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    Gefährliche E-Bikes?

    E-Biker auf Wanderwegen: Grundeigentümer und Wanderer können diesem Trend nichts abgewinnen. Der Ruf nach gesetzlichen Regelungen wird immer lauter.

    von Erna Egger

    „Hilfe, mir geht das zu schnell.“ Der Mann, um die 60 Jahre alt, schütteres Haar und einen Bauchansatz, hat gerade auf einem Almparkplatz seine 6.000 Euro teure Errungenschaft aus dem Auto gehievt und ist gestartet.

    Mit seinem neuen E-Bike will er, der eigentlich zeitlebens nie recht sportlich war, künftig zu neuer Fitness gelangen, viele Höhenmeter bewältigen und lange Distanzen zurücklegen.

    Den Umgang mit seinem neuen Sportgerät muss er erst noch lernen. Denn: Rauf, bis zum angepeilten Ziel nach 1.000 Höhenmetern, ging es an diesem Tag noch.  Bei der Abfahrt über das unwegsame Gelände habe er sich dann aber fast in die Hosen gemacht, wird er später zugeben.

    Mit elektrisch unterstützten Fahrrädern auf Wanderwegen unterwegs: Dieser Trend hat sich längst auch in Südtirol durchgesetzt – ein Boom mit hohem Konfliktpotenzial.

    „Egal ob Mountainbiken, Motocross-Fahren oder E-Biken: Wenn übertrieben wird, wird es zum Problem“, sagt der Villanderer Gemeindereferent Konrad Senn, der sich erst letzthin mit einem Streitfall in seiner Gemeinde auseinandersetzen musste.

    Mit den neuen Sportgeräten müssen selbst Genuss- und Freizeitradler oder Senioren nicht mehr im Tal bleiben. Für die Alm-, Forst- und Wanderwege fehlt aber vielen meist die Technik.

    Leo Tiefenthaler, Obmann des Bauernbundes, weiß zu berichten: „Die Besitzer von E-Bike-Verleihs müssen oft die Räder abholen, weil die Fahrer zwar viele Höhenmeter rauf-, aber dann nicht mehr runterkommen.“

    Mit der zunehmenden Anzahl an E-Bikern steigt auch die Unfallrate. Immer häufiger geraten Grundbesitzer und Wanderer mit Pedelec-Fahrern aneinander.

    In Villanders wollten Wirte mehrerer Almgasthäuser dem neuen Trend Rechnung getragen – und haben heuer einen gemeinsamen E-Bike-Verleih ins Leben gerufen.

    Der Widerstand der Grundeigentümer kam postwendend, der Verleih kurz vor der Villanderer Alm musste nach wenigen Wochen wieder geschlossen werden. „Man kann nicht das Pferd von hinten aufzäumen. Die Grundeigentümer wurden nicht gefragt“, wettert Konrad Senn.

    Primärer Grund war die Haftungsfrage bei etwaigen Unfällen: „Die Wege auf der Villanderer Alm – mit Ausnahme jenes Abschnittes von der Gasserhütte bis zum Plumpf – sind Interessentschaftswege und somit in Besitz von Privaten, die ja auch für die Instandhaltung der Wege Sorge tragen“, so Senn.

    Er verweist auf einen Vorfall vor einigen Wochen auf der Seiser Alm: Ein E-Biker sei bei der Aufwärtsfahrt mit einem Fahrzeug zusammengeprallt, weil er sein Pedelec nicht unter Kontrolle hatte.

    Auch viele Wanderer würden sich von E-Bikern mittlerweile massiv gestört fühlen. „Ein Mountainbiker braucht Kondition, auf dem E-Bike hingegen kommen Leute daher, die gerade noch auf dem Rad sitzen können“, kommentiert Senn.

    Der Ruf nach gesetzlichen Reglungen wird immer lauter. Auch der AVS und der Bauernbund machen mittlerweile Druck.

