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    Impfung gegen Krebs

    hpv-impfung-mit-heiegger-und-schmorakSeit zehn Jahren gibt es die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs – aber nur 27,8 Prozent der Südtirolerinnen sind geimpft. Einer der Gründe dafür: „Die Impfung ist schwer zu kommunizieren“, sagt Primar Herbert Heidegger. 

    Impffaules Land: Diese Aussage hört man über Südtirol immer wieder, wenn es um Durchimpfungsraten geht. Aber nicht nur bei den Grippeimpfungen, den Kinderimpfungen oder Pflichtimpfungen hängt Südtirol hinterher, auch die HPV-Impfung kommt bei uns kaum zum Einsatz. Nur 27,8 Prozent der Südtirolerinnen sind gegen HPV geimpft. Damit bildet die Provinz im regionalen Vergleich absolutes Schlusslicht – man liegt selbst weit unter dem nationalen Durchschnitt (siehe Kasten).

    bildschirmfoto-2017-04-28-um-14-04-36Woran liegt das? Die Antwort auf diese Frage ist nicht einfach. „Einerseits ist in Südtirol eine generelle Impfmüdigkeit zu sehen, woran das liegt, kann ich allerdings nicht sagen“, erklärt Herbert Heidegger, Primar der Gynäkologie in Meran. Auch das Fehlen von Informationen oder Unwissenheit würden häufig zu Fehlentscheidungen führen. „Viele Unterschätzen, dass diese Viren schwerwiegende Karzinome oder Tumorerkrankungen verursachen können“, erklärt Simone Schmorak vom Dienst für Hygiene. Zudem müsse man sich bei einer HPV-Impfung noch mehr Zeit nehmen, weil es sich eine schwer kommunizierbare Impfung handelt. „Es ist natürlich schwierig mit einem 12-jährigen Mädchen, das mit Geschlechtsverkehr noch nichts zu tun hat, über eine Geschlechtskrankheit und Gebärmutterhalskrebs zu reden. Es ist nicht ganz einfach dieses Thema an die jungen Mädchen heranzubringen, wissend, dass Erkrankungen erst Jahrzehnte später auftreten könnten“, so Heidegger. Auch mit den Mütter sei es nicht immer einfach diese Diskussion zu führen, weiß Simone Schmorak: „Viele Menschen unterschätzen die Gefahr. Eine Impfung heute ist auch noch ein Schutz in 20 Jahren, aber es ist oft schwierig das den Patienten zu vermitteln.“

    Die Diskussionen um die Impfung, die kurz nach deren Einführungen aufgetreten sind, müssten mittlerweile eigentlich keine Rolle mehr spielen, so Simone Schmorak, da die Thesen der Gegner wiederlegt wurden. „Die Todesfälle, die damals für Aufsehen gesorgt haben, konnten nie mit der Impfung in Zusammenhang gebracht werden“, betont auch der Meraner Primar, „schwere Nebenwirkungen konnten nie nachgewiesen werden.“ Es gäbe daher keinen Grund, wegen der Nebenwirkungen von der Impfung abzuraten.

    In der Gynäkologie-Ambulanz in Meran hängt noch immer ein Plakat mit deutlicher Botschaft: Gebärmutterhalskrebs kann töten. „Man hat eine Impfung gegen Krebs, aber niemand oder nur ganz wenige nutzen diese“, so Heidegger. Dies trotz der vielen guten Daten, die man aus anderen Ländern kennt. „Durch die Impfung sind in anderen Ländern die Krebserkrankungen aber auch die Vorstufen einer Erkrankung deutlich zurückgegangen – wir haben durch diese Impfung die Möglichkeit einen relevanten Krebs bei Frauen zu reduzieren“, so Heidegger, der darauf hinweist, dass noch immer Frauen an einer Gebermutterhalskrebserkrankung sterben.

    Aber nicht nur Mädchen und Frauen sollten sich gegen HP-Viren impfen lassen, auch bei Buben wäre eine Impfung laut Heidegger sinnvoll: „Buben können zwar keinen Gebärmutterhalskrebs bekommen, aber Genitalwarzen oder auch Anal- oder Peniskarzinome“, erklärt der Primar, der davon ausgeht, dass die Durchimpfungsrate bei Jungen noch schlechter ausfällt als bei Mädchen. „Wenn man nur Mädchen impfen würde, bleiben die Viren bei Männern erhalten und damit können wiederum ungeimpfte Frauen infiziert werden“, erklärt Simone Schmorak. In diesem Sinne sei es eigentlich ganz klar, dass auch Buben geimpft werden sollten.

    Für Herbert Heidegger ist klar: Um die Durchimpfungsraten erhöhen zu können, müssen Gynäkologen bei diesem Thema eine größere Rolle spielen: „Im Ausland werden HPV-Impfungen vielfach auch von Gynäkologen oder sogar Pädiatern vorgenommen. In Südtirol nur vom Dienst für Hygiene, obwohl der Gynäkologe der erste Ansprechpartner ist. Die Gynäkologen müssen eine tragende Rolle übernehmen und das geht aufgrund des aktuellen Systems derzeit nicht.“

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