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    Monika Hausers Vision

    Die Ärztin Monika Hauser kämpft seit Jahren gegen sexualisierte Kriegsgewalt gegen Frauen. Am Freitag war sie in Bozen.

    Die Liste der Auszeichnungen für die Geschäftsführerin der Frauenrechts- und Hilfsorganisation „medica mondiale“ ist lang, ihr weltweiter Einsatz für Opfer sexueller Gewalt in Kriegsgebieten ungebrochen und beispiellos.

    Monika Hauser wurde deshalb in diesem Jahr vom Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen für den internationalen Förderpreis „La donna dell’anno“ vorgeschlagen, der heuer zum 19. Mal von der Region Valle d’Aosta vergeben wurde.

    Mit diesem Preis werden Frauen gewürdigt, die sich in besonderem Maße für die Wahrung der Grundrechte und kulturellen Identität sowie der Beteiligung der Frauen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens einsetzen und diese fördern.

    „Es geht bei medica mondiale um viel mehr als den konkreten Einsatz auf lokaler Ebene oder den politischen Einsatz. Es geht darum, bei Menschen ein Bewusstein zu schaffen. Das betrifft auch mich selbst: als ich Monika Hauser vor Jahren anlässlich der Verleihung des Alternativen Nobelpreises kennen gelernt habe, wurde mir durch sie erstmals klar, dass Vergewaltigung als Kriegsmittel eingesetzt wird“, unterstrich die Landesrätin für Chancengleichheit Martha Stocker bei der Pressekonferenz.

    Hilfe zu einem selbstbestimmten Leben

    Nun steht es fest: Monika Hauser hat den mit 10.000 Euro dotierten dritten Platz erreicht, das Preisgeld wird in humanitäre Projekte des Tätigkeitsbereiches der Frauenärztin mit Vinschger Wurzeln fließen. Auf Einladung des Landesbeirates für Chancengleichheit berichtete sie in Bozen von ihrer Arbeit für medica mondiale, jener Organisation, die seit den 1990er Jahren medizinische, psychologische und rechtliche Hilfe für Frauen und Mädchen bietet, die körperliche und physische Gewalt erlebt haben.

    Die Organisation führt Hilfsprojekte durch und schafft Unterstützungsnetzwerke vor Ort, die den Frauen unmittelbare Hilfe anbietet und ihnen ermöglichen sollen, trotz ihrer Erfahrung entwürdigender und zerstörerischer Gewalt ein eigenständiges und selbst bestimmtes Leben zu führen. Derzeit ist medica mondiale in neun Ländern tätig, in Afghanistan, Kosovo und Liberia mit eigenen Frauentherapiezentren.

    Für ein Leben in Würde und Gerechtigkeit

    Über den Projektfond der Hilfsorganisation wurden zwischen 1993 und 2015 weltweit mehr als 48 Millionen Euro für Projekte in 27 Ländern zur Verfügung gestellt, unter teils sehr schwierigen Voraussetzungen wurde auch große Erfolge errungen.

    „Wir wollen grundsätzlich weltweit, nachhaltig und hartnäckig Strukturen verändern und zwar auf ganzheitliche Art und Weise unter Kombination der praktischen Unterstützungsarbeit vor Ort und des Engagements auf politischer Ebene. Das ist eine schwierige Arbeit, doch wir haben bereits einiges erreicht. Ich tue diese Arbeit seit langem für die Würde von Frauen und auch für meine eigene Würde“, beschrieb Monika Hauser ihre Arbeit.

    Sie berichtete, dass medica mondiale gegründet wurde, weil es damals keine andere Organisation gab, die in diesem Bereich tätig war.

    Bis heute wurden über die Organisation 150.000 Frauen durch interdisziplinäre Teams in Kriegsgebieten zurück ins Leben begleitet. Abgesehen von der direkten Arbeit mit den Frauen, die als Opfer einer Menschenrechtsverletzung ein Recht auf empathische Unterstützung haben, engagiert sich die Organisation auch dafür, die stigmatisierende Haltung der Gesellschaft zu verändern.

    In den vergangenen Jahren hat sich medica mondiale daher auch verstärkt für die Ausbildung von Fachpersonal eingesetzt. So wurde im Nord-Irak Gesundheitspersonal, das in Flüchtlingslagern tätig ist, auf den professionellen Umgang mit traumatisierten Frauen vorbereitet.

    Gewaltfreie Welt für Frauen und Mädchen als Vision

    Vieles wurde getan, die Arbeit von medica mondiale und damit von Monika Hauser ist aber noch lange nicht zu Ende: „Unsere Gesellschaft und Politik braucht Visionen: es gibt in Europa derzeit ein fatales Ringen um richtige Wege, die Strukturen sind in Krise. Einiges von dem, was derzeit geschieht war vorhersehbar, es braucht daher eine vorausschauende Politik. Doch auch die Zivilgesellschaft sollte mutiger und proaktiver sein und sich durch die Abgabe von Verantwortung nicht selbst entmündigen“, lautet Hausers Appell an die Öffentlichkeit.

    Angesichts der Flüchtlingskrise gilt derzeit der Situation von geflüchteten Frauen besondere Aufmerksamkeit. Insbesondere setzt sich Monika Hauser mit ihrer Organisation dafür ein, dass Vergewaltigung als System der Kriegsführung anerkannt und damit als Asylgrund zugelassen wird. Bisher war das nur in Ausnahmefällen der Fall. Auf politischer Ebene hat medica mondiale die Europäische Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen vorangetrieben die nun endlich von der EU unterzeichnet worden ist.

    „Wir freuen uns außerordentlich über die weitere Auszeichnung von Monika Hauser, dieser Preis ist eine wichtige Anerkennung ihres Engagements und ihres unermüdlichen Einsatzes für Frauen und Mädchen in Kriegsgebieten und eine Möglichkeit zur Sensibilisierung für das Thema. Monika Hauser macht die Welt ein bisschen besser, verändert sie und ist damit für uns alle ein Vorbild“, betonte die Präsidentin des Landesbeirates für Chancengleichheit Ulrike Oberhammer.

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    Kommentare (1)

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    • prof

      Wenn es eine Präsidentin für Chancengleichheit (Ulrike Oberhammer) gibt, sie vertritt ja nur die Frauen,wieso gibt es keinen Präsidenten für die Männer?
      Ach ja,es gibt ja keine „unterdrückte“ Männer,aber es gibt leider ( und das nicht wenige) Frauen die ihre Männer zur „Weißglut“ bringen,denn sie haben die geeigneten Mittel dazu,dies nennt man Chancengleichheit.

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