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    Tödliche Missverständnisse

    20170426_011253Vor dem tödlichen Zugunglück vor zehn Tagen in Brixen versagten nicht nur die Bremsen, sondern auch die Kommunikation zwischen den Bahnarbeitern. Einige von ihnen erfuhren von dem heranrollenden Zug, andere nicht.

    Von Thomas Vikoler

    Alles läuft auf eine langwierige und aufwändige Ermittlung der Staatsanwaltschaft Bozen hinaus. Tatverdächtige gibt es bisher keine, demnächst will Staatsanwalt Markus Mayr einen Gutachter – voraussichtlich einen Universitätsprofessor für Eisenbahntechnik – benennen.

    Dieser soll herausfinden, warum in der Nacht auf Mittwoch vergangener Woche an einem Bauzug die Bremsen versagten. Die Lokomotive, an der mehrere Waggons mit Betontraversen angehängt waren, prallte nach einer drei Kilometer dauernden Fahrt gegen einen stehenden Gleisbauzug. Dabei wurden der 42-jährige Salvatore Verolla und der 52-jährige Achille De Lisa getötet.

    Erdrückt von jeweils 300 Kilo schweren Betontraversen, die durch den Aufprall über die Lokomotive geschleudert wurden, wie die Bahnpolizei in ihrem Unfallbericht schreibt. Einen Arbeiter, der sich in der Nähe des Gleisbauzugs aufhielt, verfehlten die heranfliegenden Traversen. Er kam mit dem Schrecken davon.

    Neben der Klärung der Ursachen des Bremsversagens steht aber vor allem eine Frage im Mittelpunkt der staatsanwaltschaftlichen Ermittlung: Warum wurden Salvatore Verolla und Achille De Lisa nicht von dem heranrollenden Bauzug informiert?

    Der bei dem Aufprall verletzte Lokführer sagte gegenüber den Ermittlern aus, er habe die Arbeiter an der Bahnstrecke per Funk über das Bremsproblem informiert. Mit der wiederholten Ankündigung: „Der Zug bremst nicht“. Doch laut der Rekonstruktion der Bahnpolizei kam die Nachricht nicht bei allen Arbeitern an. Die Rede ist von mehreren Missverständnissen, welche dazu geführt hätten, dass die kurz darauf getöteten Arbeiter (und ihr von den Traversen verschonter Kollege) nichts von der heranrollenden Gefahr erfuhren.

    Tödliche Missverständnisse. Die meisten der Arbeiter, die sich auf den Bahngleisen auf der Höhe des Brixner Krankenhauses befanden, konnten sich hingegen – rechtzeitig gewarnt – in Sicherheit bringen.

    Es gilt nun herauszufinden, ob die mit den Arbeiten am Gleisnetz der Brennerbahnlinie betrauten Firmen alle vorgeschriebenen Sicherheitsstandards eingehalten haben. Wie nun bekannt wurde, hat die beauftragte GCF SpA aus Rom mehrere Subunternehmen engagiert. Auch aus diesem Grund gibt es bisher keine Eintragungen der Staatsanwaltschaft in das Ermittlungsregister. Das Geflecht der beschäftigten Subunternehmen muss erst entwirrt werden. Beispielsweise arbeitete Salvatore Verolla für eine andere Firma als sein ebenfalls getöteter Kollege Achille De Lisa.

    Gleiches Schicksal, unterschiedlicher Arbeitgeber.

     

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