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    Das Phänomen Kurz

    Foto Sebastian Kurz: ÖVP

    Nach der Machtübernahme von Sebastian Kurz in der ÖVP: Das Interview mit der österreichischen Politologin und Professorin Kathrin Stainer-Hämmerle über das Phänomen Kurz.

    Tageszeitung: Frau Stainer-Hämmerle, Sebastian Kurz hat die Kontrolle über die ÖVP übernommen und seine Macht durch verschiedene Alleinbefugnisse zementiert. Hatte der ÖVP-Vorstand keine andere Wahl, als sich auf die Forderungen von Kurz einzulassen?

    Kathrin Stainer-Hämmerle: Eigentlich nicht, weil einfach die Alternative zu Kurz mit dessen hohen Popularitätswerten gefehlt hat. Von den Reaktionen der Bünde und Landeschefs her ist auch eine Fast-Erleichterung zu hören, dass endlich einmal eine Parteireform glücken kann, nachdem man schon seit Jahrzehnten jammert, dass die Partei mit diesen Strukturen nicht spürbar ist.

    Was bedeutet es für die Zukunft der ÖVP, wenn der Name nicht einmal mehr Teil der Liste für die Nationalratswahlen sein wird?

    Es gibt einen pragmatischen Grund, warum die ÖVP doch noch irgendwie vorhanden bleiben muss: Damit sie sich Platz zwei auf dem Wahlzettel sichern kann. Ansonsten heißt es offensichtlich „Personen schlagen Parteien“. Das ist schon ein bedenklicher Weg, weil das dann zu einer bestimmten Beliebigkeit wird. Nicht zuletzt Italien ist ein Vorbild dafür, was passiert, wenn traditionelle Parteien verschwinden und personenzentrierte Bewegungen kommen. Da stellen sich die Fragen, wer diese Bewegungen unterstützt, was das inhaltliche Programm ist und welche Werthaltungen dahinter liegen. Wir rätseln seit Tagen, für was denn der Kurz jetzt steht. Das weiß man von einer Partei, aber nicht von einer personenzentrierten Bewegung. Ich fürchte, das liefert die Wähler einer gewissen Beliebigkeit aus. Die andere Seite ist der Abbau von demokratischen Strukturen in der ÖVP.

    Inwiefern?

    Kurz sagt zwar, er öffne die Partei– auf der anderen Seite nimmt er aber vielen internen Gruppen Mitspracherechte. Das ist ein Übergang weg von demokratischen Strukturen hin zu einem charismatischen Führungstyp. Ich finde, das ist keine Öffnung. Im Gegenteil: Es ist eigentlich ein Schließen auf einen inneren Zirkel, nämlich auf den Parteichef und seine Berater.

    LESEN SIE IN DER DIENSTAG-AUSGABE DER TAGESZEITUNG:
    – Das ausführliche Interview mit Kathrin Stainer-Hämmerle über die Gefahr für Kurz in den nächsten Monaten, die Stärken des Jungstars, seine Wählerschichten und die möglichen Regierungskoalitionen.
    – Was der renommierte Politikwissenschaftler Anton Pelinka über Sebastian Kurz sagt

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (14)

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    • george

      Kurz ist ein „aufgschnöllter“ Student, genauso wie Knoll und Achammmer. Sie sind zwar gut in der Rhetorik, setzen sich gerne und überproportional ins Rampenlicht, aber gemäß der Devise „leere Töpfe machen den meisten Lärm“.

    • franz

      Wer Achammer mit Außenminister Kurz vergleicht hat einen leeren Topf oder einen Sprung in der Schussel.
      Im Gegensatz zu Achammer – und den ganzen SVP-Genossen und den Grünen hat Kurz nicht nur eine gute Rhetorik, Kurz hat klare Vorstellungen und überzeugt beispielsweise zum Thema Sicherheit und Flüchtlingsthematik.

    • watschi

      bei knoll und achhammer stimme ich dir zu, aber kurz spielt in einer viel höheren kategorie und hat in den letzten 3 jahren als aussenminister viel bewirkt. informier dich einmal. du wirst staunen

    • george

      Mag sein, dass Kurz in ein weit höheren Liga operiert. Wenn aber sich jemand die Züge von Strache oder Orban aneignet um sich in dieser Liga durchzusetzen, dann sehe ich wenig, was er selber im Zusammenwirken mit eigenen starken Argumenten erreicht hat. Seine Stärke besteht nur darin, dass er die Schwäche der anderen Parteimitläufer schamlos ausnutzt um hoch zu kommen, aber nicht unbedingt staatstragende oder volksrelevante Grundlagen weiter entwickelt und zum Vorteil aller trägt.

    • tiroler

      george: ich habe selten einen dümmeren Kommentar gelesen. Kurz ist einer der weitsichtigsten Politiker Europas. Für Osterreich isr Kurz ein absoluter Glücksfall!

    • andreas

      @tiroler
      Wird sich zeigen, was Kurz hinkriegt.
      Noch ist er ein Königsmörder, welcher das sagt, was das Volk hören will.

    • franz

      Kurz hat schon viel hingekriegt, wo andere Politiker hierzulande in Italien und in Brüssel grauendhaft versagt haben und dafür früher oder später bei den Wahlen die Quittung bekommen. Beispielsweise die SPD mit ihren Kanzlerkandidaten und EU-Lobbyist Schultz..“ Drei Landtagswahlen in Folge hat die SPD mit Martin Schulz als Kanzlerkandidat verloren, vom Schulz-Effekt keine Spur.“ so der Spiegel“
      Dank Kurtz seiner Politik gemeinsam mit Innenminister Johanna Mikl-Leitner und später Wolfgang Sobotka wurde die unkontrollierte illegale Einreiße in Österreich über der Brennergrenze gestoppt.

    • cicero

      Also ich hätte schon gerne dass Politiker „sagen was ich hören will“, bzw. anders gesagt, dass sie meine Meinung vertreten, dazu wähle ich sie. Im Falle der Flüchtlingspolitik bin ich ( und nicht nur ich) zu 100 Prozent Kurz` Meinung. Positiv ist außerdem, dass er klare Aussagen tätigt, ohne das sonst übliche Herumlavieren und den unmöglichen Politikersprech. Man weiß wie man dran ist und kann dafür oder dagegen sein.
      Was den Königsmörder betrifft, so mordet er allenfalls einen König ohne Krone (nicht gewählt). Tatsächlich war die große Koalition schon länger am Ende. Kurz setzt alles auf eine Karte, begeht neue Wege und nimmt auch ein Scheitern in Kauf. Das muss man sich mal trauen. Respekt vor dem „Biabl“.

    • rota

      Wer hat Kurz in diese Positionen gehievt, wer hält ihm den Rücken frei, warum kann er ohne sichtbares Netzwerk so jung und so mächtig sein. Ich habe keine Antworten dazu. Alles nicht wirklich geheuer.

    • andreas69

      Zufällig der richtige Mann, mit den richtigen Fähigkeiten, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle = Phänomen!
      Anders kann man solche Erfolge nicht erklären.

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