Du befindest dich hier: Home » Chronik » Aufruhr in „Alcatraz“

    Aufruhr in „Alcatraz“

    Die rund 200 Angestellten der Bozner Filiale der staatlichen Agentur für Einnahme sind in Aufruhr. Der Grund: Sechs Beamte wurde wegen unerlaubten Datenzugang für bis zu 20 Tage suspendiert.

    Die Behörde, in der die Angemessenheit und Richtigkeit von Steuern und Abgaben kontrolliert werden, als „Ort des Terrors“? Mit diesen drastischen Worten umschreibt die rechte Gewerkschaft FLP (Federazione Lavoratori Pubblici Trentino Alto Adige) das Arbeitsklima in der Bozner Filiale der staatlichen Agentur für Einnahmen.

    „Für viele Beamte ist der Gang ins Büro, als würden sie nach Alcatraz gehen. Mit dem Ziel, möglichst bald zu flüchten“, heißt es wörtlich in einer FLP-Mitteilung.

    Der Anlass: Eine Gewerkschaftsversammlung vergangener Woche, auf der ein Thema dominierte. Hildegard Olga Ungerer, die erste deutschsprachige Leiterin der Bozner Agentur (sie ist seit 2014 im Amt), hatte gegen sechs Angestellte drastische Disziplinarmaßnahmen verhängt.

    Fünf Beamte wurden wegen unerlaubtem Zugang zu internen Daten für elf Tage vom Dienst suspendiert. Ein weiterer Beamte, dem zehn Daten-Zugänge nachgewiesen wurden, wurde sogar für 20 Tage vom Dienst freigestellt. Gegen alle wurde bei der Staatsanwaltschaft Anzeige wegen des Verrats von Amtsgeheimnissen erstattet.

    Den unerlaubten Zutritte ins Informationssystem der Agentur der Einnahmen wurden von der zentralen Audit-Stelle in Rom für das Jahr 2015 ermittelt.

    Bei den rund 200 Angestellten der Bozner Filiale herrscht seitdem „ein Arbeitsklima der Angst“, wie auch Agnes Haller von der Gewerkschaft SGB/CISL bestätigt. Die drastische Ausdrucksweise von FLP teilt Haller aber ausdrücklich nicht. „Uns geht es darum, dass klare Richtlinien angewandt werden, die für alle gleich sind“, betont die Gewerkschafterin.

    Direktorin Ungerer verhängte die Strafen offenbar aufgrund eines – den Gewerkschaften bisher nicht vorliegenden – Rundschreibens aus der Zentrale, das bei unerlaubten Daten-Zugängen Suspendierungen von elf Tagen bis zu sechs Monaten vorsieht. Bei FLP behauptet man hingegen, in anderen Provinzen sei Personal in ähnlichen Fällen mit mündlichen Ermahnungen davongekommen. Bewiesen ist das freilich nicht. SGB/CISL-Gewerkschafterin Haller ist indes bemüht, die Vergehen ihrer Kollegen gegenüber der Öffentlichkeit ins rechte Licht zu rücken: „Sie haben nicht Steuerdaten von Bürgern durchforstet, sondern Daten von Kollegen abgefragt. In einem Fall lediglich das Geburtsdatum wegen einer Feier“. Für die römische Audit-Stelle waren das jedenfalls Verstöße gegen die Amts-Verschwiegenheit. Und nun herrscht in der Bozner Agentur Aufruhr. Denn ein derartiger Verstoß gefährdet die Karriere bei der Behörde, deren Personal die Provinzen Bozen und Trient bekanntlich unter ihre Verwaltung bringen wollen.

    Die Konföderierten Gewerkschaften wollen nun einen Brief an die römische Zentralverwaltung schreiben, in dem sie eine „Verifizierung der Sachlage“ fordern.

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
    Clip to Evernote

    Kommentare (9)

    Lesen Sie die Nutzerbedingungen

    • meinemeinung

      typisch wa… (Ital) alles harmlos ,ist nix passiert ,nur ein Geburtsdatum abgefragt ,die wollen nicht verstehen , wenn für sie bestimmte Zugänge gesperrt sind ,ist gesperrt – keine Einsicht ,auch nicht wegen einem Geburtsdatum .
      Suspendierung vollkommen richtig und ein Zeichen für unsere Beamten

    • einereiner

      Die Gewerkschaften sollten diejenigen verteidigen, die arbeiten. Nicht die Betrüger und Faulenzer.

