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    Biologische Lücke 

    Käsetheke (Foto: 123RF)

    In Toblach und Innichen stellen einige Bauern auf Bio-Milch um. Das setzt die Sennerei Drei Zinnen unter Zugzwang: Wenn sie nicht eine eigene Bio-Linie startet, liefern die Bauern nach Sterzing. 

    von Silke Hinterwaldner 

    Seit rund zehn Jahren schon liefert eine Handvoll Bio-Bauern aus dem Ahrntal die eigene Milch nach Sterzing. Dort hat bio mittlerweile gewissermaßen Tradition.

    Ganz anders in der Sennerei Drei Zinnen. Die Bauern in Toblach und Innichen lieferten bisher keine Bio-Milch, dort aber wurde die Südtiroler Heumilch sozusagen erfunden. Aber jetzt könnte sich einiges ändern. Nachdem nun auch im Einzugsgebiet der Sennerei Drei Zinnen einige Bauern dabei sind, den Betrieb auf Bio-Produktion umzustellen, droht der Bruch. Wer bio produziert, möchte auch bio verkaufen, der bessere Auszahlungspreis für die Milch spielt dabei freilich auch eine Rolle. Deshalb haben diese Bauern sich bereits an den Milchhof Sterzing gewandt und nachgefragt, ob sie in Zukunft dorthin liefern können.

    In Sterzing selbst bremst Geschäftsführer Günther Seidner zunächst einmal. „Es gibt einige Anfragen“, erklärt er, „aber grundsätzlich gilt: Wir suchen immer die Einigung mit den anderen Milchhöfen. Wir wollen niemanden abwerben.“ Will heißen: Sterzing versucht den Streit mit der Konkurrenz zu vermeiden und die Zusammenarbeit auszubauen. Schließlich braucht man sich immer wieder gegenseitig, etwa wenn es anderswo einen gesteigerten Bedarf an Milch gibt. Dann findet ein Austausch statt.

    In Toblach selbst sucht man noch nach einer Lösung für das Bio-Problem. „Wir begrüßen es natürlich nicht“, sagt der dortige Geschäftsführer Alois Moling, „wenn jemand uns verlassen will. Aber wenn jemand unbedingt gehen will, können wir ihn auch nicht zwingen zu bleiben.“

    Von Wollen kann allerdings keine Rede sein. Anton Tschurtschenthaler, Obmann der Sennerei Drei Zinnen, ist überzeugt davon, dass die neuen Bio-Bauern bei ihm bleiben mächten. Sie wissen nur nicht, wohin mit der Bio-Milch. Um den Spagat zu schaffen, überlegt man jetzt in Toblach eine dritte Schiene aufzubauen. Zur konventionellen Milch und der Heumilch könnte so in Zukunft auch Bio-Milch oder Bio-Käse aus dem Hause Drei Zinnen zu haben sein.

    Aber so weit gediehen sind die Verhandlungen noch nicht. Das Problem: Die neuen Bio-Bauern aus dem Einzugsgebiet würden in Zukunft zwischen 400 und 600 Liter Milch liefern, aber das reicht für eine eigene Bio-Schiene nicht aus. Obmann Tschurtschenthaler sagt: „Wir werden versuchen eine Lösung zu finden. Aber das ist alles eher schwierig.“

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (3)

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    • einereiner

      Heumilch ist eine Schnapsidee. Bis vor 50 Jahren wurden die Kühe in Südtirol nur mit Heu gefüttert. Kamen sie im Frühjahr mal raus auf die Wiese, haben sie sich oft überfressen. Auf jedem Hof gab es ein spezielles Messer, um ihnen ein Entlüftungsloch in den Pansen zu stechen, damit sie nicht platzen (kein Witz!). Die Mangelernährung mit nur Heu im Winter war eigentlich eine Tierquälerei.
      Erst seit es Maissilage und später auch Heusilage gibt, bekommen sie auch im Winter viel gute Nährstoffe. Warum macht man jetzt wieder Heumilch? Weil ein paar Möchtegern-Ökos meinen, wenn sie selbst sich eine Mangelernnährung zumuten, auch die Kühe Diät halten müssen.
      Biomilch ist nun wenistens ein Schritt in die richtige Richtung und eine kleine Wiedergutmachung an den Kühen.

      • homoerektus

        Ja es stimmt schon das die Kühe geplatzt sind aber nicht weil nur Heu und Weide Graß. Vor 50 Jahren platzten meistens nur die Kühe von den armen Bauern und meistens nur weil sie selber zu wenig Heu ernten konnten. Heute dagegen, fallen die hochgezüchteten Friesische auf einen Moment zum anderen um und sind Tod, nach vielleicht 8 Jahre sind sie zum verschroten, das ist sicher keine Tierquälerei. Vor 50 Jahren lebte eine Kuh noch 20 Jahren. Vor 50 Jahre war die Milch noch eines der Haupternährungsmittel, jede Familie kaufte bei den Bauern täglich ihre Milch ein, heute gibt es Familien die mit 2 Liter Milch im Monat leicht auskommen, warum???

    • wanderer

      Unsere Kühe haben immer zum Heu dazu eigene Runkelrüben und eine selbst gebrochene Getreidemischung aus eigener Gerste und Roggen und ev. dazugekauftem Weizen bekommen.

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