-grünen Illusionisten der Regierung des PD. unterstützt von SVP.
        Angesichts des Kurz-Besuchs von Österreichs Außenminister Kurz bei LH Kompatscher meint Kopmpatscher , “Es ist verständlich , dass ein Staat seine Grenzen schützt“ ! aha,
        Das sollte LH Kompatscher auch einmal seinen Freunden in Rom erklären.

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