Du befindest dich hier: Home » Wirtschaft » Dorf ohne Empfang

    Dorf ohne Empfang

    Seit Jahren gibt es im Gemeindegebiet von Kurtatsch kaum Empfang fürs Handy. Schon 2012 wollte die Gemeinde einen Umsetzer anbringen – der Versuch scheiterte. Jetzt startet man einen neuen Anlauf.

    von Markus Rufin

    Wer schon mal dort war, weiß es auch: Der Handyempfang in bestimmten Kurtatscher Gebieten ist miserabel. „Die Personen, die telefonieren wollen, müssen aus dem Haus gehen, um Empfang zu haben. Das liegt daran, dass die Umsetzer auf der anderen Talseite, in Neumarkt liegen“, weiß Hansjörg Kofler. Er arbeitet für ein Telefonunternehmen und kennt sich mit Handy, Empfang und Internet bestens aus. Wegen der schlechten Verhältnisse will die Gemeinde nun etwas unternehmen.

    Bereits 2012 wurde beschlossen, dass im Dorfzentrum von Kurtatsch ein Umsetzer angebracht werden soll. Einer Bürgerinitiative gelang es damals aber, 600 Unterschriften zu sammeln und das Vorhaben zu verhindern.

    Jetzt startet die Gemeinde einen weiteren Versuch, das Empfangsproblem zu lösen und scheint auf einem guten Weg zu sein. Gemeinsam mit der Rundfunkanstalt RAS suchten die Verantwortlichen nach geeigneten Standpunkten für den neuen Umsetzer. „Es gab einige Untersuchungen, wo der Sendemasten hinpassen würde, aber das sind nur Hypothesen. Es ist noch nichts beschlossen“, beteuert Bürgermeister Martin Fischer.

    Hansjörg Kofler (Foto: TZ Online)

    Vor zwei Monaten wurde der Gemeinderat informiert, dass drei Orte ober Kurtatsch – genauer gesagt in Graun und Penon – für einen Umsetzer infrage kämen. Es schien die optimale Lösung zu sein. „Im Gegensatz zu 2012, als der Masten im Dorfzentrum angebracht werden sollte, scheinen die Orte ideal. Auch weil drei Betreiber beteiligt wären und der Umsetzer mit 4G ausgestattet wäre“, erklärt Experte Kofler. Das Projekt wurde aber vorübergehend auf Eis gelegt.

    Im Juni gab es aber eine Bürgerversammlung in Graun, bei der die RAS die Bevölkerung darüber informierte, einen idealen Platz gefunden zu haben und die Kurtatscher scheinen nun aufgeschlossen zu sein. Kritische Stimmen gibt es aber immer noch, wie die von Heidi Peer, Mitglied im Gemeinderat von Kurtatsch. Sie war Teil der Bürgerinitiative, die die Unterschriftenaktion startete. Peer bleibt weiterhin skeptisch, wenn es um den Umsetzer geht. allerdings weiß sie, dass die meisten Bewohner für einen Sendemasten sind. „Es gab bei der Bürgerversammlung zwar durchwegs positive Rückmeldungen, ich weiß aber nicht, ob die Mehrheit der Grauner für diesen Masten stimmen würde“, zweifelt die Gemeinderätin.

    Bürgermeister Fischer scheint von diesen kritischen Stimmen nichts zu wissen: „Widersprüche gab es bisher nicht, aber ich bin überzeugt, dass es diese geben wird. Letztendlich wird es ein demokratischer Entscheid werden, aber der Wunsch nach besseren Empfang ist sehr groß.“

    Bürgermeister Fischer ist überzeugt, dass der Umsetzer kommen wird: „Wenn wir uns nicht entscheiden, wird es der Betreiber selbst tun und einen Platz aussuchen. Das wäre suboptimal, da nur ein Teil der Gebiete mit gutem Empfang ausgestattet wäre.“ Auch 2012 hätte die Unterschriftenaktion nichts gebracht. „Die Firma hatte kein Interesse mehr“, so Fischer.

    Gemeinderätin Peer ist dagegen überzeugt, dass die Bürgerinitiative etwas bewegt hat: „Ein solches Handeln wäre nochmal möglich.“

    Bis der Umsetzer kommen würde, bräuchte es aber noch Zeit, sagt Bürgermeister Fischer. „Erst wenn wir uns mit dem Standort sicher sind, werden wir darüber abstimmen. Soweit sind wir aber noch nicht.“

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
    Clip to Evernote

    Kommentare (3)

    Lesen Sie die Nutzerbedingungen

    • markusgufler

      Immer vorausgeschickt, dass ein Umsetzer-Standort gefunden wird, der sich nicht direkt auf oder neben bewohnten Gebäuden befindet:

      Damit die Telefone, den Umsetzer auf der anderen Talseite erreichen, muss nicht nur deren Besitzer aus dem Haus gehen, sondern das Telefon auch die eigene Sendeleistung auf das gesetzlich erlaubte Maximum drehen, damit das ausgehende Sprach- bzw. Datensignal überhaupt bis zum Umsetzer kommt.
      Wäre ein Umsetzer in der Nähe, würde die Sendeleistung automatisch und sehr deutlich reduziert. Mobil telefonieren und surfen in Kurtatsch ist derzeit also nicht nur schlecht möglich, sondern auch noch mit einem unnötig hohen ERP-Wert für den Benutzer und einer deutlich schnelleren Akku-Entladung verbunden.
      Zudem könnte der Umsetzer in Neumarkt die nahen Endgeräte mit reduzierter Sendeleistung versorgen, anstatt unter Volllast sich um die Kurtatscher kümmern zu müssen.

      Es ist aber sowieso davon auszugehen, dass das bisher rein für Einheimische und Italienische Gäste dimensionierte Mobilfunknetz im Zuge der Roaming-Liberalisierung deutlich aufgerüstet werden muss, auch mit neuen Umsetzern.

    • andreas

      Ich würde vorschlagen, dass bis endlich ein Umsetzer steht, alle zu Frau Heidi Peer telefonieren gehen, außer natürlich die, welche auch gegen den Umsetzer waren.

    Kommentar abgeben

    Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

    2013 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | AGB | Cookie Hinweis

    Nach oben scrollen