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Teures Bozen?

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Immer wieder wird berichtet, Bozen sei die teuerste Stadt in Italien. Als Ursache dafür wird die höhere Inflationsrate genannt. Diese Interpretation ist aber irreführend, erklärt die Handelskammer.

„Die Inflationsrate sagt nicht aus, wie teuer die Güter und Dienstleistungen sind, sondern nur, um wie viel diese in einem bestimmten Zeitraum teurer geworden sind“, so Handelskammerpräsident Michl Ebner.

Laut den Konsumpreiserhebungen von ASTAT/ISTAT war Bozen Mai 2017 die Stadt mit der höchsten Inflationsrate Italiens (2,2 Prozent), knapp gefolgt Venedig und Trient.

Dies bedeutet, dass sich die durchschnittlichen Konsumausgaben für Güter und Dienste um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat verteuert haben.

Wie teuer diese Güter und Dienste im absoluten Vergleich sind, darüber sagt die Inflationsrate aber nichts aus und der Schluss Bozen sei die teuerste Stadt Italiens ist in dieser Hinsicht nicht zutreffend.

Aber auch ein direkter Vergleich des absoluten Preisniveaus zwischen den Städten ist schwierig. Zwar stellt das italienische Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung in einer Datenbank (http://osservaprezzi.sviluppoeconomico.gov.it) die Preise von ausgewählten Konsumgütern für alle italienischen Provinzhauptstädte zur Verfügung, rät aber gleichzeitig davon ab, diese für Preisniveauvergleiche heranzuziehen. Der Grund dafür ist, dass diese Preise auf der gleichen Konsumerhebung des ISTAT basieren, die für die Berechnung der Inflation herangezogen wird. Erhoben werden folglich die Preise der meistverkauften Produkte der jeweiligen Städte, welche sich bezüglich Qualität und Marke aber stark unterscheiden können.

Südtirol weist in Italien das höchste Wohlstandsniveau (gemessen am BIP je Einwohner) und die höchste Kaufkraft auf (ISTAT 2015). Nicht zuletzt zahlt Südtirols Privatwirtschaft laut einer Studie des „Osservatorio Statistico dei Consulenti del Lavoro“ die höchsten Nettogehälter in ganz Italien. Entsprechend groß ist die Vorliebe für Qualitätsprodukte, was dazu führt, dass in Bozen die Preise von teureren Qualitätsprodukten überdurchschnittlich präsent sind. Dies hat zur Folge, dass ein Preisniveauvergleich, der auf die am häufigsten gekauften Produkte aufbaut, Bozen als vermeintlich teurer erscheinen lässt, während sich über die Preisunterschiede von identischen Produkten keine Aussagen treffen lassen.

Eine gesonderte Betrachtung verdienen hingegen die Wohnungspreise. Diese sind laut „Osservatorio Immobiliare“ der Agentur für Einnahmen in Bozen tatsächlich sehr hoch und erreichen das Niveau der Innenstädte von Mailand und Rom. Hierfür ist allerdings maßgeblich die geringe Flächenverfügbarkeit für Wohnbauten in einem Berggebiet wie Südtirol verantwortlich.

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Kommentare (4)

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  • einereiner

    Wen kratzt das Verhältnis zu italienischen Städten? Die stecken in der Krise und wandern ab Richtung Afrika.
    Wir sollten uns mit Nordtirol und Bayern vergleichen.

  • franzkarl

    Mich würde interessieren, wie die Aussage zustand kommt, dass in Südtirol so wenig Fläche vorhanden wäre um leistbares Wohnen zu gewährleisten. Gibt es dazu objektive Berechnungen oder sitzt da nur irgendwo einer herum und sagt: so, mehr verbauen finde ich blöd. Warum wird in Bozen und Umgebung nicht mehr Baugrund ausgewiesen? Was wär so schlimm daran, z.B. den Virgl verbauen zu lassen, oder Richtung Siebeneich/Terlan ein Wohnviertel entstehen zu lassen, wo junge Familien sich ein kleines Häuschen mit ein wenig Garten richten könnten, ohne dabei das Doppelte von dem ausgeben zu müssen, was man in einem ganzen Leben verdient? Müssen ja auch keine Villen sein.

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