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Das Föhrensterben

Föhrensterben im Vinschgau (Fotos: Lpa)

Mit gezielten und standortspezifischen Maßnahmen geht der Forstdienst gegen das Föhrensterben im Vinschgau vor.

Seit einigen Wochen sind im Vinschgau, vor allem auf der Sonnseite zwischen Naturns und Schlanders, deutliche Verfärbungen an den Föhren zu beobachten. Dabei handelt es sich zu einem großen Teil um Bäume, die durch die extreme Trockenheit vor allem der letzten zwei Jahre geschädigt wurden.

In der Folge stieg auch die Anfälligkeit für Angriffe von Borkenkäfern und Pilzinfektionen, sodass Föhren nun örtlich absterben, heißt es aus dem Forstinspektorat Schlanders. Solche Phänomene sind in Südtirol ab den 1980er-Jahren schon wiederholt aufgetreten, im Vinschgau beispielsweise starben ab 1993 flächig Föhrenwälder auf der Schattseite zwischen Latsch und Naturns ab. Betroffen waren immer – jeweils nach Trockenjahren – Waldföhrenwälder der tiefen Lagen, wo von Natur aus laubholzreiche Wälder vorkommen, berichtet der stellvertretende Amtsdirektor Georg Pircher.

Die Klimaextreme haben nun offensichtlich diese Entwicklung beschleunigt. Andere Teilflächen erscheinen braun, da sie vom Kiefenprozessionsspinner kahl gefressen wurden. Dieser Fraß allein bringt die Pflanze jedoch nicht zum Absterben; diese Föhren besitzen intakte Knospen und treiben jetzt neu aus, sodass diese Bereiche sich wieder begrünen werden.

Die zu treffenden Maßnahmen werden standortspezifisch gezielt ausgewählt und in Absprache zusammen mit den Waldeigentümern verwirklicht. Nach Beobachtung und Analyse des Phänomens wird vom Forstdienst ein Maßnahmenbündel umgesetzt:

Die Entwicklung der Wiederbegrünung der vom Prozessionsspinner befallenen Bäume wird genau verfolgt. Eine weitere Maßnahme ist das bewusste Stehenlassen einzelner abgestorbener Bäume, vor allem in schwer zugänglichen Bereichen, da auch diese Bäume weiterhin den Boden befestigen und durch Schattenwurf das Kleinklima günstig beeinflussen.

In Zonen mit erhöhter Waldbrandgefahr erfolgt die Entfernung der abgestorbenen Bäume, ebenso dort, wo unmittelbar vorhandenes Laubholz gefördert werden kann.

In bestimmten Zonen mit Naturgefahren wird ein Querfällen der abgestorbenen Föhren vorgenommen; so kann der Schutz gegen Steinschlag und Erosion erhalten bleiben, und zusätzlich wird im Bereich der am Boden liegenden Baumkrone ein verjüngungsgünstiger Bereich geschaffen.

Schließlich wird in Bereichen mit vielen toten Bäumen eine Weiterführung und Beschleunigung der Umstrukturierung der Schwarzföhrenforste in laubholzreichen Mischwälder angestrebt, die vom Forstinspektorat Schlanders seit den 1990er-Jahren betrieben wird.

Jährlich werden durch diese Projekte rund zehn Hektar an Schwarzföhrenwald in naturnahen Laubwald umgewandelt, und zwar durch Pflanzung von Laubbäumen innerhalb eines Wildzauns, wobei jährlich im Durchschnitt 150.000 Euro der Abteilung Forstwirtschaft eingesetzt werden.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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