    AVS-Präsident Georg Simeoni sagt: „Wir fordern schon seit Jahren Reglungen für Mountainbiker, mit den E-Bikern ist die Situation noch schlimmer geworden. Wir müssen unbedingt sensibilisieren. Ein E-Bike, bei dem man nicht mal mehr treten muss, unterliegt meiner Meinung nach der Straßenverkehrsordnung. Diese Räder haben auf Wanderwegen nichts zu suchen.“

    Simeoni fordert: „Bestimmte Wege und Steige müssen für Mountainbiker und E-Biker tabu sein. Man muss die Courage haben, die Fahrt auf gewissen Wegen zu verbieten. Ich weiß, dass es dann ein Problem mit der Kontrolle geben wird. Aber irgendwo muss man ansetzen.“

    Vor Jahren stand man wegen der Mountainbiker vor derselben Diskussion wie jetzt bei den E-Bikern: Im Jahr 2011 hat schließlich der Bauernbund mit dem Landesverband der Tourismusorganisationen einer Vereinbarung über die Nutzung der Privatflächen abgeschlossen. „Mittels genauer Regelungen haben wir festgelegt, wo die Radfahrer fahren dürfen und wo die Versicherung greift. Diese Regelung inkludiert den Mountainbike-Sport und die E-Biker. Der Landesverband der Tourismusorganisationen hat daraufhin eine Rechtsschutz- und Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Aber natürlich müssen die Wege zwischen dem Grundeigentümer und dem Wegehalter, der vertraglich für die Instandhaltung, Pflege und den Müllabtransport zuständig ist, ausgewiesen werden“, so Leo Tiefenthaler.

    Reicht dieser Vertrag in Hinblick auf die starke Zunahme der E-Biker aus?

    Im Bauernbund räumt man Zweifel ein: „Wenn sich der Trend in diesem Ausmaß fortsetzt und die Mountainbiker außerhalb der Routen, auf Wiesen und Weiden fahren, was immer häufiger vorkommt, dann wird man Lösungen suchen müssen – und das auf Landesebene. Auch weil es gefährlich wird. Klagen von Wanderern häufen sich, weil sie sich durch die Radfahrer, die querfeldein und rücksichtlos unterwegs sind, belästigt fühlen“, so Tiefenthaler.

    Der Obmann des Bauernbundes sieht Handlungsbedarf, erste Gespräche mit einzelnen Mitgliedern der Landesregierung wurden mittlerweile bereits geführt. Mit konkreten Vorschlägen kann man jedoch noch nicht aufwarten.

    Tiefenthaler sagt: „Es braucht aber Lösungen für die Zukunft, wir werden uns die nächsten Monate und Jahre damit beschäftigten müssen. Das Phänomen könnte Ausmaße annehmen, die nicht mehr überschaubar sind. Mit den E-Bikes wird es soweit kommen, dass jeder 85-Jährige auf 2.000 bis 3.000 Metern hinaufkommt. Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin froh, wenn sich Senioren sportlich betätigen, aber der Respekt vor den Grundeigentümern muss gewährleistet werden.“

    LESEN SIE MORGEN AUF TAGESZEITUNG ONLINE:

    Das Interview mit dem zuständigen Landesrat Arnold Schuler.

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    Kommentare (20)

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    • watschi

      die haben dort nichts zu verloren

      • einereiner

        Ich habe kein Problem, wenn e-Bikes, Mountain-Biker und Wanderer auf meinen Forstweg und Almweg unterwegs sind.
        ABER: ich will keinen von diesen bezahlen müssen!!!! Wenn sich einer wegen Dummheit oder auch nur einem da liegenden Ast sein Gesicht poliert und in Zukunft die Radieschen von unten anschauen muss, dann soll er sich selber bezahlen, bzw. irgendeine Versicherung, die nicht die meine ist!!!!
        Wenn Südtirol als Radfahrer-Land Zukunft haben soll, dann braucht es eine riesengroße Versicherung von seiten des Landes, die die kaputten e-Biker, Mountain-Biker und Wanderer bezahlt. Von der Dummheit des Bikers bis hin zur groben Fahrlässigkeit des Grundbesitzers muss alles abgedeckt werden.
        Das Geld dafür soll aus der Ortstaxe kommen!

