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    Das „verlassene“ Haus

    Im Haus „Ruben“ in Mals, in dem 50 Flüchtlinge untergebracht sind, gibt es keine Rundumbetreuung, sondern nachts nur einen Telefonbereitschaftsdienst. Nun schaltet sich der Landtag ein. 

    Von Matthias Kofler

    Das Haus „Ruben“ in Mals ist ein außerordentliches Aufnahmezentrum, in dem zurzeit rund 50 Flüchtlinge – vorwiegend aus westafrikanischen Ländern – untergebracht sind. Das ehemalige Altersheim wurde 2015 umfunktioniert und von „Martinsheim“ in Haus „Ruben“ umgetauft. Die Struktur wird von der Caritas geleitet und unterstützt die Asylbewerber in der Zeit, in der sie die Überprüfung ihres Asylbescheids abwarten müssen.
    Die Männer und Frauen werden verpflichtet, einen Sprachkurs zu besuchen und sich mit der Kultur und den Lebensgewohnheiten in Südtirol vertraut zu machen.

    Die Flüchtlinge erhalten aber auch fachliche Hilfe, um traumatische Erlebnisse bei ihrer Flucht zu verarbeiten. Während sich die Asylbewerber laut Hausordnung untertags frei bewegen dürfen, müssen sie in die Nachtstunden von 23.00 bis 6.30 Uhr in ihrer Unterkunft verbringen.

    In den ersten sechs Monaten dürfen die Flüchtlinge keiner regulären Arbeit nachgehen. Allerdings ist es ihnen gestattet, freiwillig für öffentliche Institutionen bzw. für anerkannte ehrenamtliche Vereine tätig sein. Anschließend ist es ihnen erlaubt, eine Arbeit anzunehmen.

    Als äußerst schwierig gestaltet sich für die Caritas jedoch die Rundumbetreuung der Flüchtlinge. Zuletzt kam es im Haus „Ruben“ zu zwei Vorfällen, die dieses Problem deutlich machten – und somit auch die Aufmerksamkeit der Landespolitik hervorriefen.

    Vor rund einem Monat wurde das Weiße Kreuz zu einem nächtlichen Einsatz ins Haus „Ruben“ gerufen. Als die Einsatzkräfte vor Ort eintrafen, fanden sie jedoch niemanden vor, der Deutsch oder Italienisch beherrschte und sie zur verletzten Person bringen konnte. Kein Zuständiger der Caritas war in dieser Nacht in der Flüchtlingsunterkunft und auch sonst niemand, der den Rettungskräften behilflich hätte sein können.

    Für das Weiße Kreuz gestaltete sich der Einsatz auch deshalb als besonders schwierig, weil die verletzte Person, die sich im dritten Stock des Gebäudes befand, keine Ausweispapiere und keine Gesundheitskarte bei sich hatte. Die Person wurde in die Erste-Hilfe-Abteilung im Krankenhaus Schlanders gefahren. Aus dem Krankenhaus ist zu vernehmen, dass dies nicht das erste Mal gewesen sei, dass man Probleme bei der Identifikation der verletzten Flüchtlinge gehabt habe.

    Vor rund einem Monat wurde auch die Freiwillige Feuerwehr Mals zu einem Einsatz ins Flüchtlingsheim gerufen. Wie Kommandant Peter Veith berichtet, soll ein Flüchtling unbeabsichtigt auf den Alarmknopf gefallen sei. Als die Feuerwehrmänner vor Ort eintrafen, fanden sie wiederum keine Betreuer vor, sondern nur einen Zettel mit einer Telefonnummer. Das Büro selbst war abgesperrt.

    „Wir haben diese Nummer angerufen und es kam dann auch schnell jemand vorbei“, berichtet Peter Veith. Weil es sich offensichtlich um einen Fehlalarm handelte, konnte die Feuerwehr rasch wieder abziehen. Nach diesem Einsatz hat sich die Feuerwehr einen Reserveschlüssel von dem Flüchtlingsheim aushändigen lassen. 
Die für die Flüchtlinge zuständige

    Gemeindereferentin Gertrud Telser Schwabl erklärt gegenüber der TAGESZEITUNG, dass für die nächtliche Betreuung der Flüchtlinge zwei Betreuer angestellt seien. Von 20 bis 6 Uhr sei immer jemand vor Ort.
    Diese Aussage steht im Widerspruch zu den Schilderungen der Feuerwehr und des Weißen Kreuzes. Demnach sollen die zuständigen Betreuer bislang meistens nur zu den Bürozeiten erreichbar gewesen sein. Nachts sollen die Flüchtlinge ganz sich selbst überlassen worden sein.

    Jedenfalls haben die Vorfälle nun auch den Landtag erreicht. Der Abgeordnete Walter Blaas will mit einer Anfrage an die zuständige Integrationslandesrätin Martha Stocker Licht ins Dunkel bringen. Der Freiheitliche warnt davor, die Flüchtlinge nachtsüber völlig ohne Aufsicht zu lassen. „Was passiert bei einem Notfall medizinischer oder brandtechnischer Art? Sind die Flüchtlinge darüber in Kenntnis, was Brandschutz bedeutet? Werden sämtliche sicherheitstechnischen Auflagen und der Brandschutz in der Einrichtung gewährleistet und wer ist für diese verantwortlich?“, fragt Blaas in seiner Anfrage.

    Er wolle keine Vorurteile oder Panik schüren. Doch eine Rundumbetreuung und eine nächtliche Kontrolle der Ein- und Ausgänge seien auch im Interesse der Asylbewerbe im Haus „Ruben“, zeigt sich der Freiheitliche überzeugt.

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    Kommentare (3)

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    • meintag

      Dann ist gut dass die nächsten Füchtlinge in Schlanders in unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus unterkommen. Die Ärzte der Ersten Hilfe dürfen zwar nicht das Krankenhaus verlassen, aber so hat das Weisse Kreuz und der Notarzt sichere Arbeit auch wenn dabei anderweitig ein europäischer Mitbürger aufgrund einer Notsituation draufgeht.
      Wieso hat die Malser Sozialreferentin solche Vorkommnisse bei der Bügerversammlung anlässlich der Unterbringung von weiteren Flüchtlingen verschwiegen?

    • vintschger

      Vielleicht weil die Referentin keine Ahnung von nix hat??

      • meintag

        Nun es wird ja immer wieder Webung gemacht dass pensionierte Lehrerinnen ein und aus gehen. Diese Tanten bzw. Muttis wie Sie von den Flüchtlingen genannt werden, müssten doch Imstande sein Infos weiterzuleiten.

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