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    So sehen Sieger aus

     

    (Quelle: AC Parma)

    Der 30-jährige Bozner Profi Manuel Scavone hat mit Parma den Aufstieg in dier Serie B geschafft – und sogar ein Tor erzielt. Das Sieger-Interview.

    TAGESZEITUNG: Manuel, sind Sie noch am feiern?

    Manuel Scavone (lacht): Wir haben nach dem Spiel halbwegs gefeiert …

    Halbwegs?

    Wir haben am Samstag schon ein bisschen Gas gegeben. Am Sonntag waren wir als Mannschaft gemeinsam Abendessen, heute (am Montag, Anm. d. R.) gibt es ein weiteres Abendessen. Aber es wird langsam Zeit, sich ein bisschen auszuruhen. Wir haben eine anstrengende Saison hinter uns.

    Was ist am Samstag nach dem Spiel passiert?

    Zuerst haben wir mit unseren Fans im Stadion gefeiert. Allein in der Curva waren 6.000 Fans aus Parma. Insgesamt dürften 9.000 Fans aus Parma nach Florenz gekommen sein. Danach sind wir mit dem Bus nach Parma gefahren, wo wir gegen Mitternacht angekommen sind. Die zentrale Piazza war voll Fans. Mit denen haben wir dann auch noch gefeiert. Dann sind wir noch in ein Lokal gegangen …

    Wann waren Sie im Bett?

    (lacht) Ich habe eine Stunde geschlafen, denn um 08.00 Uhr hat mich schon mein Sohn geweckt, weil er mit mir spielen wollte.

    Ihre Partnerin und der 21 Monate alte Sohn waren nicht in Florenz im Stadion?

    Manuel Scavone köpft das Tor zum 1 zu 0 (Fotos: AC Parma)

    Nein, es wäre zu anstrengend gewesen. Zwei Stunden Autofahrt bei dieser Hitze. Das wollten wir dem Kleinen nicht zumuten.

    Sie haben nicht nur mit Parma den Aufstieg in die Serie B geschafft, sondern das vorentscheidende Tor selbst geschossen und das zweite vorbereitet …

    Natürlich bin ich glücklich über das Tor. Unser Ziel war es, in die Serie B aufzusteigen. Wir hatten in dieser Saison viele schwierige Momente: Trainer und Sportdirektor wurden im November ausgewechselt, im Jänner kamen viele neue Spieler, es gab Vorwürfe, wir würden Spiele verkaufen. Dann kam noch hinzu, dass Venedig eine tolle Saison gespielt hat, wir haben also bald verstanden, dass wir den direkten Aufstieg nicht schaffen würden. Ich kann nur sagen: Der Druck war ssehr groß.

    Was haben Sie gefühlt, als Sie das 1 zu 0 geköpft haben?

    Ein Tor in einem Finale zu schießen, ist natürlich etwas ganz Besonderes. Mit ist bewusst, dass mein Name jetzt für immer in den Geschichtsbüchern des AC Parma bleiben wird. Im ersten Moment habe ich eigentlich nur gedacht: Das war ein wichtiges Tor! Es war wichtig, in Führung zu gehen …

    Sie haben Ihren Torjubel dann abrupt unterbrochen und sich einfach auf dem Rasen hingelegt. Warum?

    Eigentlich wollte ich zu unseren Fans in der Curva laufen, doch es war mir zu warm und zu weit (lacht). Daher habe ich mir gedacht: Leg dich auf den Boden nieder und ruhe dich kurz aus, das Spiel ist noch lang.

    Waren Ihre Eltern im Stadion?

    Mein Vater und mein Bruder waren da, die Mamma nicht. Ich bin froh, dass sie extra für mich nach Florenz gekommen sind.

    Für Sie ist es bereits der vierte Aufstieg. Welcher war der schönste?

    Der erste Aufstieg mit dem FC Südtirol …

    … in die Erste Division …

    … war der Aufstieg, der mir am Herzen liegt, weil ich bei diesem Verein aufgewachsen bin und weil sehr viele einheimische Spieler dabei waren. Trainer war Alfredo Sebastiani, unter dem ich schon in der Jugendabteilung trainiert habe. Es war also ein besonderer Aufstieg. Die anderen Aufstiege waren wichtig für meine Karriere.

    Die nächste Saison ist für Sie bereits die sechste in der zweithöchsten italienischen Spielklasse. Sie sind damit einer der erfolgreichsten Südtiroler Fußballprofis …

    Ja, diesen Aufstieg mit Parma habe ich auch unbedingt gewollt. Ich habe im vergangenen Sommer die Entscheidung getroffen, von der Serie B in die Lega Pro zurückzugehen, um in Parma zu spielen. Ich habe von Anfang an geglaubt, dass wir den Aufstieg schaffen können, ich wollte meinen Beitrag dazu leisten. Und es hat geklappt.

    Es war also richtig, nach Parma zu wechseln?

    Absolut. Parma ist ein Traditionsclub. Ich hätte in der Serie B bleiben können. Aber meine Entscheidung war richtig, denn von der Tradition her bin ich bei einem der besten Vereine Italiens. Für Parma in der Serie B auflaufen zu können, ist ganz sicher der bisherige Höhepunkt meiner Karriere. Vielleicht geht es ja noch eine Stufe höher (lacht).

    Sie träumen von der Serie A?

    Ja , das wäre mein Traum.

    Sie haben noch zwei Jahre Vertrag in Parma. In drei Jahren kehren Sie zum FC Südtirol zurück?

    (lacht) Der FC Südtirol liegt mir am Herzen, dort bin ich aufgewachsen, das ist meine Heimat. Ich bin ein Fan des FCS und werde es immer bleiben. Wer weiß, ob wir nicht noch einmal miteinander Geschichte schreiben. Ich möchte dem Verein, der mir so viel gegeben hat, irgendwann wieder etwas zurückgeben.

    Sie sind jetzt 30. Wissen Sie schon, was Sie nach Ihrer Fußballkarriere machen wollen?

    Ich weiß, dass eine Fußballkarriere nicht ewig dauert, auch wenn unser Kapitän …

    Alessandro Lucarelli …

    … im Juli 40 wird. Ich weiß nicht, wie lange ich spielen werde, das hängt auch von Verletzungen ab. Natürlich überlegt man, was man danach machen wird. Aber ich verdränge diese Gedanken eigentlich noch, weil ich glaube, dass ich noch viele Jahre vor mir habe.

    Aber was täten Sie gerne, wenn Sie groß sind? Im Fußballgeschäft bleiben?

    Mir würde es sicher gefallen, im Fußball zu bleiben, aber genau weiß ich es noch nicht. Trainer möchte ich nicht werden, wennschon, dann nur im Jugendbereich. Ich habe schon eine Idee, möchte sie aber noch für mich behalten.

    Ihr Studium haben Sie abgebrochen …

    Ja, das habe ich leider nicht weitergemacht, weil ich beides – Profi und Studium – nicht unter einen Hut bringen konnte. Damals gab es die ganzen telematischen Studienmöglichkeiten noch nicht. Und jetzt ist an ein Studium nicht zu denken, weil mein Sohn etwas dagegen hätte.

    Interview: Artur Oberhofer

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