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    Bedrohter Indianer

    Dem Abenteuerpark Winnetou in Gais droht das Aus. Aber im Netz formiert sich eine enorme Welle der Solidarität mit Häuptling Harry Oberlechner.

    von Silke Hinterwaldner

    Harry Oberlechner nennt sich selbst Häuptling. Der Name ist in diesem Fall Programm: Vor einem Jahr hat er damit begonnen, Zelte und kleine Hütten in Gais nahe der Ahr aufzustellen. Seine Absicht war von Anfang an klar: Er möchte eine Erlebniswelt für Kinder und Erwachsene schaffen. Schließlich möchte jeder gern einmal Indianer sein.

    Das Konzept scheint zu gefallen. Auf Facebook bekommt Harry Oberlechner fast nur Lob für seine Traumwelt. Im Netz endgültig berühmt geworden ist der Abenteuerpark Winnetou vor einigen Tagen, als der Besitzer das Aus ankündigte.

    Harry Oberlechner schrieb: „Trotz aller Bemühungen und Unterstützung der Gemeinde Gais wird mir  jetzt von Seiten des Landes angeordnet, mein Indianerdorf in Gais wieder abzureißen.“ Er weiß nicht mehr weiter. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit bis Oberlechner all seine Hütten und Zelte wieder abbauen muss.

    Das war schon einmal so. Der Abenteuerpark war vor rund einem Jahr von Reischach nach Gais gezogen. Oberlechner hatte seine Zelte in Reischach sprichwörtlich abgebaut und hatte nach einem neuen Standort für seinen Abenteuerpark gesucht. Bei Herbert Mayrhofer in Gais wurde er fündig. Auf einer Wiese mit Hecken und Baumen neben dem Reitstall entstand so ein neuer Erlebnispark. Das Problem ist nur: Es gab nie eine Genehmigung dafür, das Gelände ist nach wie vor als Auenschutzgebiet eingetragen.

    Wie kann das sein? Vor einem Jahr als Harry Oberlechner den neuen Standort fand, gewährte ihm die Gemeinde Gais eine Art mündliche Aufenthaltsgenehmigung. Er dürfe gern schon einmal ein Zelt aufstellen, danach werde man sich um die Umwidmung des Geländes kümmern. Aber dieser Plan ist nicht aufgegangen.

    Als die Gemeinde im März an die Abteilung Natur, Landschaft und Raumentwicklung den Antrag um Umwidmung in touristische Zone stellte, kam ein Nein. Gleichzeitig erschienen die Beamten in Gais zum Lokalaugenschein. Die Folge: Der Abenteuerpark muss wieder abgebaut werden. In den nächsten Tagen muss der Gemeindegeometer alles protokollieren, dann soll alles weiter seinen Lauf nehmen.

    „Vielleicht findet man noch einen Ausweg“, hofft Vizebürgermeister Alex Dariz, „der Abenteuerpark ist eine tolle Struktur für Gais. Auch für die Sommerbetreuung wird er gern genutzt, er ist gut gebucht.“ Um den Abriss der Hütten zu verhindern, wurden nun auch die höchsten Landespolitiker auf den Plan gerufen. Bisher gab es aber nur ein vages Versprechen: Man werde sich einsetzen.

    Ob das reicht, werden die vielen Fans des Abenteuerparks in den kommenden Wochen erfahren. Harry Oberlechner selbst hofft, zumindest den Sommer über noch offenhalten zu dürfen, um nicht alle Reservierungen stornieren zu müssen. Nach und nach schalten sich Politiker verschiedener Parteien ein. Auch Matthias Hofer, Gemeinderat der Süd-Tiroler Freiheit in Olang, hat dem Abenteuerpark schon einen Solidaritätsbesuch abgestattet. Er kommt zum Schluss: „Ich bin beeindruckt von der Vielfalt des Wissens und der Fertigkeiten, die das ganze Jahr hindurch den Besuchern hier geboten werden. Ob man verschiedene Baumarten erklärt bekommt, den Umgang mit dem Bogen erlernt oder das Leben der Indianer oder das Kanufahren – all diese Dinge tragen zum Wohle der Allgemeinheit bei.“

    Genau das ist es, was Betreiber Harry Oberlechner erreichen will. Er selbst erklärt:

    „Alle, die mich besucht haben, kennen meine Philosophie: Respekt gegenüber den Menschen, den Tieren und der Natur. Es ist traurig, dass ein Projekt sterben muss, das so gut ankommt und dass die Entscheidungsträger nicht verstehen, um was es geht. Ich bin müde, enttäuscht und wenn es wirklich zu dem kommt, pleite und arbeitslos.“

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (5)

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    • goggile

      sollte das indianerdorf schliesen muessen, so hoffe ich dass eine spendenwellen zur unterstuetzung gerichtlicher massnahmen gegen dieses urteil und deren herzlosen schreibtischtàter stattfindet. nennt ross und reiter. ganz suedtirol soll wissen welche beamte finanziert mit unseren Steuergeldern, gegen die Gemeinschaft und unseren kindern arbeiten. was macht der momentane oberhàuptling? er grinst. wohl nicht mehr lange, denn der nàchste Urnengang wird einem politischen Erdbeben gleichen, da bin ich ueberzeugt!

    • bernharthans

      du hast es auf den punkt gebracht, ich hatte selbst probleme mit den schreibtischtäter,habe alles überstanden, mir hat der noggler sepp geholfen,es war eine harte zeit, aber es hat sich gelohnt. nicht aufgeben,ein tiroler ist ein kämpfer. wünsche dir viel kraft.

    • ahaa

      Ein echter Indianer scheisst auf die Bùrokratie!
      Werden sie ihn einsperren oder finanziell ruinieren wenn er weiter macht?

      Er hat einfach nur den falschen Namen.Wùrde er Messner heisen,kònnte der Indianerpark auch im Rosengarten stehen und er wùrde vom Seuergeld bezahlt!.

      • bernharthans

        das mit den falschen namen ist gut,oder gehört er der falschen partei an.
        messner hat auch steuergelder erhalten für projekte welch südtirol nichts angehen und für unswer land keinen sinn ergeben.
        indianer kennen keinen schmerz.

    • andreas

      Wenn es im eigenen Sinne ist, wird politische Willkür gefordert, wenn andersrum, wird diese verteufelt.
      Lustige Ansichten.

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