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    Rücktritt eines Kritischen

    Vor zwölf Jahren war Gerd Heiter als gefürchteter Oppositioneller in den Gemeinderat von St. Lorenzen gewählt worden. Jetzt hat er seinen Rücktritt eingereicht. Der Grund: Ziel erreicht.

    von Silke Hinterwaldner

    Als Gerd Heiter vor zwölf Jahren in den Gemeinderat von St. Lorenzen gewählt wurde, war er gefürchtet. Er war einer der führenden Köpfe in der Bürgerliste, die sich zum Ziel gesetzt hatte, für mehr Transparenz und eine bessere Gesprächskultur im Rathaus zu sorgen.

    Gerd Heiter war stets furchtlos und kritisch. Aber jetzt geht er. In einem Brief an Bürgermeister Martin Ausserdorfer hat er seinen Rücktritt aus dem Gemeinderat angekündigt. Bereits am kommenden Mittwoch wird sein Platz nachbesetzt – mit Werner Töchterle.

    Aber warum schmeißt einer wie Gerd Heiter mitten in der Amtsperiode alles hin? Gab es tatsächlich Streit innerhalb der Bürgerliste oder in der ansonsten so harmonischen wirkenden Gemeindeverwaltung? „Nein, ganz bestimmt nicht“, sagt der Betroffene ohne jede Ironie. Im Gegenteil. Gerd Heiter sagt: „Wir haben vieles erreicht. Es wird jetzt offen miteinander geredet, alle werden in die Entscheidungsprozesse eingebunden. So sollte politische Arbeit sein. Deshalb ist es für mich jetzt an der Zeit, anderen Platz zu machen.“

    In den vergangenen zwölf Jahren hat sich in St. Lorenzen tatsächlich einiges getan. Mittlerweile hat man mit Ausserdorfer einen neuen Bürgermeister, der freiwillig einen Vertreter der Bürgerliste in den Ausschuss geholt hat. Die Zusammenarbeit mit Lois Pallua scheint denn auch gut zu klappen. „Es gibt ein gutes Arbeitsklima im Dorf“, sagt er selbst. Aber freilich bedauert er, dass sein Freund Heiter im Gemeinderat nicht weiterarbeiten möchte: „Ich habe seine politische Arbeit immer geschätzt, Gerd Heiter ist ein engagierter und kritischer Mensch.“

    Bürgermeister Martin Ausserdorfer kann sich jetzt nur freuen über das Lob aus den Reihen der ehemals gefürchteten Opposition. Aber er hat noch eine weitere Nachbesetzung im Gemeinderat vorzunehmen. Nach dem Tod von Vizebürgermeister Josef Huber wird am Mittwoch kommender Woche auch sein Platz im Gemeinderat an jemand anderen vergeben. Margit Kammerer ist die nächste auf der Liste, insofern sie bereit ist diese Aufgabe zu übernehmen.

    Dem Bürgermeister fehlt dann aber immer noch ein Stellvertreter und ein Mann (oder eine Frau) im Ausschuss. Mit der Ernennung des Vizebürgermeisters und der Nachbesetzung im Ausschuss will er aber noch warten. Er sagt: „Ich finde es pietätlos, jetzt schon einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen. Für diese Entscheidungen möchte ich mir noch etwas Zeit geben, wir haben schließlich einen wichtigen Menschen verloren.“

    Laut Statut drängt die Zeit auch noch nicht wirklich: Der Bürgermeister hat 90 Tage, um dem Gemeinderat den neuen Ausschuss zur Abstimmung zu präsentieren. Die Ernennung des Vizebürgermeisters hingegen kann er per Dekret vornehmen.

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