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    Anonyme AIDS-Tests

    Antonella Diano, Birgit Struggl und Arianna Miriam Fiumefreddo

    Der Verein Propositiv weist den Vorwurf, mit Steuergeldern Schwulensaunas und Orgien zu finanzieren, entschieden zurück – und klärt über seine Tätigkeit auf.

    Von Matthias Kofler

    Der Verein Propositiv weist die Vorwürfe des Trentiner Regionalratsabgeordneten Claudio Civettini entschieden zurück: „Wir führen keine Schwulensaunas, sondern kämpfen gegen Aids und andere Infektionskrankheiten“, so Birgit Struggl, die Präsidentin von Propositiv, Arianna Miriam Fiumefreddo, die Verantwortliche für LGBT-Themen und Antonella Diano, die Koordinatorin des Vereins.

    Wie die TAGESZEITUNG berichtete, will der Lega-Politiker Civettini mittels einer Anfrage an Regionalratspräsident Thomas Widmann in Erfahrung bringen, ob der Regionalrat Steuergelder an Vereine aus Bozen ausbezahlt hat, die unerlaubte Orgien und andere Sex-Spiele anbieten.

    Konkret beruft sich der Lega-Abgeordnete in seiner Anfrage auf einen vermeintlichen Skandal, den die Fernsehsendung „Le Iene“ aufdeckte und der national für Furore sorgte. Der Verband Anddos, was für „Nationale Vereinigung gegen die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Ausrichtung“ steht, soll laut den Vorwürfen vonseiten des Staates öffentliche Mittel erhalten haben, mit denen er „Darkrooms“, „Glory Holes“, Orgien und Prostitution finanzierte. Zumindest indirekt.

    Der Südtiroler Verein Propositiv arbeitet seit dem 13. Mai 2016 mit dem nationalen Verband Anddos zusammen. Grund für Civettini, Aufklärung über die Tätigkeit von Propositiv einzufordern.

    „Civettini kennt die Situation in Südtirol gar nicht und hat uns mit der Anfrage großen Schaden zugefügt“, sagen Birgit Struggl, Arianna Miriam Fiumefreddo und Antonella Diano. Denn mit Orgien und Schwulensaunas habe man nichts am Hut.

    Der Verein Propositiv Südtiroler AIDS-Hilfe ist eine ehrenamtlich tätige, anerkannte Organisation, die schon seit 1993 in Südtirol aktiv. Seit dem 14. März 2003 ist der Verein Mitglied des Dachverbands der Sozialverbände Südtirols.

    Hauptziele des Vereins sind die Information und die Sensibilisierung zur Prävention von Infektionskrankheiten, sowie die Unterstützung und das Angebot von Dienstleistungen für AIDS-Betroffene und ihre Angehörigen.

    Der Verein bietet Informationsmaterial zur richtigen Prävention, telefonische Beratung, die Begleitung der Betroffenen und die Verteilung von Kondomen an.

    Seit 2012 werden im Propositiv-Sitz in der Bozner Bari-Straße zudem kostenlose und anonyme HIV-Schnelltests durchgeführt, seit 2016 auch Tests zu Hepatitis C und Syphilis.

    Propositiv ist der einzige Verein in Italien, der solche Schnelltests außerhalb der Krankenhäuser anbietet. In Italien infizieren sich jährlich runf 4.000 Menschen mit dem lebensgefährlichen HI-Virus.

    Besonders am Herzen liegt dem Verein Propositiv die Aufklärungsarbeit bei homosexuellen Männern. Diese seien nach wie vor die Bevölkerungsgruppe, die am stärksten gefährdet ist, sich mit dem HI-Virus anzustecken. Laut Propositiv verzeichnet Südtirol jährlich 18 Neuinfektionen – davon sind 13 Betroffene homosexuelle Männer. Im Vergleich: Vor zehn Jahren waren es noch 30 Neuerkrankungen pro Jahr. „Wir sind überzeugt, dass wir mit unserer Arbeit, die auf Aufklärung und Prävention setzt, einen positiven Beitrag leisten“, so Birgit Struggl, Arianna Miriam Fiumefreddo und Antonella Diano.

    Im Vereinsstatut von Propositiv wird seit 2013 der Schwerpunkt auf Schwule, Lesben und Transsexuelle gelegt. „Dabei sitzen im Vorstand von Propositiv ausschließlich verheiratete heterosexuelle Frauen mit Kindern“, so Birgit Struggl, Arianna Miriam Fiumefreddo und Antonella Diano.

    Propositiv beteiligt sich am 17. Mai an der Initiative „Südtirol homophobia free“ des schwul-lesbischen Vereins Centaurus, bei der mit einem Flashmob am Bozner Rathausplatz Sensibilisierung, Information und Vorbeugung der Erscheinungen Homophobie, Biphobie und Transphobie betrieben werden soll.

    Vor etwa einem Jahr schloss sich Propositiv mit der größten nationalen Vereinigung Anddos zusammen. „Wir wollten für unsere Arbeit auf das Netzwerk von Anddos, das die meisten Mitglieder in Italien aufweist, zurückgreifen“, so die Vertreter von Propositiv. Am Freitag hat sich der Vorstand von Propositiv entschieden, die Zusammenarbeit mit Anddos zu beenden – dies auch als Reaktion auf die Anfrage von Claudio Civettini. „Wir haben mit Schwulensaunas nichts zu tun, wollen aber das Ansehen und den guten Namen von Propositiv unbedingt schützen“, heißt es vom Verein. Zudem müsse die Situation bei Anddos erst noch aufgeklärt werden.

    Propositiv wird mit Landesgeldern und Spenden über die Fünf-Promille-Regelung finanziert. „Wir haben ein reines Gewissen, unsere Bilanz ist einwandfrei“, sagen Birgit Struggl, Arianna Miriam Fiumefreddo und Antonella Diano im Hinblick auf die Beantwortung der Civettini-Anfrage durch Regionalratspräsident Thomas Widmann.

     

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    Kommentare (1)

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    • goggile

      in Afrika ist eine hohe hiv-aids Quote anzutreffen. wieso werden aufgezwungenen fluechtlinge darauf nicht gestestet? wieso werden keine Daten veröffentlicht? wenn diese Quote auf die illegal zwangsaufgezwungenen bevòlkerungsumstrukturierer zutreffen sollte, so ist es nur eine frage der zeit bis auch in Europa dieses Virus stetig steigen wird da immer mehr europàer anbandeln mit den neubeugern aus welchen gruenden auch immer.

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