        Sollte auch nur ein Bauer einen dummen Mountainbiker bezahlen müssen (einige Hunderttausende bis in die Millionen, je nach Beruf), so sind ein Jahr später ALLE Privatwege für ALLE gesperrt. Wollen wir das?

    • brutus

      …was nützt es auf bestimmten Wegen zu verbieten, wenn dann dann trotzdem dort gefahren wird. Und solange es keine gesetzliche Verordnung gibt, kann man die nicht einmal strafen.

    • huggy

      Wenn ich z.B. als Bergsteiger eine Bergtour unternehme sollte ich beim Aufstieg immer daran denken, ich muß es auch wieder ins Tal schaffen.
      Warum gilt das nicht für untrainierte E-Bike Fahrer??
      Enfach losradeln und denken es wird schon gehen klappt einfach nicht.

    • morgenstern

      Ein E-Bike ist ein Motorfahrzeug und hat auf Wandersteigen mit weniger als 2m Breite nichts verloren.

    • rasputin

      Der allergrößte Teil der Wald und Forstwege wurde mit Steuergeld gebaut. Ich lasse mir das Fahren und das Betreten solcher Wege von Verbandsbonzen nicht verbieten.

      • einereiner

        @rasputin
        und wer hat dir deine Eigentumswohnung bezahlt? 30-50000 vom Land, oder?
        Wer zahlt dir Wohnbeihilfe? Das Land.
        Also komme ich das nächste Mal zu dir aufs Klo?

    • lillli80

      ich denke unser land ist groß genug, damit alle platz haben. wenn bereits in so einem kleinen rahmen gestritten wird, dann wundert mich nicht, dass überall auf der großen weiten welt krieg ist.

    • richard

      Nachdem man dem Arbeiter das hart verdiente Gehalt durch Steuern halbiert, nehme ich mir das Recht zu behaupten, dass alle mit Geldern der Steuerzahler errichteten Infrastrukturen der Allgemeinheit gehören.
      Und grundsätzlich gehören die Gründe der Allgemeinheit übertragen, wir sind das Volk!

    • tom

      Wenn ein E-Bike ein Fahrrad ist, dann ist ein Haufen Kuhscheiße eine Sachertorte
      Die E-Biker sind bei den anderen Radfahrern sowieso weit unten durch

      • andreas

        Die Radfahrer sind bei den Wanderern unten durch, die E-Bike Fahrer bei den Radfahrern, die Radfahrer bei den Autofahrern, die Wanderer bei den E-Bike Fahrern, usw.

        Was soll eigentlich der ganze Mist, dass jeder gegen jeden ist und alles nur für sich in Anspruch nehmen möchte?

        Nebenbei bist nicht du, welcher entscheidet, was ein E-Bike ist.
        Jemand ist nicht besser oder schlechter, wenn er Fahrrad oder E-Bike fährt.

    • susi

      Zitat:
      AVS-Präsident Georg Simeoni sagt: „Wir fordern schon seit Jahren Reglungen für Mountainbiker, mit den E-Bikern ist die Situation noch schlimmer geworden. Wir müssen unbedingt sensibilisieren. Ein E-Bike, bei dem man nicht mal mehr treten muss, unterliegt meiner Meinung nach der Straßenverkehrsordnung. Diese Räder haben auf Wanderwegen nichts zu suchen.“

      Also Ahnung von dem was er da von sich gibt hat Herr Simeoni nicht. Es gibt keine Ebikes bei dem man nicht mal mehr treten muß.

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