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    „Nur große Worte“

    Christian Tappeiner auf seinem Rollstuhl (Foto: Tappeiner/Facebook)

    Wenn Christian Tappeiner aus Schlanders zum Dorfkegeln in die gemeindeeigene Kegelbar möchte, dann muss der Querschnittsgelähmte über 20 Stufen getragen werden. Auf Facebook hat er am Wochenende seinem Frust Luft gemacht – und den muskelstarken Kumpels gedankt.

    von Karin Gamper

    Christian Tappeiner sitzt seit beinahe zehn Jahren im Rollstuhl. „2008 hatte ich einen Motorradunfall“, erzählt der Mann aus Schlanders, „seither bin ich querschnittsgelähmt“.

    Der Vinschger ist auch nach dem Schicksalsschlag aktiv geblieben.

    So nimmt Christian Tappeiner am Dorfkegeln teil, das jedes Jahr über mehrere Woche hinweg in der Kegelbar im Kulturhaus Karl Schönherr ausgetragen wird. Die Bar im Untergeschoss des gemeindeeigenen Gebäudes war bereits vor dem Unfall ein Lokal, das Tappeiner regelmäßig aufsuchte.

    Doch seit der Schlanderser im Rollstuhl sitzt, hat Tappeiner seine Besuche im Kulturhaus drastisch eingeschränkt. Einschränken müssen. Der Grund: die Bar ist nur über zwei Dutzend Stufen erreichbar und somit für einen Gehbehinderten tabu. „Weder die Bar noch das Kulturhaus selbst sind barrierefrei“, erklärt Christian Tappeiner, der in dieser Gelegenheit bereits mehrmals mit der Gemeinde in Kontakt stand.

    „Es ist jedoch nie etwas geschehen“, erzählt Tappeiner. Und so muss Tappeiner – wenn er in diesen Tagen zum Kegelturnier möchte – regelmäßig von Freunden über die Stufen getragen werden. „Es braucht dafür mindestens drei Leute“, erklärt Tappeiner, der sich fragt: Wie kann es sein, dass ein öffentliches Gebäude nicht barrierefrei zugänglich ist?

    Er hat seine Enttäuschung am Wochenende per Facebook öffentlich gemacht und seinen muskelstarken Kumpels gedankt, weil sie ihn in diesen Tagen regelmäßig zum Kegelturnier tragen.

    In dem Post schreibt er:

    Danke an mein Kollegn und olle ondern storkn hände die mi seit 7 johr iber 20 stufn olm wider in die Keiglbar aui und oi trogn, um ban Dorfkeiglen mit tian zu kennen 💪 💪!! Echt traurig das von seitn der Gemeinde olm lai grosse worte und nou nia kuane tatn kemmen sein 😢 😢!! Ober ounscheinend miasn jo die Gemeinde Objekte nit fer jedn zuagänglich sein 😢 😔 ? ?!! Ober Schlondersch isch jo ondersch 😔 😢

    Bürgermeister Dieter Pinggera reagiert auf die Kritik des Schlanderser Querschnittgelähmten pikiert: „Dieser Rundumschlag wundert mich schon sehr, nachdem Herr Tappeiner persönlich an mehreren Lokalaugenscheinen mit Technikern teilgenommen hat“. In Schlanders fehle es „weder an politischem Willen noch an Geld“, um die Kegelbar barrierefrei zu machen. „Es ist schlicht technisch nicht möglich“, versichert Pinggera. Das Kulturhaus sei vor 25 Jahren gebaut worden und damals hätte es die behindertengerechten Auflagen noch nicht gegeben. Im Kulturhaus seien beide Säle barrierefrei, lediglich die Galerie im oberen Stock nicht. „Wir haben uns jedenfalls redlich bemüht, um das Problem zu lösen“, erklärt Pinggera.

    Für Christian Tappeiner ist dies keine Rechtfertigung: „So wie sich die Situation jetzt präsentiert, ist sie aus meiner Sicht nicht in Ordnung“.

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (8)

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    • andreas

      Wenn es technisch nicht möglich ist, was anscheinend bekannt ist und sich der Bürgermeister auch gekümmert hat, warum also die Vorwürfe? Fair ist das wohl nicht, was Herr Tappeiner da macht.

    • meintag

      In der heutigen Zeit ist technisch Alles möglich. Im Grunde fehlt es nicht am Geld sondern am Willen des Bürgermeisters so wie auch des Vorherigen. Der Platz für eine Projektierung ist vorhanden da in unmittelbarer Nähe Tiefgarage oder Postamt anschliessen. Auch der Platz für den Bau der Kreisverkehre als Verkehrsbremse war gefunden und vorhanden. Meiner Meinung nach sind Einwohner Von Schlanders mit körperlicher Behinderung wenig bis gar nicht erwünscht.

    • gynne

      Scheinbar hat der Bürgermeister noch nie etwas von eine Lift ,der an der Stiege hoch fährt , gehört .
      Ach ja ist ja ein SVPDler ,da sind NUR eigene Interessen wichtig und höchstwahrscheinlich ist Herr Christian kein SVPD Mitglied und hat somit kein Recht etwas zu Vordern !

    • andreas

      @meintag
      Laut Techniker geht es nicht, anscheinend weißt du es besser als diese.

      Doch unabhängig der Machbarkeit, wäre es wohl auch ein nicht unerheblicher Kostenfaktor, welcher von der Allgemeinheit getragen werden muss und es schon mal grundsätzlich nicht möglich ist, jeden Wunsch eines Behinderten zu erfüllen.
      Wobei ich jederzeit dafür bin Barrieren für diese abzubauen, um ihnen das Leben zu erleichtern, doch da wo es sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar ist.
      .
      Dass körperlich Behinderte in Schlanders anscheinend nicht erwünscht sind, ist so etwas vom Dümmsten, was ich in letzter Zeit gelesen habe.

      • meintag

        Ich kenne das Gebäude zwar nur von Außen aber ich weiss dass die Küche für Veranstaltungen auf Höhe der Tiefgarage ist. Genauso die Rampe zur Belieferung für Theaterveranstaltungen auf der Rückseite an dem ein öffentlicher Durchgang besteht. Es muss ja nicht zwingend neben der bestehenden Treppe gebaut werden.

        • andreas

          Ich habe immer schon gesagt, dass Geometer und Statiker überflüssig sind und jeder der gerade zufällig an einem Gebäude vorbei läuft eventuelle Baumaßnahmen besser einschätzen kann.
          Das mit diesen Technikern und der langen Ausbildung ist reine Beschäftigungspolitik um sie von der Straße weg zu kriegen, zum Arbeiten sind die ja nicht zu gebrauchen.

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