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    In vino veritas

    Eine Studie der Uni Bozen zeigt, dass der Einsatz von Glyphosat zur Unkrautbekämpfung negative Auswirkungen auf den Wein hat. Doch die Studie ist nicht unumstritten. 

    von Florian Niedermair

    Glyphosat soll schädliche Auswirkungen auf den Menschen haben. Dieser Vorwurf geht schon seit langem durch die Medien. Doch dass dies scheinbar auch für den Wein gilt, das ist neu. Eine erst kürzlich veröffentlichte Studie der Uni Bozen zeigt nämlich, dass Glyphosat negative Auswirkungen auf den Most hat.

    Auf dem Traminer Freisingerhof fanden die Forscher der Uni bei Analysen der Gär-Temperatur heraus, dass es sehr wohl Zusammenhänge zwischen der Qualität des Mosts und Glyphosat gibt. Die Temperaturen bei der Vergärung beeinflussen maßgeblich das Wachstum der Hefen und die Studie zeigt, dass in glyphosat-belastetem Most niedrigere Temperaturen freigesetzt werden. „Dass dieser Temperaturunterschied aber wirklich auf den Glyphosat-Einsatz zurückzufuhren ist, erscheint mir fraglich“, sagt Barbara Raifer vom Versuchszentrum Laimburg. Sie hat sich mit der Studie auseinandergesetzt und meint „das Ergebnis der Studie ist noch mit Vorsicht zu genießen“. Denn der Zusammenhang zwischen dem Glyphosateinsatz und der geringeren Anreicherung von Aminosäuren müsse nicht zwangsläufig gegeben sein. Die Ergebnisse könnten auch mit den verschiedenen Methoden der Bodenbewirtschaftung zusammenhängen, die eine andere Stickstoffdynamik verursachen.

    Die Glyphosat-Studie hatte nämlich festgestellt, dass im Traubenmost weniger Aminosäuren vorhanden waren und dieser Umstand auf das Herbizid Glyphosat zurückzuführen ist. Aminosäuren bringen den Gärprozess in Schwung, sodass bei ihrem Fehlen die Vergärung langsamer eintrifft. „Die Unterschiede in der Datenauswertung sind ziemlich gering“, merkte Barbara Raifer an.

    Beim Experiment an sich verwendete man vier verschiedene Rebzeilen, die unterschiedlich behandelt wurden. Neben einer ausschließlich mit Glyphosat behandelten Zeile, wurde in einer zweiten Zeile Glyphosat in Kombination mit Harnstoff eingesetzt. Von den anderen beiden Zeilen wurde eine nur mit Harnstoff versorgt und die vierte Zeile zu Vergleichszwecken überhaupt nicht behandelt. So gelangten die Forscher der Fakultät für Naturwissenschaft und Technik zum Schluss, dass Harnstoff die von Glyphosat bewirkten Nachteile wieder ausgleichen könnte.

    Laut Barbara Raifer war dieser Effekt erwartbar, da Harnstoff ein Stickstoff-Produkt ist und Stickstoff die Grundlage für die Bildung von Aminosäuren darstellt.

    Konkret wurden in der Studie Trauben der Sorte Gewürztraminer überprüft. Aber sollte sich das Ergebnis bei den weiteren Untersuchungen bestätigen hält es Barbara Raifer für wahrscheinlich, dass es auch auf andere Weinsorten zutrifft.

    Im Weinbau wird Glyphosat eingesetzt, um Unkraut unter den Weinreben abzutöten. Dies führt dazu, dass die Stickstoffzufuhr besser gegeben ist und mehr Wasser zu den Reben gelangt. Vor allem in Steilhängen ist eine maschinelle Unkrautbekämpfung schwer durchführbar. „Im Weinbau sind aber auf dem besten Weg von der chemischen Unkrautbekämpfung wegzukommen, auch wenn es noch nicht zu hundert Prozent geschafft wurde“, erklärt Thomas Dorfmann, Kellermeister der Eisacktaler Kellerei.

    Laut Barbara Raifer vom Versuchszentrum Laimburg ist es dennoch nicht auszuschließen, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Pflanzengift und der Gärung der Weintrauben gibt.

    In der Weinbranche könnte die Studie für weiteren Diskussionsstoff über das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat sorgen. Barbara Raifer rät allerdings keine voreiligen Schlüsse aus der Studie zu ziehen, da die Datenlage noch zu dünn sei. In vino veritas, lautet ein allbekanntes Sprichwort – welche Wahrheit die Zukunft zutage fördert, wird sich noch zeigen.

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