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    Die Unzähmbaren

    Referee soccer recorded player foul in the game

    Beim A-Jugend-Spiel zwischen Bozner Boden und Pichl/Gsies wurden sechs rote Karten verteilt und das Spiel musste abgebrochen werden. Ist eine fehlgeschlagene Integration für die zunehmende Gewalt auf den Fußballplätzen verantwortlich?

    von Markus Rufin

    Es war das letzte Meisterschaftsspiel in der Provinzialmeisterschaft der A-Jugend. Am Sonntag kam es zum Aufeinandertreffen zwischen Bozner Boden und Pichl/Gsies. Dabei trugen nicht nur die sommerlichen Temperaturen zu den erhitzten Gemütern bei:

    Die Partie wurde vorzeitig beendet, weil gleich fünf Spieler von Bozner Boden vorzeitig des Feldes verwiesen worden waren. Dem Regelwerk zufolge müssen sieben Spieler auf dem Feld stehen, sonst wird die Partie beendet. Und dieser Fall trat am Sonntag ein.

    Obwohl es zum Zeitpunkt der ersten roten Karte bereits 5 zu 0 für die Pusterer stand, folgten sage und schreibe fünf Platzverweise während des Spiels und eine weitere rote Karte nach Spielabbruch.

    Wie es zu dieser Eskalation kam, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Tätlichkeiten und Wutausbrüche sollen laut Augenzeugenberichten dazu beigetragen haben.

    „In Südtirol war es das erste Mal, dass ein Spiel abgebrochen wurde, weil zu wenig Spieler auf dem Feld standen“, erklärt der Schiedsrichter-Präsident der Sektion Bozen, Mirko Iacopetti. Dementsprechend schockiert reagierten die beteiligten Parteien auf das Skandalspiel.

    Der Präsident von Bozner Boden, Carlo Penner, glaubt, dass seine Spieler durch den Ramadan ausgelaugt waren. Außerdem seien seine Spieler vom Gegner beleidigt worden. „Weil der Schiedsrichter nicht deutsch verstand, blieben diese Beschimpfungen unbestraft“, meint Penner.

    Paul Georg Tappeiner, Präsident des Landesfußballverbandes, ortet das Problem anderswo und holt zur Generalkritik aus: „In letzter Zeit kam es vermehrt zu ähnlichen Vorfällen. Meine allgemeine Meinung ist, dass es sich hierbei um ein soziales Problem handelt. Vor allem in Bozen wurden uns mehrere Fälle gemeldet. Ich glaube, dass junge Leute die im Leben nicht zurecht kommen, ihrer Wut auf dem Fußballplatz freien Lauf lassen. Solche Probleme sind schon lange zu beobachten, die Vereine bekommen sie nicht im Griff und wir auch nicht. Diese Spiele – vor allem jene der Bozner Vereine – sind ein politisches und soziales Problem.“

    Auch die Sprachkenntnisse des Schiedsrichters spielen für Tappeiner keine Rolle. Schließlich käme es auch oft genug vor, dass ein deutscher Spieler ermahnt wird, italienisch zu sprechen.

    Mehr Verständnis zeigt Schiedsrichterpräsident Iacopetti: „Es kann schon sein, dass einige Spieler durch den Ramadan nicht gut drauf waren. Wenn man den ganzen Tag nichts isst und in der Hitze auch noch Fußball spielt, kann es schon sein, dass man schlecht drauf ist. Hinzu kommt, dass die Jungen in einem schwierigen Alter sind.“

    Das sei aber noch kein Grund, Spiele während des Ramadans zu verschieben. „Auch Profifußballer müssen im Ramadan spielen und ihre Leistung abrufen“, meint Iacopetti.

    Dem Unparteiischen schreibt er keine Schuld zu: „Der Schiedsrichter hat schon Deutsch verstanden. Wenn der Spieler im Dialekt spricht und der Schiedsrichter einige Meter vom Geschehen entfernt ist, kann es aber gut sein, dass er eine Beschimpfung überhört.“

    Er glaubt zwar, dass alle Schiedsrichter beide Landessprachen verstehen, wünscht sich aber trotzdem mehr Unparteiische aus den Tälern: „Wir haben beispielsweise nur drei oder vier Schiedsrichter aus dem Pustertal. Es wäre sicherlich hilfreich, wenn wir mehr Schiedsrichter aus den Tälern hätten“, so der Schiri-Präsident.

    Auch der Verein trägt für Iacopetti keine Schuld an den Vorfällen. Die Verantwortlichen hätten den Spielern vermitteln müssen, „dass man auf Beleidigungen nicht mit Gewalt reagiert.“ Aber mehr könne der Verein auch nicht unternehmen.

