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Bauern ohne Kuh

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Bauernhöfe ohne Stadel und Milchkühe: Sie arbeiten mit Ferienwohnungen, Shops und selbstgemachter Marmelade. Das ärgert nicht nur den Bauernbund, sondern auch Gastwirte und Kaufleute.

von Silke Hinterwaldner

Ein Mal pro Woche Grillabend, am Sonntag Brunch, nach Feierabend Aperitif, ein Glas selbstgemachte Marmelade als Gastgeschenk, moderne Ferienwohnungen, ein kleiner Streichelzoo, Spielplatz, Schwimmbad, Dutzende Produkte aus dem hofeigenen Shop: Ein Landwirtschaftsbetrieb muss heute nicht zwangsläufig ein einfacher Bauernhof mit Stadel und Viehstall sein. Wer eine gute Geschäftsidee umsetzen kann, macht aus einem Höfl mit leichter Hand ein florierendes Unternehmen.

Das etwa ist Lerchnhof in Olang gelungen. „Wir sind kein klassischer Bauernhof aus dem Pustertal“, sagt Besitzer Daniel Oberparleiter, „das heißt aber noch lange nicht, dass wir kein Bauernhof sind.“ Immer wieder muss er sich gegen Angriffe von außen wehren, muss sich dafür rechtfertigen, dass er nicht nur Milchkühe und Erdäpfel hat. „Trotzdem“, sagt er, „haben wir mehr mit Landwirtschaft zu tun als manch einer, der zwei, drei Stück Vieh im Stall stehen hat.“ Er erntet im Jahr rund 28 Tonnen Beeren und Früchte, wenn ihm nicht der Frost einen Strich durch die Rechnung macht, er baut auf 1,5 Hektar Land Gemüse an, betreibt eine Pilzzucht und pflanzt Wildkräuter an. Seine außergewöhnlichste „Erfindung“ ist aber wohl der Birkenzucker.

Alles schön und gut, aber was macht einen richtigen Bauer überhaupt aus? Oder besser gefragt: Was unterscheidet einen Gastwirt oder einen Kaufmann noch von einem Landwirt? Die Grenzen zerfließen zusehends. Das weiß Viktor Peintner freilich. Er ist selbst Bauer in Taisten und zugleich Vizeobmann des Bauernbundes. Als solcher beschäftigt ihn das Thema schon lange. „Wir sind mit der Entwicklung nicht zufrieden“, sagt er, „Urlaub auf dem Bauernhof soll ein Zuerwerb bleiben, die Hauptarbeit muss die Landwirtschaft sein.“ Das Problem, das er immer wieder in einigen Betrieben feststellt: Der Bauernbund hat das Modell „Urlaub auf dem Bauernhof“ erfunden, damit sich kleinere Betriebe ein Zubrot verdienen können.

„Aber wenn dieses Modell ausgenutzt wird, dann ist das einfach falsch“, sagt Peintner, „wir haben Land und Gemeinden bereits des Öfteren aufgefordert, die Kontrollen zu verstärken. Aber es passiert nichts.“

Landwirt zu werden ist denn auch nicht besonders schwer. Wer eine „Zimmervermietung“ mit den steuerlichen Vorteilen einer Landwirtschaft eröffnen will, muss lediglich genügend Ländereien kaufen, eine Fortbildung absolvieren und dann pro forma – wie es manchmal passiert – ein paar Tiere halten oder Gemüse anbauen. Das ärgert die Konkurrenz.

Ganz besonders leiden die Zimmervermieter unter dem Trend „Urlaub am Bauernhof“, sie können kaum mit Angebot und Preisen mithalten. Wohl auch deshalb sind die einfachen Unterkünfte wie Pensionen immer stärker vom Aussterben bedroht. Je luxuriöser die Ferienwohnungen für Urlaub auf dem Bauernhof ausgestattet sind, desto mehr bedrohen sie auch die Existenz kleinerer Hotelbetriebe.

„Das ist unfair“, ärgert sich einer von ihnen, „wenn schon, dann sollen diese Betriebe genauso Steuern bezahlen wie wir auch.“ Er befürchtet auch, dass jetzt immer mehr Betriebe entstehen werden, die in einem Shop ihre Produkte anbieten und so den Kaufleuten Konkurrenz machen, oder die neben den Ferienwohnungen eine Bar oder ein Restaurant am Bauernhof führen und damit die Gastwirte unter Zugzwang setzen.

Daniel Oberparleiter ist diese Diskussion langsam leid. Nachdem er einige Jahre im Ausland als Koch gearbeitet hatte, startete er das Projekt Lerchnhof in Olang. Die Idee eines solchen Bauernhofes sei anderswo durchaus nicht ungewöhnlich, sagt er, „aber in Südtirol wird jemand grundsätzlich bekämpft, wenn er etwas Neues macht“. Und zum Thema „Konkurrenz“ hat er auch etwas zu sagen: „Wir holen neue Gästeschichten nach Olang. Darüber sollten sich eigentlich alle freuen.“

 

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