    • franz

      Hildegard Olga Ungerer, die erste deutschsprachige Leiterin der Bozner Agentur (sie ist seit 2014 im Amt), hatte gegen sechs Angestellte drastische Disziplinarmaßnahmen verhängt.
      Anscheinend nimmt es die Leiterin der Bozner Agentur nicht so genau wenn es um Mitteilungen zur Steuereinhebung an “VERMUTLICHEN“ angenommenen jedoch nicht erwiesenen Steuerschulden geht.
      Solche Fälle von Bürger die von der Agentur mit fraglichen Mittel massakriert werden, gibt es wie Sand am Meer, einen davon kenne ich persönlich
      von einen Bekannten der bereits alle Instanzen durch ist und jetzt beim Kassationsgericht auf Gerechtigkeit hofft.
      Laut italienischer Verfassung müsste jede Mittteilung – Aufforderung an den betreffenden “vermutlichen“ Steuersünder von Capo Ufficio unterzeichnet sein.
      andernfalls ist die Mitteilung null und nichtig .
      Cassazione – Sentenza 22800/2015: afferma che l’avviso di accertamento è nullo senza la firma del capo ufficio o di un altro impiegato alla carriera direttiva da lui delegato. Qualora poi sia il contribuente a contestare la legittimazione alla firma, è onere del fisco provare il possesso dei requisiti previsti dalla legge; [….]
      http://fiscotoday.it/la-cassazione-non-sono-validi-gli-atti-firmati-senza-delega/
      Während der Staat seine Schulden nicht bezahlt.
      http://notizie.tiscali.it/economia/articoli/stato-non-paga-debiti/

    • hubi

      Wer da zuviel in den Daten stöbert, könnte leicht einigen Betrügern auf die Schliche kommen. Das muss natürlich geahndet werden.

    • george

      Richtig so!. Wozu ist sonst das Datenschutzgesetz? Wir werden ohnehin genug durchschnüffelt und gläsern (durchsichtig) gemacht.

    • saustall_kritiker

      Und der derzeitige Herr Landesdirektor Olga Ungerer, als solcher „er“ immer die Aussendungen der Agentur unterschreibt (allen femministischen Errungenschaften zum Trotz, im 21. Jahrhundert einfach nur lächerlich), sorgt wohl auf diese Weise dafür, dass die Angestellten nicht allzu motiviert werden, zuviel von den Bürgern in Erfahrung zu bringen…. Für Steuersparer und die es werden wollen sicherlich erfreulich….. 😉 😉 😉

    • goggile

      fristlos entlaassen sollten sie gewerden undschadenersatz fuer die armen buerger die gestalkt wurden

      • ft

        Sie haben, wie üblich, nichts verstanden. Kein Bürger wurde „gestalkt“.Ich nehme an Sie wissen überhaupt nicht was das ist. Und entlassen wird niemand sondern
        er erhält für sein Vergehen die dafür vorgesehe Strafe. Denken vor Schreiben.

    • franz

      Anstatt die Angestellten zu maßregeln und unschuldige Bürger mit fragwürdigen Maßnahmen zu verfolgen und zu massakrieren bzw. zu ruinieren, sollte sich die Agentur der Einnahmen darum kümmern wenn Steuergelder subventionierte-Orgien verschleudert werden http://www.tageszeitung.it/2017/04/30/subventionierte-orgien/
      l’Unar, istituito con il decreto legislativo 9 luglio 2003, n. 215, in recepimento alla direttiva comunitaria n. 2000/43 CE contro ogni forma di discriminazione“…[…]
      http://www.ilfattoquotidiano.it/2017/02/22/scandalo-unar-sgarbi-incontenibile-i-gay-non-sono-una-categoria-protetta-se-lo-mettano-nel-c-senza-i-nostri-soldi/3407689/
      Gerade die intoleranten Schwulen – Prediger wie centaurus die sich dauernd als Opfer von Diskriminierung hinstellen, zeigen wieder einmal wie verkommen sie sind.
      Auf Kosten des Steuerzahler im Puff ihre abartigen Neigungen befriedigen.
      Wirklich diskriminiert in Italien sind die Arbeitslosen – Mindestrentner und Invaliden Arbeiter Angestellten welche mit Steuern solche Schweinereien mitfinanzieren müssen.
      Auch Zeitungen die Beiträge vom Land ( Steuergeld ) kassieren und Prostituierten die Plattform zur Werbung bieten , sollte man diese Beiträge streichen.

    Kommentar abgeben

    Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

    2013 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | AGB | Cookie Hinweis

    Nach oben scrollen