    Fußball-Verbandspräsident Tappeiner unterstützt diese These: „Gerade eine Mannschaft wie Bozner Boden, die sieben oder acht ausländische Spieler in ihren Reihen haben, kämpfen mit solchen Problemen.“

    Der Fußball diene unter anderem zwar als Integrationsmittel, aber „die Ausschreitungen am Sonntag gehen weit am Fußball vorbei. Früher haben sich Leute auf dem Obstmarkt geprügelt, weil sie es jetzt nicht mehr können, muss der Fußballplatz herhalten. Da muss man sich auch mal fragen, wie es so weit kommen konnte“, kritisiert Tappeiner.

    Der Verein habe zu wenig Mittel, um mit derartigen Problemen umzugehen. „Da braucht es einen Psychologen oder eine Pädagogen, aber keinen Jugendtrainer.“

    Eine weitere große Rolle spielen für den Präsidenten die Zuschauer auf der Tribüne: „Die Eltern hinter dem Zaun stacheln ihre Kinder an und übertreiben häufig. Auf dem Platz kann es vorkommen, dass es Wortgefechte zwischen Spielern gibt. Aber ich glaube nicht, dass so was beim Stand vom 5:0 passiert. Diese Reaktionen übertragen sich von der Tribüne aufs Feld.“

    Tappeiner berichtet außerdem, dass es Vereine gebe, die Angst vor den Bozner Vereinen hätten. „Aber nochmal: Der Verein trägt auch keine Schuld. Ich kann aber nicht bei jedem Spiel einen Kommissar hinschicken, um das Geschehen zu kontrollieren. Wir haben hier eindeutig mit einem sozialen Problem zu kämpfen“, betont Tappeiner.

    Damit der Verlauf der Partie endgültig geklärt werden kann, wird sich nun das Sportgericht darum kümmern. Mit einem Urteil wird innerhalb der nächsten Wochen gerechnet.

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (6)

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    • andreas

      „In Südtirol war es das erste Mal, dass ein Spiel abgebrochen wurde, weil zu wenig Spieler auf dem Feld standen“, erklärt der Schiedsrichter-Präsident der Sektion Bozen, Mirko Iacopetti.“

      Stimmt gewiss nicht, schon vor ca. 30 Jahren wurde ein Spiel der A Jugend in Mölten abgebrochen, weil 5 der Gegner vom Feld gestellt wurden, damals ging es um die Meisterschaft und es kam zu Aussagen wie „ihr könnte nicht Meister werden, da bei euch Italiener sind“ usw.
      Anschließend gab es ein paar Auseinandersetzungen, der Schiedsrichter wurde verdroschen, und einige wurden jahrelang gesperrt.

    • brutus

      …ausgelaugt durch den Ramadan, aber genug Kraft sich die Rübe einzubauen!
      Jetzt werden die Ausreden für solche Vorfälle immer lächerlicher!
      Seht es endlich ein, dass diese Kultur nur Chaos und Gewalt nach Europa bringt.

    • jimcroce

      1. Im Ramadan trinken viele Moslems tagsüber auch nicht. Vom Essen gar nicht zu reden.
      2. Für muslimische Jugendliche im Wettkampfsport sind entweder Ausnahmen (vom Trinken wenigstens) zu gewähren oder es ist vom Wettkampf abzusehen.
      3. Trainer, die Jugendliche in dehydriertem Zustand Spiele absolvieren lassen, handeln höchst fahrlässig!

      Soviel zum „Sozialen Problem“ das der Herr Tappeiner hier sieht.

      • markp.

        Und sollen wir jetzt wegen dem Ramadan die Spielpläne umstellen?
        Warum soll das erst jetzt ein Problem sein. Muslime spielen schon Jahrzehnte in unseren Ligen.
        Saudumme Begründung. Es ist ein soziales Problem. Punkt.

    • goggile

      Moment mal. in den letzten jahren sind ach so viele musolmanische mitbuerger in den öffentlichen bussen und vor allem citybussen unterwegs… von Lastwagenfahrer bei grossen lkw ketten ganz zu schweigen… halbs dehydriert hinterm steuer ist sicher gleich gefährlich wie betrunken. diese Kulturen muessen sich an uns anpassen. bei ihnen schlafen sie den ganzen tag verständlich in der Hitze der wueste, aber in industrialisierten ländern kanns das nicht geben. auserdem glaub ich keinem Profispieler der ramadam lebt, dass er nicht zu sich nimmt. unmöglich. aber man kann sich ja auch etwas vormachen. so wie mit dem Alkohol.
      und der andreas vergleicht wieder mal äpfle mit Birnen.

    • realist

      Verbände, Vereine und Eltern müssten wohl gemeinsam in der Lage sein, diese Probleme in den Griff zu bekommen.
      Eine bessere Vernetzung vor allem zwischen Eltern u. Vereine wäre da sehr hilfreich.
      Ähnlich wie bei den Schulen mit den Elternbeiräten.
      Alles was die Jugendlichen in den Vereinen bzw. bei den Spielen mitbekommen, trägt auch zum teil bei, wie sie sich im späteren Leben verhalten.
      Das Vereinsleben ist überhaupt eines der wichtigsten Beiträge für`s spätere Leben.
      Das Miteinender ist in der heutigen Gesellschaft nicht so selbstverständlich.

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